Diego Pinera - Odd Wisdom

Diego Pinera - Odd Wisdom

Diego Pinera
Odd Wisdom

Erscheinungstermin: 29.01.2021
Label: ACT, 2020

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Diego Pinera - drums
Donny McCaslin - saxophone
Ben Monder - guitar
Scott Colley - bass

Diego Pinera ist ein Meister der Rhythmik. Die Leidenschaft und das Gefühl für diese wurden ihm bereits in die Wiege gelegt. In Montevideo, Uruguay, geboren und aufgewachsen hat der Schlagzeuger die lateinamerikanischen Musik verinnerlicht, ist dann aber einen entscheidenden Schritt weitergegangen: Pinera wollte erforschen, wie die Latin-Rhythmik den amerikanischen und europäischen Jazz beeinflusst hat. So zog es ihn an das Berklee College of Music nach Boston sowie an die Hochschule für Musik und Theater Leipzig, wo er bei Größen wie Danilo Pérez, Changuito oder Bob Moses studierte.

Rhythmik neu zu denken und traditionelle Muster weiterzuführen, sie vor allen aber dem zeitgenössischen Jazz einzuverleiben - das ist seitdem Pineras Ding. Gerade die „krummen Takte“ haben es ihm dabei angetan. Die Kunst, diese ganz selbstverständlich klingen zu lassen hat er bereits auf seinem Album „Despertando“ gezeigt. Hier besinnt er sich vor allem der Musik seiner südamerikanischen Heimat und „bereichert den Latin-Jazz mit frischen Farben und delikaten Rhythmen“, wie das Fono Forum feststellte.

Gerade mit US-Amerikanern sucht Pinera immer wieder den Austausch. Eindrucksvoll ist ihm das auf „My Picture“ mit dem Saxofonisten Mark Turner sowie Bassist Ben Street gelungen. Für das Album erhielt er 2017 den ECHO Jazz als „bester Schlagzeuger“. Mit „Odd Wisdom“ geht Pinera nun einen Schritt weiter und verfeinert sein rhythmisches Konzept, zeigt sich aber auch als findiger Komponist. Wieder ging es nach New York und hier traf er auf ein All-Star-Team der dortigen Szene um im Quartett improvisatorisch die Weisheit der krummen Takte musikalisch zu ergründen.

Da ist am Saxofon Donny McCaslin, der sich schon in den Achtzigerjahren bei Gary Burton einen Namen machte, sich in den Orchestern von Gil Evans, Maria Schneider oder George Gruntz sozusagen Wettkampfhärte holte, seit 1998 kontinuierlich eigene Alben mit berühmten New Yorker Kollegen macht und zuletzt weit über den Jazzbereich hinaus als Begleiter von David Bowie auf dessen letztem Album „Blackstar“ Aufmerksamkeit erregte.

Am Kontrabass wirbelt Scott Colley, einer der gefragtesten Begleiter, der in den Rhythmusgruppen von Stars wie Roy Hargrove, John Scofield, Mike Stern, Chris Potter oder Herbie Hancock arbeitete und arbeitet. Komplettiert wird diese Supergroup von Ben Monder, mit über 70 Einspielungen als Sideman wie als Leader so präsent wie kaum ein anderer Jazzgitarrist, nicht nur als Teil der New Yorker Szene, sondern auch mit Europäern wie Joris Dudly, Kristjan Randalu oder Theo Bleckmann.

Bei solch potenter Unterstützung ist klar, dass „Odd Wisdom“ alles andere als akademisch klingt. Schon beim Auftakt „Clave Tune“, Pineras eigenwilliger Kombination des klassischen afrokubanischen Clave-Rhythmus mit polyrhythmischen Groove-Elementen, darf jeder mit einem mitreißenden Solo die Weichen auf genussvollen Jazz stellen. Auf „Robotic Night“ experimentiert Pinera erstmals mit elektronischen Sounds, was in der Mischung vieler freier Passagen mit metallisch federnden Beats und weichen Melodielinien der akustischen Instrumente einen faszinierenden Flow ergibt, der in die Beine geht. Selbst „Mi Cosmos“, wo Pinera sich von der ungeraden südosteuropäischen Metrik eines Béla Bartók inspirieren ließ, bekommt durch die über die wirbelnde Perkussion gezogenen Linien McCaslins eine unerwartete Ruhe. Geradezu zum Schwelgen in allen klassisch-modernen Jazz-Feinheiten verführt die Adaption von Thelonious Monks „Blue Monk“, der einzigen Fremdkomposition des Albums.

Und auch auf den restlichen Tracks bestätigen die amerikanischen Stars tatkräftig Pineras zunächst verblüffende Begründung seiner Liebe zur krummen Metrik: „Sie verleiht meiner Musik Leichtigkeit“. Das kann man definitiv „odd wisdom“ nennen.

Text: ACT

jazz-fun.de meint:
Die Musik ist absolut modern. Reizvolle Kompositionen pulsieren im Rhythmus, der reine und klare Klang aller Instrumente erfreut und der improvisatorische Einfallsreichtum aller Musiker begeistert immer wieder aufs Neue.

  1. Clave Tune
  2. Domingo
  3. Conversation With Myself
  4. Robotic Night
  5. Mi Cosmos
  6. Space
  7. Away
  8. De Madrugada
  9. Easter in Puglia
  10. Blue Monk

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