Doppler Trio - Archean

Doppler Trio - Archean

Doppler Trio
Archean

Erscheinungstermin: 26.03.2021
Label: Berthold Records, 2021

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Daniël van der Duim - piano
Floris-jan van den Berg- double bass
Hendrik Eichler - drums

Die Mitglieder des Doppler Trios sind Meister darin, ihrem Publikum musikalische Geschichten zu servieren. Das beweist schon der Titel ihres neuen Albums. ARCHEAN („Archäikum“) bezieht sich einerseits auf die gleichnamige geologische Zeitspanne, die vor rund 2,5 Milliarden Jahren begann und in der die Erde ihre Kruste bildete. Andererseits ist es eine Anspielung auf den Spannungsbogen, den viele Stücke des Ensembles aufbauen.

„Album und Kompositionen zeichnen die Entwicklungsstadien der Erde nach. Alles begann mit einem Feuerball, aus dem zunächst Wasser, später Land wurde, auf dem sich Leben entwickelte“, erklärt Daniël van der Duim. Der Niederländer spielt Klavier und Synthesizer und ist das Mastermind hinter den meisten Kompositionen. Ihm zur Seite stehen sein Landsmann Floris-Jan van den Berg (Kontrabass und Gesang) und der Deutsche Hendrik Eichler (Schlagzeug und Tablas). Damit ist ARCHEAN eine konsequente Fortführung des ersten Albums NEBULA. Darauf drehte sich alles um planetarische Nebel – aus denen Sterne und letztlich das gesamte Universum hervorgegangen sind.

„Ausgangspunkt unserer Stücke sind oft Jamsessions, die ich in Strukturen und Formen gieße“, erläutert van der Duim die Arbeitsweise der niederländisch-deutschen Zusammenarbeit. „In diesem Prozess ist es wichtig, sich in die Denk- und Gefühlswelt der anderen hineinzuversetzen. Oft haben wir eine Stunde lang einfach nur zusammengesessen und über Bilder diskutiert, die während des Spielens in unseren Köpfen entstanden sind. So nahm das Album immer präzisere Formen an.“

Der Opener Herodotus widmet sich dem antiken griechischen Geschichtsschreiber Herodot. Seine Texte zählen zu den ältesten Aufzeichnungen, die aus vorchristlicher Zeit erhalten geblieben sind, weshalb er auch oft als „Vater der Geschichtsschreibung“ bezeichnet wird.

Auf Life folgt Gaia – eine der ältesten griechischen Göttinnen, die häufig als ’Mutter Erde’ personifiziert wird”, erklärt van der Duim. Drummer Hendrik Eichler assoziiert mit dem Titel eher die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft. „Das geht mir grundsätzlich so, das wenn ich Musik höre, mir diverse Farben und Formen durch den Kopf gehen.“ Auch Bandkollege van der Duim bestätigt: „Wir haben oft ganz unterschiedliche Bilder im Kopf, wenn wir an einem neuen Song arbeiten.“

Pelagornis handelt von „einem riesigen Urzeit-Vogel, der angestrengt versucht, sich vom Boden in die Lüfte zu erheben – bis es ihm schließlich gelingt. Ein Gefühl der Erleichterung, das sich auch musikalisch transportiert.“

Pangea besitzt eine ebenso energetische wie dramatische Grundstimmung, durch die sich eine fortlaufende Basslinie aus Halbtonschritten zieht. Ein musikalisches Abbild der Erdkruste.

Origins ist ein vergleichsweise ruhiges Stück mit einem herzschlagähnlichen Puls, Onid eine kurze, kraftvolle Komposition, in der ein merkwürdig klingender Synthesizer zum Einsatz kommt. „Eigentlich wollten wir die Bedeutung des Titels für uns behalten“, schmunzelt Eichler, „dachten dann aber: warum sollten wir es nicht verraten? Also: es geht um einen Dinosaurier. Lest das Wort `Dino‘ doch einfach mal rückwärts. Spätestens jetzt solltet ihr alle Bescheid wissen!“

Der Bandname bezieht sich auf den Dopplereffekt, der beschreibt, wie sich Lautstärke und Tonhöhe von akustischen Signalen – je nach Bewegung relativ zum Empfänger – verändern. Ein Effekt, den die Band auch in ihren Stücken verwendet. „Die Frage, warum dieser Begriff so gut zu unserem Ensemble passt, ist ebenso einfach wie schwierig zu beantworten“, sagt van den Berg. „Einer der Gründe mag darin liegen, dass unser Sound so stark und unverkennbar ist, dass er selbst dann noch identifizierbar ist, wenn wir Jazz-Standards spielen.“

Van der Duim formuliert es so: „Unser Ausgangspunkt ist eine klassische Jazz-Trio-Besetzung. Aber wir nehmen uns die Freiheit, alles Mögliche nebenher geschehen zu lassen – wenngleich es manchmal auch schön ist, ganz auf Effekte zu verzichten. Wobei das ja auch schon wieder ein Effekt ist.“

Das Publikum ist der Musik des Trios normalerweise sehr zugewandt. „Bei einem Auftritt in Berlin war es jedoch sehr unruhig“, erinnert sich Eichler. „Als wir anfingen, redeten die Zuschauer im Saal miteinander und tranken Bier. An manchen Stellen waren sie jedoch schlagartig still. Da dachte ich: cool – sie hören uns tatsächlich zu!“

Kennengelernt haben sich die drei an der Musikhochschule im niederländischen Arnheim. „Wir waren alle in einem Jahrgang und spielten dort zusammen in einer Band. Daraus ergab sich der Wunsch, ein Jazz-Trio zu gründen, weil wir sehr ähnliche Vorstellungen davon hatten, welche Musik wir machen wollten“, blickt van den Berg auf die Gründung des Ensembles zurück.

Auf ARCHEAN berührt das Trio sein Publikum mit seinen atmosphärisch dichten Kompositionen, in die ungerade Taktarten ebenso Einzug finden wie indische Percussion-Sounds.

Text: Berthold Records

jazz-fun.de meint:
Ein gut eingespieltes, bescheidenes Album, das eine tolle musikalische Begleitung für lange Frühlingsspaziergänge sein kann.

  1. Herodotus
  2. Life
  3. Gaia
  4. Pangea
  5. Origins
  6. Finale
  7. Pelagornis
  8. Onid
  9. Intro
  10. Earth

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