Duncan Eagles - Narrations

Duncan Eagles - Narrations

Duncan Eagles
Narrations

Erscheinungstermin: 19.05.2023
Label: ropeadope, 2023

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Duncan Eagles - Saxophone
Tomasz Bura - Piano/Synth
Max Luthert - Bass
Zoe Pascal - Drums

Von BBC Radio als «aufsteigender Stern des britischen Jazz» bezeichnet, sind es vor allem der unverwechselbare Sound und die eigenständigen Improvisationen, die Duncan Eagles spätestens seit seinem letzten Album «Citizen» einen festen Platz in der internationalen Musikszene verschafft haben. Mit der Musik auf seiner neuen Veröffentlichung Narrations zeigt er sein ganzes Können: Ob träumerisch-modale Erkundungen, polyrhythmische Funk-Versatzstücke oder sinnliche Balladen, immer zeigt sich seine Begeisterung für die unterschiedlichsten Musikstile in denen er seinen virtuosen Ansatz und seinen ganz eigentümlichen Sound unter Beweis stellt.

Narrations ist ein Album, das sich von Duncans früheren Alben insofern abhebt, da es kein übergeordnetes Thema gibt. Narrations ist, wie der Titel sagt, eine Sammlung von individuellen Geschichten, Einzelstücken, die nur assoziativ zusammengehören. Die Musik, cineastisch und ausdrucksstark, zieht die Hörenden sofort in athmosphärische Dichte hinein. Sie wurde nahezu 'live' aufgenommen, um die Energie und Unmittelbarkeit der Aufführungen einzufangen. Nachbearbeitungen wurden auf das Minimum beschränkt, so dass der Aufnahme die nötige Rohheit und Schärfe innewohnt, um die Hörenden direkt anzusprechen und mitzunehmen. «Dieses Album zelebriert, was es bedeutet, zu spielen, aufzutreten und mit anderen Musikern im gleichen Raum in Echtzeit zu kommunizieren», so Duncan. «Der Prozess des Aufnehmens und Schreibens unterschied sich dieses Mal von meiner üblichen Herangehensweise, und obwohl mir das damals nicht bewusst war, denke ich im Nachhinein, dass diese Veränderung aus den Einschränkungen geboren wurde, denen wir alle in den letzten zwei Jahren während der weltweiten Pandemie ausgesetzt waren. Dieses Album ist eine Momentaufnahme der spontanen Kommunikation zwischen vier Musikern in einem Raum über zwei Tage im Norden Londons, etwas, das lange nicht möglich war. Es ist eine Würdigung von etwas, das ich für selbstverständlich gehalten habe. Durch diese Erfahrung habe ich erkannt, wie wertvoll diese Form der Kommunikation ist.»

In London zu leben ist ein Vergnügen und man vergisst leicht, wo man ist, bis man in den Nachrichten und den sozialen Medien daran erinnert wird, was für eine gefährliche Stadt London wirklich ist. Grove Park erforscht die Gleichzeitigkeit von Licht und Schatten, die sich gegenseitig bedingen.

Elden ist inspiriert von dem Computerspiel Elden Ring, einem unglaublich großen Open-World Spiel mit einer endlosen dramatischen Landschaft zum Erkunden. Der Song fängt das mulmige Gefühl ein, wenn man in eine dunkle, gefährliche und sich stets verändernden Landschaft hineingeworfen wird. Die mäandernde Energie dieses Stücks, folgt, obwohl es sich wild und dramatisch entwickelt, einer nachfollziebaren Logik, ähnlich einer allmählichen Reise durch unwirkliche Landschaften und Atmosphären.

Suburbiton spiegelt ein wachsendes Problem in den Vorstädten Londons. Obwohl es einige der schönsten und malerischsten Gegenden des Vereinigten Königreichs sind, nimmt die Kriminalität immer mehr zu. So besteht die Komposition aus zwei Teilen: Die erste Hälfte erinnert an einen hellen, fließenden Walzer mit positiver und leichter Energie, der dann in der zweiten Hälfte in eine finstere, rhytmisch offene Improvisation übergeht. Es geht um die zwei Seiten des Lebens in den Vorstädten. Was auf der Oberfläche zu sehen ist, kontrastiert oft mit dem, was darunter liegt...

Local Hero ist der zarteste und gleichzeitig persönlichste Song auf dem Album. Er ist eine Widmung an Duncans erst kürzlich verstorbenen Onkel. Dessen Liebe zur Musik war ansteckend und ist mitunter einer der Gründe, warum Duncan Musiker geworden ist.

Severence erforscht eine zweigeteilte Welt, in der man sich selbst jedoch immer nur des Teils bewusst ist, in dem man sich gerade befindet. Die beiden Abschnitte, der funkig-treibende erste und der sphärischschwebende zweite hören sich zunächst völlig unterschiedlich an, doch sind sie nebeneinander in demselben Raum. Mit der Zeit, die man mit den einzelnen Abschnitten verbringt, werden Gemeinsamkeiten hörbar und man spürt die Möglichkeit, dass Widersprüche aushaltbar und befruchtend sind.

Rosebush ist eine Hommage an den amerikanischen Saxophonisten Kenny Garrett, an die klare und zugleich lyrische Art und Weise, wie er Melodien konstruiert und seinen ganz eigenen Sound als kraftvolles Vehikel nutzt. Garrets Einfluss übrigens ist nicht nur hier, sondern auf der gesamten CD unverkennbar.

Während des Lockdowns hat Duncan eine Bäckerei in London betrieben und seine Ware auf offenen Märkten verkauft, was zu einer unglaublich intensiven Erfahrung für ihn wurde: Lange Nächte und hektische, superfrühe Morgen, die turbulente Stimmung auf den Märkten oft bei regnerischem, böigem Wetter. The Bakehouse fängt die intensiven Bilder, Gerüche und Erlebnisse ein, die bisweilen mit diesem Job unter speziellen Umständen einhergehen.

Text: Ropeadope

jazz-fun.de meint:
Dieses Album hat alles, wofür man Jazz liebt: große Energie, faszinierende Improvisationen, ausdrucksstarke Dynamik, lyrische Passagen, singende Melodien, einen schönen Klang. Großartige Musik!

  1. Grove Park
  2. Elden
  3. Suburbiton
  4. Local Hero
  5. Severance
  6. Rosebush
  7. The Bakehouse

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