Rezension des Albums "Megalopolis" von Emil Miszk Modulaire
Emil Miszk Modulaire
Megalopolis
Erscheinungstermin: 09.10.2026
Label: Alpaka Records, 2026
Wenn jeder zum Zentrum wird
Eine Großstadt besteht nicht aus einem Mittelpunkt. Sie entsteht aus unzähligen Bewegungen, Stimmen, Beziehungen und Reibungen, die gleichzeitig stattfinden. Emil Miszk überträgt dieses Prinzip auf Megalopolis und macht sein Ensemble selbst zu einer musikalischen Metropole.
Der mit dem FRYDERYK ausgezeichnete Trompeter und Komponist versammelt für sein neues internationales Projekt MODULAIRE Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Teilen Nordeuropas. Zeitgenössischer Jazz, Improvisation, klassische Klangvorstellungen und filmische Dramaturgie treffen aufeinander, doch entscheidend ist weniger die stilistische Vielfalt als die Art, wie sie organisiert wird.
Miszk schafft klare kompositorische Strukturen. Sie geben Richtung, Form und Spannung vor, bleiben aber bewusst offen. Erst während des Spielens beginnt die Musik wirklich zu leben. Einzelne Stimmen treten hervor, lösen Entwicklungen aus, verschwinden wieder im Gesamtklang oder verändern die Richtung des Ensembles.
Dabei gibt es kein klassisches Zentrum.
Miszk steht als Komponist und Leiter hinter dem Konzept, beansprucht aber in den improvisierten Passagen keine privilegierte Rolle. Die Solisten agieren gleichberechtigt. Jeder kann zum Ausgangspunkt eines neuen musikalischen Gedankens werden, jeder kann Spannung erzeugen, einen Bruch provozieren oder eine Passage in völlig unerwartetes Terrain führen.
Das verlangt Vertrauen.
Eine solche Musik funktioniert nur, wenn ein Bandleader bereit ist, Kontrolle abzugeben und davon überzeugt ist, dass seine Mitmusiker die geöffneten Räume mit eigener Fantasie füllen können. Miszk setzt genau darauf. Seine Aufgabe besteht weniger darin, jede Entwicklung festzulegen, als Kräfte freizusetzen und Beziehungen zwischen ihnen möglich zu machen.
Der Einfluss Frank Zappas ist in dieser Haltung gut nachvollziehbar: präzise konstruierte Form, scharfe Kontraste, großformatiges Denken und gleichzeitig die Bereitschaft, Unvorhersehbares zuzulassen. Megalopolis übernimmt daraus jedoch keine Ästhetik, sondern ein Prinzip.
So entsteht eine Musik, die sich ständig verändert und dennoch nie auseinanderfällt. Komposition und Improvisation stehen nicht gegeneinander. Die eine schafft die Architektur, die andere bringt Leben hinein.
Megalopolis ist deshalb mehr als ein beeindruckendes Projekt für großes Ensemble. Das Album stellt eine grundsätzliche Frage: Muss in einer großen Formation wirklich immer einer führen, während die anderen folgen?
Emil Miszk gibt darauf eine überzeugende Antwort. Hier kann jeder für einen Moment zum Zentrum werden. Und der Komponist sorgt dafür, dass aus all diesen Zentren eine gemeinsame Stadt entsteht.
(Jacek Brun, 23.10.2026)
Besetzung
Emil Miszk - Trumpet
Patrycja Wybrańczyk - Drums
Steinar Heide Bø - Drums
Kertu Aer - Double Bass
Håkon Huldt-Nystrøm - Double Bass
Sondre Moshagen - Piano
Emil Bø - Trombone
Maria Dybbroe - Alto Saxophone / Bass Clarinet
Viktoria Holde Søndergaard - Vibraphone
Jorik Bergman - Flutes
Per Åke Holmlander - Tuba
Jonathan Sandqvist - Bassoon
Krzysztof Stencel - French Horn
Aleksandra Panasik - Oboe
Krzysztof Hadrych - Guitar
Aleksander Rewiński - Voice
Titelliste
- Shapes of Water I: Foundation
- Shapes of Water III: Circulation
- Shapes of Water II: Concentration
- Diatonic Jogger
- Non Omnis Moriar
- Saying Something
- Something Is Missing
- Non Omnis Moriar: Reprise
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