European Guitar Quartet - Fourtune

European Guitar Quartet - Fourtune - Albumcover
European Guitar Quartet - Fourtune

European Guitar Quartet
Fourtune

Erscheinungstermin: 25.10.2024
Label: Doctor Heart Music, 2024

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jazz-fun`s recap:

Ein Leckerbissen für alle Freunde der Gitarrenmusik. Es fehlt weder an ruhigen Momenten noch an einem wunderbaren Feuerwerk virtuoser Gitarrenpassagen. Man spürt auch die einzigartige Freude am gemeinsamen Spielen und Gestalten, bei dem jeder der Künstler über seine eigenen Interessen hinausgeht und das, was er gerade empfindet, in das gemeinsame Spiel einbringt. Der Verzicht auf Konventionen zugunsten der musikalischen Freiheit ist wohl das auffälligste Merkmal dieses Albums. (Jacek Brun, 17.11.2024)

Besetzung

Zoran Dukic - Gitarre
Pavel Steidl - Gitarre
Thomas Fellow - Gitarre
Reentko Dirks - Gitarre

Über das Jazz Album von European Guitar Quartet "Fourtune"

Was passiert, wenn sich befreundete Musiker außerhalb der üblichen Tourroutine treffen? Das European Guitar Quartet ist ein gutes Beispiel dafür: Zwei befreundete Musiker, die vorher noch nie zusammen gespielt hatten. Aus einer Laune heraus entstand bei einem langen Festivalausklang die Idee eines Trios, aus dem bald ein Quartett wurde. Ein Herzensprojekt, um die Freundschaft auch musikalisch auszufüllen - und nicht zuletzt, um einen Grund für die nicht enden wollenden gemeinsamen Abende zu haben.

Von der „Geburt eines neuen strahlenden Sterns am Konzerthimmel“ schrieben die Dresdner Neuesten Nachrichten nach dem Debütkonzert des European Guitar Quartet im Frühjahr 2012. Es folgten das Album Danza im Mai 2014 und über sechzig Konzerte in siebzehn Ländern in den nächsten Jahren, darunter in bedeutenden Konzertsälen wie dem Concertgebouw Amsterdam, der Kaufmann Concert Hall in New York und der Tchaikovsky Hall in Moskau sowie bei Festivals wie dem Bergen Music Festival (N), dem Ravinia Festival Chicago (USA), dem Monterrey Guitar Festival (MEX) oder der Calcutta Central Hall in Indien.

Zehn Jahre nach ihrem letzten Album veröffentlichen die vier vielbeschäftigten Gitarristen Zoran Dukic aus Kroatien, Pavel Steidl aus Tschechien sowie Thomas Fellow und Reentko Dirks aus Deutschland am 25.10.2024 ihr zweites Album. Es trägt den doppeldeutigen Titel Fourtune, in dem das Quartett mit Facetten von „Vierklang“, „Glück“ und musikalischem „Reichtum“ spielt. Auch an die vier charakterlich unterschiedlichen Musketiere muss man unweigerlich denken, wenn die Musiker kompromisslos und mit ‚beaucoup de fortune‘ die Musik von Frank Zappa und Harry Belafonte in abgefahrene Konzertmusik verwandeln und dabei vergessen lassen, dass es sich um Musik auf klassischen Instrumenten handelt.

Stets mit einem verschmitzten Lächeln über die gewollten Überraschungen und Wendungen in ihrer Musik und der puren Freude über eine ihrer seltenen musikalischen Begegnungen gehen die vier ihrer selbst gestellten Aufgabe nach, die konzertante Tradition des Instruments mit den expressiven und dynamischen Klängen der Moderne zu verbinden. Ein Gipfeltreffen der Gitarrenmusik, bei dem zwei Legenden der klassischen Gitarre und zwei Fingerstyle-Virtuosen Grenzen überschreiten und aufheben.

So wirbeln die musikalischen Charakterköpfe in erstaunlicher Eintracht durch die insgesamt elf Tracks des Albums, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da gibt es betörend hingebungsvolle Klänge in „Porthos“, die geballte Energie von 24 Saiten in Zappas „Father O‘Blivion“ und Sternenklang in „Choral de uma nota“. Eigenkompositionen stammen von Carlo Domeniconi, Pavel Steidl („Pictures of Moravia“), Reentko Dirks („Fuga non Fuga“) und Thomas Fellow, der sich nach einer langen Tournee mit den anderen dreien durch die USA und Indien ohne sie so einsam fühlte, dass er für alle, auch sich selbst, ein Stück schrieb. Da die „Vier Jahreszeiten“ schon vergeben waren, blieben die drei Musketiere plus D’Artagnan, ergänzt durch eine Tarantella, die hier wegen der besonderen Umstände ihrer Entstehung „Coronella“ heißt.

In den letzten Zügen des Albums flatterte noch eine Partitur ins Haus, die zunächst vor allem Stirnrunzeln hervorrief. Wo findet man als Spielanweisung etwas wie: „Die einzige normal klingende Gitarre ist Gitarre 1 ab Takt soundso“? Vorher sollte der Musiker nur Obertongesang erklingen lassen. Obertongesang und „unnormale“ Gitarrenklänge? Wenn das nicht ein passendes Stück für dieses Album ist - „Choral de uma nota“.

Fourtune bietet zeitgenössische Umarmungen von Konzertmusik, Weltmusik und Jazz. Es wird gescatcht, gesprochen, Obertöne werden gesungen und mit allerlei Zubehör werden unerhörte Klänge auf die Gitarren gezaubert. Immer genau dort, wo es gerade passt. Am Ende des Albums steht Harry Belafontes „Turn the World Around“, das mit seiner Aussage nicht nur perfekt in die heutige Zeit passt, sondern für einen der Musiker auch einen sehr persönlichen Bezug hat: Der Titel kam in der einzigen Fernsehsendung vor, die Reentko als Kind sehen durfte (Die Muppets) und ist damit das perfekte Ziel für eine Reise zu den Anfängen.

Das Zusammenspiel von zwei ausgewiesenen klassischen Solisten und zwei Musikern, die sich den modernen Wegen der Gitarre verschrieben haben, sucht nach der perfekten Schnittmenge. Die Auswahl der Musik ist konsequent. Grenzgänger auf der einen und Grenzgänger auf der anderen Seite. Musiker, die für etwas ganz Neues, ganz Eigenes standen. Innovatoren wie Piazzolla oder Zappa, oder wie Bogdanovic oder Domeniconi in der Welt der Gitarre. Diese Musik in eigenen Arrangements der „Band der Individualisten“, die viel Raum für die Freiheit jedes einzelnen Spielers lässt. Und Eigenkompositionen, die den Musikern auf den Leib und in die Finger geschrieben sind. Oder wie es Thomas Fellow formuliert: „Wo es früher um die Einheitlichkeit des Klangs ging, haben wir die Vielfalt gesucht. Jeder von uns spielt gewissermaßen ein anderes Instrument oder eine andere Rolle. Oder besser noch mehrere gleichzeitig...“.

Zoran Dukic (CRO) hat mehr Wettbewerbe gewonnen als jeder andere Gitarrist weltweit. Er leitete einige der erfolgreichsten Hauptfachklassen an mehreren europäischen Hochschulen, derzeit am Königlichen Konservatorium Den Haag, und begeistert das Publikum mit seiner dynamischen Virtuosität. Als Solist, im Duo mit Aniello Desiderio und in verschiedenen Kammermusikformationen ist er einer der meistbeschäftigten Konzertgitarristen der Gegenwart.

Pavel Steidl (CZ) gilt längst als Ikone des Instruments. Seine Interpretationen klassisch-romantischer Musik sind einzigartig und von unnachahmlicher Intensität. Mit Konzerten in allen Teilen der Welt und bei den wichtigsten Festivals hat er sich längst einen Platz unter den Besten seines Fachs erobert. Er gewann 1982 einen der wichtigsten Wettbewerbe seiner Zeit, den „Radio France“-Wettbewerb in Paris, und ist Professor am Königlichen Konservatorium in Den Haag.

Thomas Fellow (D) ist ein Akustikgitarrist ersten Ranges und wurde nicht zuletzt durch sein innovatives Spiel im Duo Friend ‚n‘ Fellow (nach über 2000 Konzerten u.a. mit Ray Charles, Luther Allison und Tommy Emmanuel) zu einem der erfolgreichsten und prägendsten musikalischen Begleiter auf diesem Instrument. Als Autor und Komponist veröffentlicht er bei Schott Music, leitet den bahnbrechenden Studiengang ‚Akustische Gitarre‘ an der Musikhochschule Dresden und konzertiert in über dreißig Ländern.

Reentko Dirks (D) erlangte nicht nur als beeindruckender Gitarrist und Percussionist internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung, sondern auch als Komponist, dessen Werke mehrfach ausgezeichnet wurden und unter anderem im Programm des Cirque de Soleil und der Semperoper Dresden zu hören sind. Er studierte und unterrichtete an der Musikhochschule Dresden und machte als Gitarrist in Projekten mit Giora Feidman und Ksenija Sidorova auf sich aufmerksam.

Text: Doctor Heart Music

Titelliste

  1. Turn The World Around
  2. Athos
  3. Porthos
  4. Aramis
  5. D'Artagnan
  6. Fuga Non Fuga
  7. Pictures From Moravia
  8. Coronella
  9. Oh No
  10. Father O'Blivion
  11. Coral De Uma Nota

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