Fabian Dudek - This Every Place

Fabian Dudek - This Every Place - Album cover
Fabian Dudek - This Every Place

Fabian Dudek
This Every Place

Erscheinungstermin: 09.05.2025
Label: Traumton Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Mit der Saxofonistin Ingrid Laubrock an seiner Seite schlägt Fabian Dudek auf "This Every Place" neue musikalische Wege ein. Das Klangbild wirkt rauer, kantiger und zugleich freier – getragen von ausgedehnten, ungezügelten Solopassagen, in denen sich die beteiligten Musiker großzügig entfalten können. Vier Kompositionen füllen über 42 Minuten und lassen viel Raum für Improvisation, Interaktion und klangliche Weite. Besonders hervorzuheben sind Dudeks filigrane Flötenparts, die dem Album eine überraschend lyrische Tiefe verleihen. Ein weiteres beeindruckendes Werk dieses außergewöhnlichen Künstlers. (Jacek Brun, 10.05.2025)

Besetzung

Fabian Dudek - Alt-Saxophon, Querflöte, Komposition
Ingrid Laubrock - Sopran- und Tenorsaxophon
Felix Hauptmann - Klavier, Synthesizer
David Helm - Bass
Fabian Arends - Schlagzeug

Fabian Dudek – Neue Klangwelten mit Ingrid Laubrock

Seit 2022 veröffentlicht Fabian Dudek jedes Jahr ein neues Album, und jedes scheint seinen Vorgänger noch ein wenig zu übertreffen. Die zweite Produktion seines Quartetts, Isolated Flowers, wurde für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert, die Jury der Horst und Gretl Will-Stiftung lobte damals unter anderem die „bestechende Mischung aus [...] instrumentaler Virtuosität und vielschichtiger, eigensinniger Klanggestaltung“. 2023 legte Dudek mit dem Sextett La Campagne das vielschichtige Album Protecting A Picture That's Fading vor, dessen Ereignisdichte in gravitätischen Kompositionen" (FAZ) ihm eine Nominierung für den Deutschen Jazzpreis einbrachte. Im vergangenen Jahr wurde die Quartett-Produktion Distant Skies, We Dream erneut von Presse und Publikum gefeiert. Die Badische Zeitung war begeistert von der „sicheren Balance zwischen formaler Strenge und ungebundenem Spiel“, NRW Jazz hörte „atemberaubende Musik mit krummen Metren, gegen traditionelle Normen gespielt“ und resümierte: „expressiver, dichter, fast grenzenloser zeitgenössischer Jazz der Extraklasse“.

Auch das neue Album This Every Place bestätigt den Eindruck, dass Fabian Dudek über einen unerschöpflichen Ideenreichtum verfügt. Zugleich wird sein individueller Sound (als Instrumentalist wie als Komponist) immer konkreter, sein Gestaltungswille immer weitreichender. Erstmals hat der Bandleader sein Quartett mit der Saxofonistin Ingrid Laubrock um eine international renommierte Persönlichkeit erweitert. „Nach drei Quartett-Alben war es für mich ein ebenso logischer wie spannender Schritt, jemanden mit ins Boot zu holen“, erklärt Dudek. „Laubrock war die erste und einzige, die ich gefragt habe, weil sie mich schon seit einiger Zeit inspiriert, in ihrer Art zu spielen und auch in dem, was sie komponiert.“ Offenbar beruht das Interesse auf Gegenseitigkeit, denn das gemeinsame Projekt soll fortgesetzt werden. Aber das nur am Rande.

„Ich hatte ihr meine Kompositionen für ein komplettes Konzertprogramm geschickt, und als sie nach Deutschland kam, war sie bestens vorbereitet“, erinnert sich Dudek. Auf zwei Probentage folgten zwei Konzerte in Rüsselsheim und im Kölner Stadtgarten. Letzteres wurde aufgezeichnet, für weitere Aufnahmen war am nächsten Tag Zeit. „Wir hatten das Glück, dass wir unser Live-Setup in der Halle lassen konnten und am nächsten Tag einfach weiterspielen konnten, wieder unter Live-Bedingungen, aber ohne Publikum.“ Aus den Aufnahmen wählte Dudek vier Stücke zwischen sieben und achtzehn Minuten aus, die eine intensive, teils energiegeladene und verdichtete, teils transparente Essenz der Aufnahmen bieten.

„Ich möchte nicht, dass die Alben extrem lang werden“, erklärt Dudek und vergleicht dies mit seinen Erfahrungen in Museen: Wenn die Ausstellung zu groß wird, ist der erste Eindruck am Ende schon wieder verflogen. „Grundsätzlich möchte ich die Menschen mit der Musik erreichen, dabei Interpretationsspielraum lassen und Angriffsflächen bieten, aber die Hörerinnen und Hörer nicht erdrücken.“ Tatsächlich sind die Kompositionen und Improvisationen auf This Every Place so reichhaltig, dass sie beim wiederholten Hören immer wieder neue Details offenbaren.

Für zwei Saxophone habe er noch nie geschrieben, sagt Fabian Dudek, deshalb habe er sich anfangs auch gefragt, wie sich die Erweiterung auf das Gefüge seiner seit 2018 bestehenden Band auswirke. Der vermeintlich schwierige Kompositionsprozess sei dann aber recht unkompliziert und überwiegend intuitiv verlaufen. Einige der neuen Stücke wurden dann bereits im Quartett ausprobiert und ausformuliert, bevor Laubrock zur Band stieß.

„Kurz vor dem Schreiben war ich zweimal in New York, daher haben drei der vier Stücke einen ziemlich direkten Bezug zu der Stadt“, erzählt Dudek. Der Opener „Ice House Celebration“ reflektiert ein Erlebnis in einer Bar in Brooklyn. „Eine Gruppe von Leuten setzte sich zu uns an den Tisch, und es stellte sich heraus, dass sie aus verschiedenen Orten zusammengekommen waren, um den Tod eines Bekannten zu feiern. Das Treffen war natürlich traurig, aber irgendwie auch schön.“ Hier ist Ingrid Laubrock am Sopransaxophon zu hören, in allen folgenden Stücken spielt sie Tenor. Ebenfalls eine Bar-Erinnerung, wenn auch in einer ganz anderen Stimmung, ist „Streetlight Dawn“, dessen Name von einem Cocktail in Manhattan stammt - „es war ein guter Abend“, schmunzelt Dudek.

Für das anfangs fast eingängige „Beach“ greift der Komponist raffiniert auf einige Akkorde zurück, die einst die Beach Boys in „Surfer Girl“ verwendeten. Dudek abstrahiert sie recht stark, und schon bald wenden sich die Saxophone in eine andere, spannungsvollere Richtung. Doch die sommerlichen Assoziationen kommen auch hier wieder zum Vorschein. Das umfangreichste Stück der CD, „Where Thoughts Provoke“, ist von einem Gemälde Henry Taylors im Whitney Museum inspiriert. „Hier habe ich eine andere Kompositionsweise angewandt, teilweise nur Anweisungen statt Noten aufgeschrieben. Aber nicht nur deshalb ist es offener. Es gibt mehrere Ideen, die kombiniert werden können und nicht linear ablaufen müssen, diese ‚Bausteine‘ sind flexibel kombinierbar. Deshalb klingt das Stück immer anders und wahrscheinlich nie so wie auf der Platte.

Schon auf dem letztjährigen Album fielen Dudeks fließende, sich ständig verändernde Rhythmen auf. Dieses Konzept der „morphing grooves“, die von Takt zu Takt eine andere Form annehmen, findet sich auch auf dem neuen Werk wieder. Wichtig ist Dudek die Spannung zwischen Flow und experimentellen Kontrasten. Und dass man den Flow spürt, auch wenn man die komplexe Rhythmik vielleicht nicht vollständig analysieren kann. „Distant Skies... hat den Anfang gemacht, mit dem Wechsel zum E-Bass und dem verstärkten Einsatz des Synthesizers. Darauf haben wir jetzt mit Ingrid aufgebaut und zum Teil ad hoc neue Formen geschaffen“.

Eine etwas andere Struktur verwendet „Streetlight Dawn“ und zeigt laut Dudek einen weiteren Weg in die Zukunft. In den Grooves und den klaren 4/4-Takten am Anfang und Ende des Stücks finden sich Hip-Hop-Einflüsse, die der Musik eine nahbare Ausstrahlung verleihen. „Es ist mein erstes Experiment in diese Richtung, hin zu spontan erfassbaren Formen. Inzwischen gehe ich aber wieder in ein etwas undurchsichtigeres Labyrinth. Mein Ziel ist es, eine Mischung zu schaffen, die Spaß macht und gleichzeitig Brücken zum Abstrakten schlägt, die alle Menschen einlädt, sie zu begehen“.

Musik, die emotional und durch intellektuelle Raffinesse anspricht, die unterhält und gleichzeitig Kunst ist. Das ist die Vision von Fabian Dudek, die er mit This Every Place verwirklicht. Mit seinen intelligenten bis raffinierten Kompositionen, seinen höchst aufmerksamen und variablen Mitspielern und seinen enorm ausdrucksstarken Saxophonduos mit Gaststar Ingrid Laubrock setzt er erneut markante Zeichen in der internationalen zeitgenössischen Musiklandschaft.

Text: Traumton Records

Titelliste

  1. Ice house celebration
  2. Beach
  3. Where thoughts provoke
  4. Streetlight dawn

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