Fabio Gouvêa - Desvio

Fabio Gouvêa - Desvio
Fabio Gouvêa - Desvio

Fabio Gouvêa
Desvio

Erscheinungstermin: 01.03.2024
Label: Unit Recodrs, 2023

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jazz-fun`s recap:

Das neue Album von Fabio Gouvêa beeindruckt einmal mehr durch seinen wunderschönen Gitarrensound. Es gibt keine Aufdringlichkeit, kein Bedürfnis zu glänzen oder zu beeindrucken, keinen Wettkampf oder Konfrontation in dieser Musik. Es gibt wunderbare Kompositionen, sehr interessante Arrangements und den Klang von Gitarren-Vibraphon-Themen. Es gibt auch schöne, ruhige Improvisationen. Eine Musik voller innerer Ruhe und Freude.

Fabio Gouvêa - classical guitar, voc
Jorge Rossy . vib, voc
Charley Rose - sax, clar, voc
Paulo Almeida - perc, voc
Thiago Alves - bass, voc

Wenn du den ersten tropischen Regentropfen auffängst, bevor er auf der Erde aufschlägt und ihn dann behutsam eingräbst - dann wird dort ein "Arvore Cristallina" entstehen, ein Baum aus Kristall. Dieser Baum trägt süsse, durchsichtige Früchte und die Äste dieses Baumes, das sind die Kindheitserinnerungen von Fabio Gouvêa. Desvio - übersetzt: Umleitung, heisst das neue Album des brasilianischen Gitarristen, der seit vier Jahren in Basel, der Grenzstadt am Rheinknie lebt. Gekommen, um das von Wolfgang Muthspiel kuratierte "Focusyear" zu bestreiten, hat er neue musikalische Freunde gewonnen und gleichzeitig auch immer wieder Heimweh: Heimweh nach den Gerüchen des tropischen Waldes im Hinterland von Sao Paolo, den Erzählungen seines Onkels, Heimweh nach den Orten, den Menschen und Rhythmen seiner Jugend, seiner Heimat. Diese Erinnerungen hat Fabio Gouvêa in seinem neuen Album verarbeitet und darum ist es ein sehr persönliches, intimes, im besten Sinne - einzigartiges Album geworden. Um sich herum hat er mit Paulo Almeida an der Perkussion/Gesang und Thiago Alves am Kontrabass/Gesang eine mit allen brasilianischen Wassern gewaschene Rhythmusgruppe geschart, ergänzt von zwei europäischen Musikern, die Fabio am Jazzcampus Basel kennengelernt hat: Jorge Rossi am Vibraphon/Gesang – die meisten Hörer kennen Rossi als begnadeten Drummer, u.a. im ersten Trio von Brad Mehldau - und Charley Rose am Tenorsaxofon und der Klarinette.

Der Eröffnungstrack des Albums "Arvore Cristallina" setzt denn auch gerade den Ton für das ganze Album: der kristalline Klang des Vibrafons verschmilzt mit der akustischen Gitarre zu einem sanften, träumerischen Intro. Wir sehen die Spielplätze von Gouvêas Jugend vor unserem geistigen Auge. Und plötzlich schlägt das Wetter um, der tropische Regen naht: das Intro mündet in einen treibenden "Baiao" im 5/4-Takt, einem der vielen originären, federnden Rhythmen, die Gouvêa in seinen Kompositionen verwendet. Auch in den Solis hören wir auf "Arvore Cristallina" den Blueprint für das ganze Album: Jorge Rossi's Spiel ist luftig, sparsam, nahe am gesanglichen, währenddem Gouvêas und Roses Spiel federnder, virtuoser ist, ohne jedoch den lyrischen Moment aus den Augen zu verlieren. Die Komposition "Infancia" ist das Kernstück des Albums, voller Sehnsucht und Licht. In ihr werden mit "Caboclinho de Guerra", "Caboclinho Perré", "Milonga" und dem "Bossa Nova" gleich vier originäre brasilianische Rhythmen verhandelt und der Track sprüht nur so von Farben und Groove. Mit einem hypnotischen Rhythmus und offenen Akkorden eröffnet die wundervoll warm aufgenommene akustische Gitarre und bald kommen Perkussion und Saxofon dazu, um die fast schon filmmusikartige Melodie vorzutragen.

Selten hört man soviel Farben und Ideen in einem Stück, ohne dass die Musik beliebig wirkt. Es müssen die Kräfte des kristallinen Baumes sein, der die Musik durch all die Rhythmen und Stimmungen hindurch kohärent wirken lässt. "Infancia" ist eine kompositorische Meisterleistung, getragen vom Charme und der Leichtigkeit vibrierender brasilianischer Rhythmen. Und auf "O Ninho" hören wir Gouvêa als begnadeten Querflötisten eine äusserst zärtliche Melodie vortragen, die in einen "Ijexá" Rhythmus mündet.

Alles in allem ist "Desvio" eine intime, herausragende Aufnahme, in der der wahre Star die Kompositionen sind: unglaublich intim, bildgewaltig und rhythmisch vielfältig. Die Musik Gouvêas nimmt einem mit auf eine Reise durch Brasilien, auf eine Reise zurück in eine Kindheit, die voller Farben, Düfte, Rhythmus und Liebe gewesen sein muss.

Text: Ursus Bachthaler

  1. Árvore cristalina
  2. Caro Jorge
  3. Infância
  4. Frevieren
  5. Mais um dia
  6. Vida que segue
  7. De casa
  8. O ninho
  9. Catira

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