European Jazz Publications feiert den Internationalen Frauentag mit der Vorstellung von 10 aufstrebenden weiblichen Jazzstars

Farida Amadou - High Society 2022!

Artist: Farida Amadou (bass/comp)
https://faridamadou.com/
https://farida-amadou.bandcamp.com/
Magazine: JazzMania (B)
Text: Eric Therer
Photos: Robert Hansenne
https://jazzmania.be/

Dubnobasswithmyheadwoman!

"Ich bin im Zug und steige nicht aus", sagte Farida Amadou, als sie sich bereit machte, die lange Treppe zwischen dem Eingang des Bozar und der Rue Royale hinaufzusteigen. Dieser Satz ist wie ein Epilog und beendet das Gespräch, das wir an diesem kalten, nebligen Januarnachmittag begonnen haben. So abrupt dieser Satz auch klingen mag, er fasst dennoch wunderbar den Ansatz der Musikerin zusammen, die "In-Between" in den Königlichen Museen für Schöne Künste in Belgien vorstellt.

Diese audiovisuelle Installation ist auf zwei Achsen aufgebaut. Auf einer Leinwand, die einen ganzen Wandabschnitt einnimmt, werden Bilder gezeigt, die Farida aus den Fenstern der fahrenden Züge heraus eingefangen hat. Im Vordergrund verbinden lange, gespannte Klaviermetallsaiten zwei Stahlplatten, auf denen Kontaktmikrofone angebracht sind, von einem Ende zum anderen. Der Besucher wird aufgefordert, an den Saiten zu ziehen und zu zupfen, die verstärkte Töne von sich geben. Die Parallelität verweist unweigerlich auf die Schienen der Eisenbahn. Das Stück, das für die Europalia-Ausstellung "Trains & Tracks" in Auftrag gegeben wurde, findet hier seine volle narrative und symbolische Dimension. Die Bilder erinnern unwillkürlich an die Arbeit des Fotografen Bernard Plossu, der für seine Aufnahmen oft die Zugfahrt bevorzugt hat.

Es ist das erste Mal, dass Farida sich an dieser Herausforderung versucht. Eine langwierige Arbeit, denn es mussten Bilder gesammelt, Töne aufgenommen und die Vorrichtung aufgebaut werden. Vor allem bei diesem letzten Schritt konnte sie auf die Hilfe von Pavel Tchikov zählen, einem musikalischen Komplizen und Sounddesigner, mit dem sie bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatte. In einem Kommentar zu ihrem Werk erklärt sie, dass die Metallsaiten ursprünglich viel länger sein sollten, was sich jedoch aus Gründen des Ortes und seiner Gegebenheiten als unmöglich erwies, im Museum installiert zu werden. Doch selbst wenn das Werk auf ein Minimum reduziert wird, hat es eine starke musikalische und plastische Aura.

Farida Amadou
Farida Amadou, Foto: Robert Hansenne

Farida Amadou hält sich in Bezug auf ihr Familienleben bedeckt, während sie über ihr Leben als Musikerin mehr verrät. Ihre ersten Schritte machte sie in Lüttich, wo sie als Bassistin die Jam-Sessions im Blues-Sphere im Stadtteil Outremeuse begleitete. Nach ihrer Mitwirkung im Œil Kollectif und einigen CDs, die sie im Duo Nystagmus mit Tom Malmendier aufnahm, machte sie sich einen Namen und traf immer häufiger auf andere Musiker und arbeitete mit ihnen zusammen. Sie spielte Bass in der Post-Punk-Combo Cocaïne Piss und trat unter anderem mit der Geigerin Cécile Broché, dem Trompeter Timothée Quost, dem Schlagzeuger Steve Noble und in jüngster Zeit mit dem Klarinettisten Yoni Silver und dem Saxophonisten Chris Pitsiokos auf.

Gleichzeitig hat Farida unermüdlich an ihrer Technik und ihrem Klang gearbeitet, indem sie viele Stunden mit und an ihrem Instrument verbrachte. Was für ein Weg seit ihrem ersten Solokonzert zur Sommersonnenwende 2018 in dem kleinen Dorf Fontin bis zu ihrem Auftritt im November letzten Jahres auf der großen Bühne des Alten Belgiens als Vorgruppe von Thurston Moore vor mehr als tausend Menschen! Sie gesteht uns, dass Thurston hinter der Bühne auf einem Stuhl saß und ihr zuhörte... Ihr erstes Album unter ihrem bürgerlichen Namen, "00:29:10:02", entstand während des ersten Containments. Es wurde gerade auf Kassette unter dem Mikrolabel Autogenesis neu aufgelegt.

Farida Amadou ist eine talentierte Industriemusikerin, aber auch eine weltgewandte, nomadische und neugierige Frau. Der Weg, den sie beschritten hat, um uns ihre Kunst zu offenbaren, ist vielfältig. Er besteht aus einer Vielzahl von Wegen, die sie, wenn nötig, auch mal verlässt. Dies geschieht jedoch nur, um den Weg danach wieder aufzunehmen, wie ein fahrender Zug, der niemals anhält.

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