Ferdinando Romano feat. Ralph Alessi - Totem

Ferdinando Romano feat. Ralph Alessi - Totem

Ferdinando Romano feat. Ralph Alessi
Totem

Erscheinungstermin: 24.04.2020
Label: Losen Records, 2020

Ferdinando Romano feat. Ralph Alessi - Totem - bei bandcamp kaufen

Ralph Alessi - trumpet (Tracks 1,3,4,5,6,8)
Tommaso Iacoviello - flugelhorn (Tracks 1,3,7)
Simone Alessandrini - alto & soprano sax
Nazareno Caputo - vibraphone & marimba
Manuel Magrini - piano
Ferdinando Romano - double bass
Giovanni Paolo Liguori - drums

Als „Kopf“ des Albums zeichnet der Kontrabassist Ferdinando Romano, der seine Sextett noch durch die Klangfarbe der Trompete verstärken konnte. Alles was die Gruppe auf dem Album an Kostproben ihrer Musik preisgibt, klingt ausgewogen, ausgereift ohne dabei an Frische und Spritzigkeit zu verlieren. Zu hören ist ein buntes Spektrum an Stilen, die von schnellen und quirligen Themen bis zu den vorherrschenden sanften Balladen reichen. Innerhalb der Spielweisen gibt es für die einzelnen Stimmen reichlich Gelegenheit, ihre Klangfarben in ihren Soli kundzutun.

Die Titel im Detail

The Gecko
Cool kommt diese Ballade rüber, eingeleitet durch ein markantes, etwas stereotypes Bass-Motiv, in das die Trompete von Ralph Alessi erst spärliche Töne, dann längere Tonfolgen einfließen lässt – alles in einer entspannten Art und Weise. Das rhythmische Trio beschränkt sich auf achtsame Begleitung. Um die Sache abzurunden, gesellen sich noch Sax und Vibrafon hinzu, schmücken aus, vertiefen die Coolness des Songs.

Evocation
Bass-Figuren leiten ein, wollen Hinführen zum Thema, erwecken Neugierde auf das, was da kommen mag. Zuerst ein Motiv, dann das Thema? Fehlanzeige. Es bleibt beim kurzen Solo des Basses, das nur als Zwischenspiel dient.

Wolf-Totem
Akzentuiert gehämmerte Figuren des Pianos von Manuel Magrini machen den Anfang. Blech- und Holzbläser nehmen den Faden auf, spinnen ihn weiter zu klanglich behaglichen Objekten. Stets prägnant, bereiten Bass und Drums den musikalischen Boden für dieses dem Wolf gewidmetem Totem – völlig ohne Grimm. Das Piano darf jetzt die Stimmführung übernehmen. Ganz unmerklich vollzieht sich ein Übergang von einer eher impressionistischen Spielweise zu einer, die stärker den Ausdruck betont. Der Balladencharakter bleibt dabei unangetastet.

Curly
Curly startet in Ruhe und Würde. Einzelne Piano-Akkorde, wenige Figuren, wollen das Thema vorbereiten. Mit dem Einsetzen des Vibrafons, dann später mit der Rhythmusgruppe, beginnt nach und nach der Wechsel zum Septett. Als überbrückendes Intermezzo springt der Bass von Ferdinando Romano in die sich auftuende Lücke. Sein Spiel kann die solistischen Trompete von Ralph Alessi noch besserer zur Geltung bringen. Deren intensive Klangfarben charakterisieren den Titel als tiefgründige Ballade, in die das Saxofon zum Ausklang noch einige Farbnuancen auftragen kann.

Sea Crossing Part 1 & Sea Crossing Part 2
Ein unisono gespieltes Thema fängt langsam an, aber dann …. Ja, dann wird es wilder, packender, auch freier im Ausdruck. Das betrifft nur zunächst das Blech der Trompete, zunehmend das Sax und schließlich macht die ganze Band einen energischen Ausflug in Expressivität und harmonische Freiheit. Versöhnend kommt der Titel zum Ende.

Das zuvor Gesagt gilt im Wesentlichen auch für den 2. Teil des Sea Crossings. Etwas akzentuierter zeigen sich die thematischen Motive, mehr Vib. ist mit seinen perlenden Anschlägen vertreten. Der musikalischen Boden – oder das Wasser unterm Kiel - gehört jedoch den Jungs von der Rhythmusgruppe; die Bläser verzieren das Thema nur ein wenig.

Memories Reprise
Auch für diesen Titel gelten alle zuvor beschriebenen Charakteristiken. Ein gestrichener Bass darf im Album eines Bass-Geigers nicht fehlen. Sanfte melodische Linien eröffnen den Reigen, die vom Sax von Simone Alessandrini solistisch weiter ausgekostet werden, bis das Piano übernimmt. Rhythmisch wird das Stück durch agiles Trommeln mit Wirbeln und Breaks von Giovanni Paolo Liguori raffiniert untermalt. Unisono fallen die Bläser ein, verstärken durch gemeinsame Einsätze sowie Soli. Keine Frage: Diese „wiederholenden Erinnerungen“ werden als balladenhafte Geschichte erzählt.

Mirrors
Featuring das Vibrafon, so könnte der Titel beim ersten Hören auch lauten. Nazareno Caputo scheint bei seinem Vibrafon die tiefen Lagen zu verwenden, die deshalb ein wenig wie die holzbasierte Marimba klingen. Beim zweiten Hören und beim nachträglichen! Blick auf das Cover wird klar, dass hier wirklich eine Marimba verwendet wird. Wo das immer noch nicht reicht, da hilft der gestrichen Kontrabass aus, um ein warm tönendes, hölzgetränktes Klangbild zu erzeugen, das später in expressiver Spielfreude mündet, die Klangfarben spiegelt.

Text: Cosmo Scharmer

  1. The Gecko
  2. Evocation
  3. Wolf Totem
  4. Curly
  5. Sea Crossing Part 1
  6. Sea Crossing Part 2
  7. Memories Reprise
  8. Mirrors

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