Garden of Silence - Neither You Nor I

Garden of Silence - Neither You Nor I - Album cover
Garden of Silence - Neither You Nor I

Garden of Silence
Neither You Nor I

Erscheinungstermin: 21.11.2025
Label: bazaarpool, 2025

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jazz-fun`s recap:

Musikalische Reisen gehören zu den schönsten Erfahrungen überhaupt – besonders dann, wenn sie von Offenheit, gegenseitigem Zuhören und innerer Ruhe getragen werden. Garden of Silence ist ein Ensemble von Musiker:innen, das genau daraus seine Stärke bezieht: aus Empathie, gemeinsamer Sensibilität und der Liebe zu klanglicher Schönheit.

Neither You Nor I entfaltet sich in unterschiedlichsten Formen – von orchestral wirkenden Arrangements über kammermusikalische Passagen bis hin zu sehr persönlichen, beinahe solistischen Momenten. Alles ist fließend miteinander verbunden. Neben Wärme und stiller Freude finden sich hier auch Melancholie, Nachdenklichkeit und eine leise, fast zärtliche Sehnsucht.

Diese Musik berührt, ohne sich aufzudrängen. Sie begleitet, ohne sich festzulegen. Sie kann überall gehört werden – und wirkt doch jedes Mal neu. Neither You Nor I ist dabei weit mehr als eine Sammlung schöner Melodien oder ein weiteres World-Music-Album. Es ist ein musikalisches Statement einer Gruppe von Menschen, die beschlossen haben, genau das zu spielen und aufzunehmen, was ihnen wirklich am Herzen liegt.

Björn Meyer hat diese Musiker:innen zusammengeführt und eine Richtung vorgegeben – den eigentlichen Weg aber gehen sie gemeinsam. Das Ergebnis ist Musik von großer innerer Geschlossenheit und ehrlicher Ausdruckskraft.

Auch wenn das Album weit entfernt von klassischen Jazzstrukturen ist, wird es alle Hörer:innen begeistern, die offen sind für feinsinnige, tief empfundene und zeitlose Musik.

(Jacek Brun, 03.01.2026)

Besetzung

Björn Meyer (SE/CH) - Künstlerischer Leiter, Bass, Bass-Mandola
Emilia Amper (SE) - Nyckelharpa
Karin Streule (CH) - Vocals
Veronika Stalder (CH) - Vocals
Reza Asgarzadeh (IR) - Duduk
Kaspar Rast (CH) - Schlagzeug, Percussion
Carlo Niederhauser (CH) - Cello
Klaus Gesing (DE) - Bassklarinette, Sopransaxophon
Mohammed Sami (EG) - Violine

Ein leiser Manifest der Schönheit – Garden of Silence

Neun Musiker und Musikerinnen von drei verschiedenen Kontinenten entführen euch in eine andere Welt.

Paradoxerweise ist der „Garten der Stille” voller Klänge: multikulturelle Klänge von heute im Dialog mit den Stimmen der Vergangenheit. Geleitet vom in der Schweiz lebenden schwedischen Bassisten Björn Meyer treffen sich hier neun Musikpersönlichkeiten mit einer sehr eigenen Vision.

Die Entwicklung des Albums Neither You Nor I reicht bis ins Jahr 2011 zurück. Damals entwickelte sich aus dem von der iranischen Sängerin und Harfenistin Asita Hamidi geleiteten multikulturellen Quartett „Bazaar“ der „Garden of Silence“. Die Aufnahmen zum Album begannen 2012, wurden jedoch noch im selben Jahr unterbrochen, als Björn Meyers Partnerin Asita Hamidi im Dezember an Krebs verstarb.

Zehn Jahre lang blieb der Garten still und Björn Meyer widmete sich seinen vielen anderen Projekten, während er nach Wegen suchte, das Repertoire mit neuen Klängen wiederzubeleben. Nun ist das handverlesene neunköpfige Ensemble aus der Originalbesetzung, verstärkt um drei neu hinzugekommene Mitglieder, mit neuen Arrangements zurück. Der „Garten der Stille“ ist nicht mehr still und bereit, sich einem Publikum zu öffnen. „Unsere Mission ist es, Schönheit in diese Welt zu bringen”, sagt Meyer, „und die immense Kraft zu zeigen, die entsteht, wenn wir gemeinsam etwas Sinnvolles schaffen, das größer ist als die Summe seiner Einzelteile.”

Die eher unorthodoxe Besetzung umfasst Nyckelharpa, Violine, Cello, Duduk, Bassklarinette, Saxophon, E-Bass, Bass-Mandola und Percussion sowie zwei Sängerinnen. Meyer betrachtet die Gruppe als mehrere unterschiedliche Ensembles, deren Wege sich kreuzen, aus denen Solisten und kleinere Gruppen von Zeit zu Zeit hervorgehen. So ist „Garden of Silence” ein lebendiges Aufeinandertreffen von Musikpersönlichkeiten aus Stockholm, Düsseldorf, Kairo, Teheran und der Schweiz.

Das erste Stück „Indscha” bedeutet „hier” oder „hierher” auf Farsi und steht für die Rückkehr der Band, aber auch für die Orte und Begegnungen, die Teil ihrer Geschichte sind. Asita kam als Kind in die Schweiz und durfte dort kein Farsi mehr sprechen, sodass ihr Wissen über die Sprache begrenzt ist. Daher sind die Texte in diesem wie auch im Stück „Merat” in einer von ihr erfundenen Sprache verfasst, die an Farsi erinnert.

Der auf „Indscha” folgende „Wandersong” ist ein minimalistisch gestalteter Track mit subtilen rhythmischen Überlagerungen. Der iranische Duduk-Spieler Reza Asgarzadeh beschwerte sich zunächst, sein Part sei kaum spielbar und eigne sich nicht für die Duduk, da diese sonst eher langsame, widerhallende Melodien spielt. Björn Meyer kommentiert: „Aber genau das fasziniert mich: wie die Duduk zu einer Art Bläsersektion mit Klaus Gesing an der Bassklarinette und den Streichern wird.“

Im Stück „Garden of Silence“ sind Zikaden zu hören. Sie leiten zu einer fließenden Archivaufnahme aus dem Jahr 2011 von Asita Hamidi an der Harfe über. Der Song scheint zwischen den Tonarten zu wechseln; ein kreativer Geist aus der Vergangenheit stellt das neue Ensemble vor. Die ersten Gesangstöne in dieser träumerischen und schwer fassbaren Atmosphäre stammen ebenfalls von Asita.

Der Titel mit dem Kosenamen „Aziza“ entstand ursprünglich in einem Stück von Meyers schwedischem Trio Bazar Blå. In der jetzigen Fassung ist er prägnant und tanzbar, voller ineinandergreifender Linien. Der „Waltz for Many“ ist hingegen tatsächlich ein Walzer für mehrere. Es ist eines der Stücke des Albums, bei dem nicht die komplette Besetzung spielt. Er beginnt mit der Bassmandola, zu der nach und nach die Nyckelharpa, das Cello und die Klarinette stoßen. Mit einer leicht melancholischen Note in der Stimme sagt Meyer, er denke manchmal, das Stück sei ein „Walzer für all jene, die nicht mehr da sind“.

„Merat“ ist der Name von Asitas Großmutter, bei der sie eine Zeit lang im Iran aufwuchs. Das Stück enthält schöne, kindhafte Texte in einer erfundenen Sprache, die dem Farsi ähnelt. Außerdem ist darin eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2022 zu hören. Zu hören ist die Stimme von Bruno Amstad, der darin wirkt, als ob er für ein ganzes Stadion singe. Bruno war mehr als 20 Jahre lang Mitglied der Band und verstarb 2024 unerwartet kurz vor der CD-Aufnahme.

„For Asita“ ist eine Soloaufnahme des ägyptischen Violinisten Mohammed Sami. Er stieß nach einer sechswöchigen Residenz von Hamidi, Meyer und den Percussionisten Fredrik Gille vom Ensemble Bazar Blås zum Garden of Silence. Danach war Sami nicht mehr wegzudenken.

Über eine spiralförmige Improvisation aus dringlichen Melodielinien und Stimmen führt die Duduk mit wunderbaren, virtuosen Ornamenten in das Stück „Helix” und seinen pulsierenden Rhythmus ein. „Wenn du einen Tanz für diesen Track erfinden würdest, würde er wie eine Helix aussehen”, so Meyer.

Für „By the Wind” reduzierte sich die Gruppe zu einem dunklen, äußerst exquisiten Trio aus Bassklarinette, Duduk und Cello. Hier kann die Duduk in ihrem traditionellen Repertoire aus melancholischen Melodielinien so richtig glänzen und die drei Instrumente verweben sich wie die aus Stein gemeißelten Reliefs in armenischen Kirchen.

Demgegenüber stehen zwei Stücke mit persischen Gedichten von Omar Khayyam – „Neither You Nor I” – und von Rumi – „Persian Waltz”. Die persische Lyrik ist vieldeutig und daher auch im heutigen Iran so beliebt. Das Titelstück „Neither You Nor I” handelt von der Vergänglichkeit des Lebens und der leisen Erkenntnis, dass wir nur flüchtige Erscheinungen sind, die in ein größeres Ganzes eingebettet sind. Das Gedicht von Rumi handelt vom Einschenken des Weins und dem geliebten Wesen, das sich uns entzieht. Es drückt ein ewiges Gefühl der Sehnsucht aus, das von dem Nyckelharpa-Solo von Emilia wunderbar eingefangen wird.

Mit „Neither You Nor I” erschaffen die Musiker und Musikerinnen von „Garden of Silence” mit all den ihnen eigenen vielfältigen Elementen einen Klang, der Tradition mit Offenheit gegenüber der Zukunft verbindet.

Text: bazaarpool

Titelliste

  1. Indscha
  2. Wandersong
  3. Garden Of SIlence
  4. Aziza
  5. Waltz For Many
  6. Merat
  7. For Asita
  8. Helix
  9. Neither You Nor I
  10. By The Wind
  11. Persian Waltz

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