George Kontomichalis - First Flig

George Kontomichalis - First Flig - Album cover
George Kontomichalis - First Flig

George Kontomichalis
First Flig

Erscheinungstermin: 24.10.2025
Label: Double Moon Records, 2025

George Kontomichalis - First Flight - bei JPC kaufen

jazz-fun`s recap:

Ein beeindruckendes Debüt und ein klares Statement zugleich. Der junge Saxophonist George Kontomichalis zeichnet mit seinem ersten Album als Bandleader ein deutliches Bild seiner musikalischen Welt. Verwurzelt in der Jazztradition, aber mit einer frischen, persönlichen Perspektive, präsentiert er Musik, die gleichermaßen Respekt vor der Vergangenheit wie Neugier auf die Zukunft atmet.

Unterstützt wird er von einer Reihe ausgezeichneter Musikerinnen und Musiker der deutschen Jazzszene – und mit Sonya Sytnyk bereichert eine aufstrebende Stimme das Album um zusätzliche Wärme und Farbe.

Wer mit den Traditionen von Charlie Parker, dem Straight-Ahead-Jazz oder den post-bop-Schattierungen vertraut ist, wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Doch Kontomichalis kopiert nicht – er lässt die Musik neu erstrahlen, mit einem Ton, der reif, selbstbewusst und von eigener Handschrift geprägt ist.

Jede Komposition öffnet Raum für Improvisation, jede Solopassage hat Gewicht und Charakter. Das Zusammenspiel der Band ist energiegeladen, dabei präzise und transparent – ein schönes Beispiel dafür, wie viel Leben in dieser klassischen Jazzsprache noch steckt.

Ein überzeugendes Debüt, voll von Leidenschaft, Musikalität und stilistischer Klarheit. First Flight ist der Beginn einer Reise, von der wir gern mehr hören möchten.

(Jacek Brun, 07.11.2025)

Besetzung

George Kontomichalis - Alto Saxophone
Johannes Enders - Tenor Saxophone
Sonya Sytnyk - Vocals
Tino Derado - Piano
Andreas Lang - Bass
Sebastian Merk - Drums

Tradition trifft Neugier: Das Jazz-Statement von George Kontomichalis

Schon die Besetzung der Band lässt aufhorchen. Tino Derado (p), Andreas Lang (b) und Sebastian Merk (dr) sind drei renommierte und überaus erfahrene Fixpunkte der Jazzszene von Berlin und weit darüber hinaus. Für sein Album-Debüt und seine beseelte Musik hätte George Kontomichalis es kaum besser treffen können. Der Altsaxofonist aus Leipzig betont sogar: „Das ist nicht nur eine Studiobesetzung, sondern eine feste Gruppe. Es geht weiter!”

Für zusätzlichen Glanz sorgt der Name des Tenorsaxofonisten, der als Gast mitwirkt: Johannes Enders. „Es ist eine große Ehre für mich, dass er mir das angeboten hat.“ – so sieht es Kontomichalis. Enders ist eine der Größen des deutschen Jazz auf dem Altsaxofon. Daneben ist er natürlich aus dem weiteren Umfeld der Indie-/Electro-/Rock-/Jazz-Avantgarde-Formation Notwist bekannt. Hier bewegt er sich gewohnt souverän auf purem, klassisch geprägtem Jazz-Terrain. Der Bandleader übernimmt gleich selbst die formale Einordnung: „Das ist ein Straight-Ahead-Album mit Elementen des Postbop.“ Kontomichalis weiß genau, was er tut – er kennt die jazzhistorischen Zusammenhänge. Das Entscheidende ist, dass der Altsaxophonist darin seine eigene Stimme gefunden hat. Die Kompositionen, das Formbewusstsein, der leidenschaftliche Ausdruck – all das trägt eine klare, persönliche Handschrift.

George Kontomichalis wurde 1994 in der griechischen Großstadt Thessaloniki geboren und lebt seit 2016 in Deutschland. Damals kam er zum Musikstudium nach Dresden. Er hatte sich auch in Berlin und Leipzig beworben. An allen drei Hochschulen wurde er zum Vorspiel eingeladen. In Dresden belegte er den 1. Platz unter den aktuellen Bewerber:innen. Dort hatte er auch gleich eine gute Verbindung zum zuständigen Professor, der zu einem wichtigen Mentor wurde. Binnen kurzer Zeit gewann Kontomichalis einen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für herausragende Leistungen. Nach dem Abschluss wechselte er an die Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Dort lernte er die junge ukrainische Sängerin und Darstellerin Sonya Sytnyk kennen. Sie singt auf „First Flight” die berührende Ballade „Means Something To Me” – Musik von George Kontomichalis, Text von der Leipziger Sängerin und Songwriterin Marta Mai.

Seine Neigung zu klassischen Jazzformen geht auf frühe Erfahrungen zurück und leitet ihn bis heute. Der Grieche – er heißt übrigens von Haus aus Georgios – zieht aber die englische
Variante vor – er kommt aus einem musikalischen Elternhaus. Sein Vater arbeitete über Jahrzehnte als Tontechniker in einem großen Konzerthaus und hatte dort Kontakt mit Musikern und Künstlerinnen ganz verschiedener Art. Seine Mutter saß in ihrer Freizeit regelmäßig am Klavier. So war es naheliegend, dass Georgios schon als Kleinkind zu Hause ersten Klavierunterricht bekam, gefolgt von Stunden bei einem Fachlehrer. Sein Hauptinstrument wurde allerdings die Flöte, auf der er sechs Jahre lang klassisch unterrichtet wurde.

Konsequenterweise wechselte er im Alter von 13 Jahren an ein Gymnasium mit Musikschwerpunkt. Binnen kurzer Zeit änderte sich alles. Georgios entschied sich für ein anderes Instrument: das Saxofon. Sein Altsaxofonlehrer gab ihm für die Ferien drei Jazz-CDs mit. Diese wurden zum Soundtrack der nächsten Wochen. „Als ich die gehört habe, war das: Wow! Eine große Liebe! Der Sound hat mich total ergriffen. Genau das wollte ich lernen!“ Er räumt ein: „Der jahrelange klassische Musikunterricht war der Wunsch meiner Eltern. Ich hatte gar kein richtiges Interesse.“ Umso hingebungsvoller tauchte er in den Jazz ein. Die ersten Alben, die er sich selbst kaufte, sind allesamt Klassiker: „Charlie Parker with Strings“, „Coltrane Plays the Blues“ und „Saxophone Colossus“ von Sonny Rollins. Mit einem Album von Louis Armstrong und diversen anderen erweiterte er seine musikalische Perspektive.

Heute sagt Kontomichalis, dass für ihn damals „eine Reise“ begonnen habe, deren jüngste Station das Album „First Light“ sei. Parallel zur intensiven, fast schon besessenen Beschäftigung mit der Jazzgeschichte spielte er in Bands verschiedenster Art: „Kleine Gigs, Hotel-Gigs, Coverbands – oft für Touristen.“ Für seine Jazz-Ambitionen nahm er einiges auf sich. So setzte er sich beispielsweise vier Jahre lang samstags für sechs Stunden in einen Zug nach Athen, um zwei Stunden Unterricht bei einem Saxofon-Virtuosen zu bekommen, der eine Zeitlang an der amerikanischen Jazz-Hochschule Berklee unterrichtete – um anschließend gleich wieder zurück nach Thessaloniki zu fahren. Auch für das Berklee College of Music in Boston spielte er vor. Man bot ihm ein Stipendium an. Doch die zusätzlichen Kosten waren so enorm, dass der Altsaxophonist einen Plan B schmiedete.

Er hatte eine familiäre Verbindung zu Deutschland. So kam er nach Dresden. Dort studierte er parallel Jazz und Klassik. Dort lernte er unter anderem den Trompeter Shogo Seifert kennen (siehe „Causes of Imagination“, Jazz thing Next Generation, Ausgabe 107). Die Verbindung besteht bis heute: Gemeinsam leiten sie eine Formation, in der sie eigene Hardbop- und Bebop-Stücke spielen. „Er ist ein toller Typ und ein sehr guter Musiker.“ Den Bassisten Andreas Lang aus Berlin lernte Kontomichalis bei einer der zahlreichen Masterclasses kennen, an denen er teilnahm. Dieser zeigte sich beeindruckt und bot ihm an, Kontakt zu halten. So entstand das aktuelle Quartett (Kontomichalis hatte auch mal ein Trio geleitet). Lang bildet ein vielfach bewährtes Team mit Sebastian Merk, mit dem auch der Saxofonist schon häufig gespielt hat. Johannes Enders, einer der Lehrer und Mentoren des Griechen, brachte Tino Derado ins Spiel. Fast alle eigenen Titel auf „First Flight“ entstanden für das Album. Eröffnet wird es allerdings von einem älteren Lieblingsstück des Leaders: eine Verbeugung vor dem von ihm zutiefst verehrten Meisterpianisten McCoy Tyner. Das Stück wurde Anfang 2020 anlässlich der Nachricht von dessen Tod geschrieben.

Ein famoser Flug als Etappe einer Reise, die zweifellos spannend bleibt.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. Message to McCoy
  2. Means something to me
  3. Blues menu
  4. First flight
  5. Ruy Lopez opening
  6. Warrior under the rain
  7. You stepped out of a dream

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