Gianni Coscia - La Violetera

Gianni Coscia - La Violetera - Album cover
Gianni Coscia - La Violetera

Gianni Coscia
La Violetera

Erscheinungstermin: 14.11.2025
Label: Tǔk Music, 2025

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jazz-fun`s recap:

Eleganz in ihrer reinsten Form.

Gianni Coscia ist ein Künstler von außergewöhnlichem Format – nicht nur ein Meister des Akkordeons, sondern jemand, der mit selten gewordener Natürlichkeit große Gefühle in scheinbar einfachen musikalischen Gesten ausdrücken kann. La Violetera ist genau das: keine Effekthascherei, kein Virtuosenfeuerwerk, sondern pure Schönheit, die durch Klarheit und Ehrlichkeit wirkt.

Diese Musik lebt von Melodien, die sich behutsam entfalten, von feinsten Nuancen, die Coscia mit unglaublicher Sensibilität formt. Jeder Ton wirkt durchdacht, zugleich frei, warm und zutiefst menschlich. Die Transparenz dieser Aufnahmen lässt uns nah an das Instrument und seinen Interpreten heranrücken – man spürt förmlich, wie die Musik unter seinen Fingern atmet.

Es ist ein Album, das man versunken anhören kann, ganz im Fokus auf jede einzelne Phrase. Aber es ist ebenso Musik, die uns im Alltag begleitet, ohne sich jemals aufzudrängen. Universell, anrührend und zeitlos schön. Ein Werk, das keiner Empfehlung bedarf – es genügt, es einfach zu hören.

(Jacek Brun, 07.12.2025)

Besetzung

Gianni Coscia - fisharmonica

Melodische Klarheit – Gianni Coscia berührt mit Akkordeonpoesie

Der Akkordeonist Gianni Coscia, der im Januar 2026 seinen 95. Geburtstag feiert, spiegelt wie kaum ein anderer die Seele seiner Heimatstadt Alessandria wider. Er verkörpert die Quintessenz einer edlen italienischen Tradition, die von Qualität und Intelligenz, Klasse und Eleganz sowie Ironie und Sanftmut geprägt ist. Mit seinem einzigartigen Talent und seinem feinsinnigen musikalischen Gespür trat er in den Dialog mit den großen Namen der internationalen Musikszene und kann auf mehr als sieben Jahrzehnte künstlerischer Zusammenarbeit zurückblicken.

Die enge Freundschaft, die ihn seit Kindheitstagen mit Umberto Eco verband, führte zu einem fruchtbaren Austausch von Erfahrungen und schenkte beiden ein tieferes Verständnis ihrer Zeit. Während Eco durch Coscia jenes „Gefühl für Jazz“ entdeckte, von dem er oft sprach, gewann Gianni von dem großen Schriftsteller die Kunst des Erzählens. Verbunden mit Ironie und der traditionsreichen Weisheit Norditaliens macht sie ihn zu einem feinsinnigen Erzähler musikalischer Geschichten. Manfred Eicher erkannte diese Gabe als Erster und öffnete Coscia gemeinsam mit Gianluigi Trovesi die Tür zum renommierten ECM-Label – und machte damit wunderbare Kapitel einer einzigartigen musikalischen Erzählung möglich.

Mit 94 Jahren erfüllte der außergewöhnliche Künstler Paolo Fresu seinen lang gehegten Wunsch nach einem ersten Soloprojekt. Damit verlieh er dem Akkordeon, einem Instrument, das in der afroamerikanischen Musiktradition zwar eine besondere Rolle spielt, aber oft vernachlässigt wird, ein neues philosophisches Gewicht. Ähnlich wie bei den Arbeiten von Daniele Di Bonaventura und Pierpaolo Vacca zeigt das Label auch hier seinen klaren Willen, den künstlerischen Wert des Akkordeons hervorzuheben. Eine wohlüberlegte und kulturell bedeutsame Entscheidung, die Gianni die Freiheit gibt, seine solistische Ausdruckskraft zu offenbaren. Entstanden ist, wie Coscia selbst in den Liner Notes beschreibt, eine autobiografische Erzählung.
„Wie selten es vorkommt, spielte ich eine Reihe von Stücken praktisch am Stück, eins nach dem anderen. Dank der Kunst von Paolo Facco am Mischpult, der beinahe ohne mein Zutun die Aufnahmen startete, entstand so dieses Werk. Am Ende der Session wurde mir beim Anhören klar, dass ich fast unbeabsichtigt mein Leben in Musik erzählt hatte und dabei eine fast chronologische Abfolge entstanden war. Zu hören sind wesentliche Meilensteine meines künstlerischen Lebens: mal einfache Erinnerungen, mal Stücke, die mit wichtigen Begegnungen anderer Musiker und den daraus entstandenen Entwicklungen verbunden sind – eine Art Zusammenfassung meines musikalischen Weges.“

Mit seinem Spiel erzählt Gianni Coscia Geschichten voller Erinnerungen und Kultur. Er hinterlässt damit ein klingendes Vermächtnis, das weit über seine Heimat hinausstrahlt. Er ist eine prägende Stimme des europäischen Jazz, ein Botschafter italienischer Musikkultur und ein Künstler, der Generationen verbindet.

So ist nicht nur eine Anthologie seiner Herzensmusik entstanden, sondern auch ein lebendiges Spiegelbild der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts, geprägt von Poesie, Erinnerungen und kulturellen Bezügen, die andernfalls im Nebel der Zeit verloren gegangen wären. Ein Werk, in dem man sich verlieren und träumen kann: kostbar, selten, warm und tief. Dieses Album bezeugt die Größe eines außergewöhnlichen Künstlers und die Geschichte Italiens, wie sie sich im vergangenen Jahrhundert entfaltet hat. Es lädt dazu ein, die Augen zu schließen und sich auf eine Zeitreise zu begeben: zu den Geschichten von Tonino Guerra, zu den Dichtern, Schriftstellern und Drehbuchautoren Italiens, zu den großen filmischen Fresken von Ermanno Olmi und den Brüdern Taviani bis hin zum italienischen Neorealismus.

Text: Tǔk Music

Titelliste

  1. Sigla 1950
  2. Ritratto di mio padre
  3. Laura
  4. Tre bimbi di campagna
  5. Adagio da passeggiata
  6. Stardust
  7. Valzeretto
  8. Our love is here to stay
  9. Love for sale
  10. Tema e specchio deformante
  11. Tributo a Frumento
  12. Tangoli
  13. Tanghetti
  14. Por una cabeza
  15. La violetera
  16. Garganta con arena
  17. 'Round about midnight
  18. Dove andranno a finire i palloncini
  19. Donna / Prime lacrime

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