Rezension des Albums "Am Grund" von Gregor Schor
Gregor Schor
Am Grund
Erscheinungstermin: 10.04.2026
Label: JazzSick Records, 2026
Ein Ensemble zwischen Kontrolle und Explosion
Mit Am Grund legt der Saxophonist und Komponist Gregor Schor ein Werk vor, das sich bewusst im Spannungsfeld zwischen kompositorischer Präzision und improvisatorischer Freiheit bewegt. Jazz wird hier nicht als bloße Stilform verstanden, sondern als ernsthafte künstlerische Praxis – offen, strukturiert und zugleich voller Risiko.
Die Stücke des Albums sind sorgfältig konstruiert, ohne je ihre Beweglichkeit zu verlieren. Klare Formen und durchdachte Arrangements bilden das Fundament, auf dem sich die individuelle Ausdruckskraft der beteiligten Musiker entfalten kann. Genau in diesem Gleichgewicht liegt die Stärke des Albums.
Das Ensemble agiert dabei nicht als reine Ausführungsinstanz. Vielmehr handelt es sich um eine Gruppe hochsensibler Musiker, die sowohl in der Lage ist, mit nahezu mechanischer Präzision zu spielen, als auch – im nächsten Moment – alle Grenzen zu öffnen und die Musik in eine rohe, energetische Richtung zu treiben.
Diese Dualität prägt den gesamten Klang von Am Grund. Kontrolle und Freiheit stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich. Die Kompositionen bieten Orientierung, während die Improvisationen neue Perspektiven eröffnen und die musikalische Sprache ständig erweitern.
Gregor Schor nutzt diese Möglichkeiten konsequent. Als Komponist und Bandleader schafft er einen Raum, in dem sich Struktur und Spontaneität gegenseitig bedingen. Dadurch bleibt die Musik jederzeit lebendig, unvorhersehbar und zugleich in sich geschlossen.
Das Ergebnis ist ein Album, das nicht nur durch seine handwerkliche Qualität überzeugt, sondern auch durch seine konzeptionelle Klarheit. Am Grund besitzt eine innere Spannung, die sich über die gesamte Dauer hält und den Hörer immer wieder neu fordert.
Ein eindrucksvolles, durchdachtes und zugleich energiegeladenes Werk des modernen Jazz – mit großem künstlerischen Potenzial und einer klaren eigenen Handschrift.
(Jacek Brun, 20.04.2026)
Besetzung
Reeds:
Heinz-Dieter Sauerborn
Paul Scheugenpflug
Steffen Weber
Denis Gäbel
Roman Fritsch
Trompeten:
Felix Blum
János Löber
Marvin Frey
Jason Schneider
Posaunen:
Jonathan Strieder
Jona Heckmann
Carla Köllner
Tobias Metzger
Lukas Roos - Gitarre
Nico Klöffer - Bass
Manuel Seng - Piano
Kevin Naßhan - Drums
Gregor Schor - conducting
Vroni Frisch - conducting
Titelliste
- Smetterling
- Am Grund
- Die Schwalbe
- Ölbach
- Rise
- Dooschlogdadoo
- Grauer Kopf
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