Haggai Cohen-Milo - Gravitations

Haggai Cohen-Milo - Gravitations - Album cover
Haggai Cohen-Milo - Gravitations

Haggai Cohen-Milo
Gravitations

Erscheinungstermin: 13.06.2025
Label: XJazz!, 2025

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jazz-fun`s recap:

Haggai Cohen-Milo präsentiert sich auf „Gravitations“ als außergewöhnlicher Komponist und Arrangeur. Die Musik dieses Albums ist durch und durch zeitgenössisch, gleichzeitig aber tief verwurzelt in den Traditionen des Jazz und der klassischen Musik. Mit großer Sorgfalt hat er hervorragende Musiker um sich versammelt und ihnen bewusst viel Raum für eigene Ausdrucksformen gelassen. So ist ein Ensemble entstanden, das seine Kompositionen nicht nur umsetzt, sondern sie kreativ weiterträgt und vertieft. Dass dieses Projekt live aufgenommen wurde, verleiht der Musik zusätzliche Kraft und Unmittelbarkeit – das Ergebnis ist ein lebendiger Organismus, der sich im Moment entfaltet. „Gravitations“ ist ein wunderschönes, vielschichtiges Werk, das mit jedem Hören neue Facetten offenbart und tief berührt. Ein Album, das man nicht verpassen sollte. (Jacek Brun, 15.06.2025)

Besetzung

Emma Rawicz - sax (1, 2, 3, 4, 7, 9)
Maria Grand - sax (5, 6, 8)
Philip Dizack - trumpet (1, 2, 3, 5, 6, 7, 8)
Justin Stanton - trumpet (4, 9)
Tamuz DeDekel - guitar
James Dhipp - vibraphone, keys, percussion
Haggai Cohen-Milo - bass
Ziv Ravitz - drums (1, 2, 3, 4, 7, 9)
Amir Bresler - drums (5, 6, 8)
Stimulus - vocals (2, 6, 9)

Klang und Gravitation – Haggai Cohen-Milo zeigt seine ganze Kunst

Der in Berlin lebende Kontrabassist und Komponist Haggai Cohen-Milo, der für seine genreübergreifenden und interdisziplinären Werke bekannt ist, kündigt die Veröffentlichung seines neuen Albums Gravitations an. Das Album ist ein Auftragswerk der Symphoniker Hamburg und eine mutige Neukomposition, die live in der ikonischen Laeiszhalle Hamburg aufgenommen wurde.

Als kreative Ausgangspunkte für das Album dienten Mahlers „Das Lied von der Erde”, Verdis „Requiem” und Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune” – gemeinsam ausgewählt mit Daniel Kühnel, dem Intendanten der Symphoniker Hamburg. Das Album nähert sich der Anziehungskraft klassischer Musik nicht durch Arrangements oder Bearbeitungen, sondern durch neue Kompositionen von Haggai Cohen-Milo, die sich deutlich von den Originalwerken entfernen. Entstanden im Rahmen einer dreiteiligen Konzertreihe spiegelt das Album die intensive Auseinandersetzung des Komponisten mit dem klassischen Repertoire wider, das er durch eine dynamische Fusion aus Jazz, Improvisation und Spoken Word neu interpretiert. Am Kontrabass führt Haggai Cohen-Milo ein herausragendes Ensemble an: Emma Rawicz und Maria Kim Grand (Saxophone), James Shipp (Vibraphon, Keyboards), Philip Dizack und Justin Stanton (Trompeten), Tamuz Dekel (Gitarre), Amir Bresler und Ziv Ravitz (Schlagzeug) sowie der Spoken-Word-Künstler Stimulus.

Haggai Cohen-Milo beschreibt seinen kreativen Prozess als Raumfahrt: „Ich fühle mich wie ein Raumschiff, das vom Mond – dem klassischen Werk – angezogen wird, ihn dann aber hinter sich lässt, um mit Gegenkraft neue Welten zu erkunden.“ In „Gravitations” umkreist er die Originale in einem Prozess des Dialogs, der Analyse und der Improvisation – auf der Suche nach dem emotionalen Kern der Werke, den er gemeinsam mit seinen Mitwirkenden in etwas völlig Neues verwandelt. Im Zentrum von „Gravitations” steht die Frage: Was erzählen uns die großen Meisterwerke der klassischen Musik der letzten 150 Jahre – und was sagen sie uns heute noch?

Die erste Single des Albums, Lacrimosa Part One, ist eine bewegende Neuinterpretation von Verdis Lacrimosa. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges, zutiefst emotionales Werk. „Es ist meine Reaktion auf die bekannte Passage aus Verdis Requiem, Teil der Dies Irae-Sequenz der katholischen Messe“, sagt der Komponist über das Stück. „Während der Arbeit an dem Stück sprach ich mit dem Dirigenten Sylvain Cambreling, der diese Stelle als eine der wichtigsten im gesamten Requiem bezeichnete. Ich ließ mich vom rhythmischen Gefühl und der Phrasierung der Basslinie inspirieren und versuchte, ein ‚Tränenlied des Tages‘ für mich selbst zu schreiben. Ich entwickelte immer neue Melodien und fand schließlich durch die Kombination aus Traurigkeit, Selbstreflexion und einem Hauch von schwarzem Humor die passende.“

Die zweite Single, „Song of the Earth“, gehört zu den swingenderen Stücken des Albums und zitiert direkt aus Mahlers Lied. „Wer genau hinhört, erkennt die ursprünglichen Motive. Der Track endet mit Mahlers Thema – fast wie im Original, aber neu interpretiert mit unserem Klang.“ Der Titeltrack 3+3 ist von Debussy inspiriert und basiert auf zwei Abschnitten mit jeweils drei Takten aus seinem Originalwerk. Die Stücke wurden in One-Take-Sessions aufgenommen und speziell für dieses Ensemble geschrieben, um Raum für Improvisationen rund um zentrale Themen zu lassen. So fängt Gravitations die Verletzlichkeit und rohe Intensität eines Live-Erlebnisses ein. „Ich habe Live-Aufnahmen schon immer geliebt“, sagt Cohen-Milo. „Es gibt kein Versteck – man hört die Geschichte, das Risiko, die Energie zwischen den Musiker:innen, dem Saal und dem Publikum.“

Für Cohen-Milo geht es bei Gravitations letztlich darum, durch Musik Gemeinschaft zu schaffen. „Ich schreibe Musik, um sie mit meinen Freunden zu spielen – das war schon immer mein Traum. Musik ist für mich ein soziales Werkzeug – für Gespräche, Verbindung und gemeinsame Erkundung mit der Band und dem Publikum.“ Dieser Gemeinschaftsgedanke zeigt sich besonders in „Lacrimosa Part Two”, einem vom Rap getriebenen Coda zum Eröffnungstrack, in dem Stimulus über Cohen-Milos düster-verspielte Klanglandschaften eine Reflexion über Trauer und Identität liefert. „Gravitations” ist ein Album, das niemals stillsteht. Es bewegt sich fließend zwischen Jazz, Klassik und Hip-Hop – und etwas ganz Eigenem. Mal schwebt es leicht und frei, dann verankert es sich in präzisen Grooves oder wendet sich in poetischer Introspektion nach innen. „Gravitations” vereint nicht nur klassische und jazzige Traditionen, sondern schafft einen neuen Raum, in dem beide koexistieren können – die Essenz des Originals bewahrend und dennoch mit einer zeitgenössischen, lebendigen Stimme versehen.

Text: XJazz!

Titelliste

  1. Lacrimosa
  2. Lacrimosa-Epilogue
  3. Salva me
  4. Song Of The Earth
  5. Descending Chords
  6. 3+3
  7. Verdi Transition
  8. Debussy Transition
  9. Like We

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