Hans Lüdemann & Reiner Winterschladen - Porgy's Dream

Hans Lüdemann & Reiner Winterschladen - Porgy's Dream - Albumcover
Hans Lüdemann & Reiner Winterschladen - Porgy's Dream

Hans Lüdemann & Reiner Winterschladen
Porgy's Dream

Erscheinungstermin: 24.05.2024
Label: Double Moon Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Hans Lüdemann und Reiner Winterschladen haben uns ein sehr interessantes Album vorgelegt, dessen musikalisches Material trotz seines äußeren Erscheinungsbildes sehr originell ist. Die vertrauten Themen sind lediglich der Ausgangspunkt für Improvisation und ein sich entwickelndes Eigenleben. Es ist ein Album, das uns in eine ganz andere, scheinbar vertraute Welt entführt, die aber mit jedem Klang neu entdeckt wird. (Jacek Brun, 24.05.2024)

Reiner Winterschladen - trumpet
Hans Lüdemann - piano

Sich auf ein musikalisches Jahrhundertwerk wie George Gershwins populäre Oper „Porgy and Bess“ zu beziehen, birgt enorme Risiken. Zumal aus diesem Werk zahlreiche allgegenwärtige Songklassiker hervorgegangen sind. Auch Hans Lüdemann meint: „Man muss schon einen guten Grund haben, das anzugehen“ - und natürlich ein schlüssiges Konzept für einen neuen, eigenen Ansatz. Mit „Porgy’s Dream“ ist das glänzend gelungen. Lüdemanns persönliche Hommage, zusammen mit dem Trompeter Reiner Winterschladen, begnügt sich nicht mit gekonnten Interpretationen nach gängiger Jazzmanier. Das Duo greift ausgewählte Themen auf und entfaltet in seinen frei atmenden Stücken eine intensive Atmosphäre, die dem Original in jeder Hinsicht gerecht wird.

Ausgangspunkt für dieses Projekt war eine „alte Liebe“. Hans Lüdemann, der deutsche Pianist, Komponist und Arrangeur mit jahrzehntelanger, stilistisch vielfältiger Erfahrung, zählt zu den zahllosen Fans des großartigen "Porgy and Bess"-Albums von Miles Davis, aufgenommen im Sommer 1958. Der Arrangeur Gil Evans hatte damals mit seiner außergewöhnlichen Handschrift die Orchesterbegleitung für Davis' Trompete gestaltet. „Ich habe das Album schon ewig und mochte es schon immer sehr“, schwärmt Lüdemann. Als er 2019 einen Kompositionsauftrag für ein Musiktheaterstück an der Oper Köln erhielt, kam er auf dieses Album zurück: als Inspiration, Referenz und Motivation. Im Zuge der intensiven Auseinandersetzung mit Gershwins Originalwerk und parallel mit dem Davis-Album (für das ein gutes Dutzend Stücke übernommen wurde) wuchs der Wunsch nach einer eigenen Bearbeitung - als Herzensangelegenheit. Dabei war ihm klar, dass es eines besonderen Ansatzes bedurfte. „Die Frage war: Wie gehe ich respektvoll mit dem Material um und finde gleichzeitig einen eigenen Zugang?“

Lüdemann entschied sich für eine intime Form, eine Reduktion in mehrfacher Hinsicht. Die Zusammenarbeit mit Reiner Winterschladen lag auf der Hand - zumal dieser sich bereits als Solist der NDR Bigband mit „Porgy and Bess“ (und den Arrangements von Gil Evans) auseinandergesetzt hatte. Lüdemann und Winterschladen kennen sich seit Mitte der 90er Jahre. Seitdem haben sie immer wieder zusammengearbeitet - eine jener dauerhaften Verbindungen, denen auch längere Pausen nichts anhaben können. Zu den bisherigen Höhepunkten zählen vor allem die Duounternehmungen, die in zwei wunderbaren Albumproduktionen mündeten ("Mysterious Call" 2001, "Heavy Hearts" 2013). Eine kleine biografische Kuriosität: Lüdemann ist gebürtiger Hamburger, lebt aber seit drei Jahrzehnten in einem kleinen Ort bei Bergisch-Gladbach - Winterschladen stammt aus Bergisch-Gladbach, lebt aber schon lange in Hamburg.

Das endgültige Konzept wurde gemeinsam entwickelt und beinhaltete auch experimentelle Ansätze. „Porgy’s Dream“ ist ein Balladenalbum. Während der Produktion entstanden auch einzelne Tracks, die von diesem Konzept abwichen - und wieder verworfen wurden. Lüdemann und Winterschladen spürten, dass ihr Ansatz nicht die üblichen Variationen von Tempo und Stimmung benötigt. „Ich finde, Balladen waren schon immer eine Stärke von uns. Wir wollten diesen ruhigen Grundgestus, wir wollten Raum lassen und die Musik nicht so dicht werden lassen. Das Atmosphärische sollte ein wesentlicher Leitfaden sein.“ Lüdemann betont in diesem Zusammenhang die emotionale Dimension von Gershwins Werk und seiner Geschichte, in die er tief eingetaucht ist. „Das sind Stücke, die etwas in mir zum Schwingen bringen, die einem sehr nahe gehen, die einen berühren.“ Und genau das spürt man in jedem Moment dieser Musik. Das wunderbar vertraute Duo bewegt sich frei durch das Material. Manchmal klingen Themen und Harmonien nur kurz an. Und doch ist die Verbindung zum Kern immer da. Eine der vielen Qualitäten dieses Albums ist Winterschladens erzählerisches Spiel auf Trompete und Flügelhorn, sein „Erzählton“, wie Lüdemann schmunzelnd sagt. Diese Stimme und Lüdemanns einfühlsam assoziierendes Klavierspiel ergänzen sich zu einer rundum stimmigen, ganz eigenen „Porgy and Bess“-Hommage.

Konzerttermine mit diesem Programm sind in Planung. Reiner Winterschladen hat inzwischen mit seiner Stammband, den Nighthawks, ein neues Album aufgenommen. Hans Lüdemann hat weiterhin sein international besetztes TransEuropeExpress Ensemble im Blick. Außerdem legt er letzte Hand an die Oper „Manhattan Moon“, deren Uraufführung wegen der Corona-Jahre verschoben werden musste. Dieses große Werk profitiert ebenfalls von seiner intensiven Beschäftigung mit Miles Davis' Album "Porgy and Bess".

Text: Double Moon Records

  1. Indian summertime
  2. Gone, gone, gone away
  3. I love you, porgy, forever
  4. Bess meditation
  5. Praying
  6. Oh bess, you are my woman
  7. Fisherman and strawberry market
  8. Porgy's dream
  9. Boat trip

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