Hayden Chisholm - Breve

Hayden Chisholm - Breve

Hayden Chisholm
Breve

Erscheinungstermin: 27.03.2015
Label: Pirouet Records, 2015

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Hayden Chisholm, alto saxophone
John Taylor, piano
Matt Penman, bass

Er spielt virtuos mit Worten – und unendlich biegsam und raffiniert mit Tönen: Der Saxophonist Hayden Chisholm und seine Trio-Partner John Taylor, Klavier, und Matt Penman, Bass, entfalten auf der PIROUET-CD Breve eine magische Schönheit der Ruhe und der verblüffend organischen Zwischentöne.

Es ist unglaublich: die Ruhe, die dieser Ton ausstrahlt – dieser feine, leise, unendlich geschmeidige und biegsame Saxophon-Ton Hayden Chisholms. Es ist ein Sound, mit dem derzeit kein anderer zumindest in der Welt des Jazz vergleichbar ist. Ein Klang mit ganz eigener Aura, der ungemein zart und schlank wirkt und dessen in sich ruhende Linien durch hochraffinierten Einsatz manchmal minimaler Tonabstände (Mikrotonalität) eine in jedem Takt fesselnde Intensität entwickelt. Wegen dieser "einzigartigen Klangästhetik " bekam Chisholm 2013 den angesehenen Jazzpreis des deutschen Rundfunksenders SWR. Und Anfang 2015 wurde der gebürtige Neuseeländer, der in Köln studiert hat, vom weltbekannten "moers festival", jenem seit 1972 existierenden Treffen besonders elektrisierender neuer Stimmen des Jazz, zum "Improviser in Residence" gekürt; ein Jahr lang lebt und arbeitet der "Improviser in Residence" in der Stadt am Niederrhein. Sonst hat Chisholm seine Lebensmittelpunkte derzeit in Köln und Belgrad. Dem Klang dieses faszinierenden Musikers kann man in dieser PIROUET-Veröffentlichung besonders nahe kommen: Breve heißt sie (was zugleich auch der Name der Band ist) und präsentiert Chisholm in einem Trio mit seit langem geschätzten Kollegen, das in intimer Klangschönheit eine luftige Musik voller Innenspannung spielt. Eine schillernde, fesselnd doppelbödige Ruhe erfasst den Hörer dabei.

Die Partner des 1975 in der Nähe von Auckland, Neuseeland, geborenen Saxophonisten, der als Kosmopolit schon in den unterschiedlichsten Ländern seine musikalischen Fühler ausgestreckt hat, sind sein seit zwanzig Jahren in New York City lebender Landsmann Matt Penman, geboren 1974 in Palmerston North, Neuseeland, und der 1942 in Manchester, England, geborene Pianist John Taylor, der bis 2007 Professor an der Hochschule für Musik in Köln war. "Matt kenne ich schon seit der Highschool in Neuseeland, wo wir beide aufwuchsen. John traf ich, als er noch in Köln lehrte, wo ich studierte. Ich träumte schon immer davon, mit ihm zu spielen, und ein Jahrzehnt nach unserer Begegnung an der Hochschule wurde dieser Traum wahr. Unser erstes Konzert war 2007 in England", sagt Hayden Chisholm über die Beziehung zu seinen Triopartnern und hebt hervor: "Sie sind beide Musiker, die sehr gut zuhören. Das mag selbstverständlich klingen, aber es gibt einige Musiker, die in dieser Hinsicht hervorstechen. Außerdem sind beide auch exzellente Komponisten, und das bringt, finde ich, bedeutend mehr Musikalität ins Spiel."

Die ist in diesem Setting auch besonders wichtig. Eine Besetzung ohne Schlagzeug ist Reiz und Herausforderung zugleich. "Ich mag den Raum, den uns diese Besetzung lässt", sagt Chisholm. "Wir können ein bisschen mehr mit Dynamik und Tonfärbung arbeiten." Und das tun die Drei hier auf ganz feine, nirgends aufgesetzte, stets organische Art. "Musikalität" könnte eines der Schlüsselworte für dieses Trio sein. Denn dieses Trio findet hier zu einem ungemein natürlich wirkenden Flow. Jede Note ist zwingend (und bezwingend), aber keine auftrumpfend.

Klangsinnlichkeit und Hintersinn: Auch das sind Begriffe, auf die man diese Musik bringen kann. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Titel der einzelnen Stücke – und auf den Namen des Trios und der CD. Das Wort "Breve" steht im Englischen für die längste Note in notierter Musik, eine doppelte ganze Note (im Deutschen sagt man "Brevis"). "Es gefiel mir, dass das Wort auf das lateinische Wort für ›kurz‹ zurückgeht und doch die längste Note meint", sagt Chisholm. Das Spiel mit Bedeutungen und Hintergründen ist typisch für ihn und seine Partner. Patche ist ein Anagramm aus den Initialen der drei Musiker-Namen. Tinkerbell Swing bezieht sich auf Feen, Elfen und die Art, wie Feen swingen könnten – die Fee in "Peter Pan" heißt so wie der Titel. Augmented Waltz ist der gewitzte Name eines Walzers, der eine übermäßige Quinte verwendet. Zu den besonders herrlichen Wortspielen in den Titeln dieser CD gehört Pass a Cage Lea: Die Komposition ist eine Passacaglia, ein Stück, das, einer ganz alten Form gemäß, auf einer durchgehenden Basslinie aufbaut – und der Titel Pass a Cage Lea ist, was man mit dieser Information im Hinterkopf sofort bemerkt, eine lautmalerische Annäherung an das Wort Passacaglia. Inebriate Waltz (berauschter Walzer) erläutert Hayden Chisholm so: "Ein langsamer Walzer, komponiert für die frühen Morgenstunden, wenn die Menge sich hin- und herzuwiegen beginnt". Der Titel Barely a Moon Old stammt aus einem Gedicht, das Chisholm schrieb, The Elf of Plants ist ein Rätsel, das Matt Penman gestellt hat.

Breve: Ein Trio, das hier augenzwinkernd und in einem scheinbar ganz einfachen Gewand auftritt. Hayden Chisholm, der in anderen Projekten auch Sopransaxophon, Klarinette, Melodica und nicht zuletzt das indische, traditionell zur Begleitung von Gesang eingesetzte Instrument Shrutibox spielt, beschränkt sich hier auf sein Hauptinstrument, das Altsaxophon. Kammermusikalisch pur begegnen sich hier die drei Instrumente Altsaxophon, Bass und Klavier. Und es entsteht eine Musik von einem schier überwältigenden Farbenreichtum. Ein ganz weit offener Raum ist die Klangwelt von Breve – ein Raum, der in den neun Stücken dieser CD seine Beleuchtung auf faszinierende Art immer wieder wechselt. Diese PIROUET-CD ist die erste Studio-Veröffentlichung des Trios – eine Live-Aufnahme (Breve Live at Plush) erschien erschien 2013 in Chisholms 13-CD-Box 13 Views of the Heart’s Cargo. Die leisen Schönheiten einer ganz eigenen Klangwelt von drei Musikern, die gleichsam gemeinsam zu atmen scheinen, tun sich in der vorliegenden CD in berückend klarem und dabei immer warmem Sound auf. Dies ganz besonders im letzten Stück, das die feine Kunst des Trios auf den Gipfel führt: Es heißt Fly, und die Töne darin heben mit noch mehr Ruhe ab als in den acht Stücken zuvor – Jazzballaden-Kunst höchster Güte.

  1. Patche
  2. Barely a moon
  3. Tinkerbell swing
  4. The elf of plants
  5. Augmented waltz
  6. Pass a cage, Lea
  7. So it goes
  8. Inebriate waltz
  9. Fly

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