Hof Jazz Nights 2026 – Jazz, Begegnungen und eine besondere Atmosphäre in Hof

Zwei Tage zwischen polnischem Jazz, internationalen Perspektiven und leidenschaftlicher Festivalarbeit

Hof Jazz Nights
Hof Jazz Nights

Von Jacek Brun

Manche Festivals beeindrucken durch Größe, andere durch ihre Atmosphäre. Die Hof Jazz Nights 2026 gehörten eindeutig zur zweiten Kategorie. Für drei Wochen wurde die oberfränkische Stadt Hof zu einem Ort intensiver musikalischer Begegnungen, spannender Gespräche und leidenschaftlicher Konzertmomente.

Jazz-fun war am 17. und 18. April vor Ort – und obwohl unser Aufenthalt nur kurz war, blieb das Gefühl zurück, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein.

Im Mittelpunkt dieser beiden Tage standen Konzerte im Rahmen des Projekts Jazz Po Polsku, das seit Jahren polnische Jazzmusiker auf Festivals und Konzerttourneen in Europa und Asien präsentiert. Doch Hof Jazz Nights war weit mehr als nur eine Konzertreihe – es war ein Ort des Austauschs, der Offenheit und der gemeinsamen Begeisterung für Musik.

JAH Trio – moderne Energie und melodische Offenheit

Den Auftakt an diesem Wochenende machte am 17. April das JAH Trio mit dem Pianisten Jan Jarecki, dem Bassisten Michał Aftyka und dem Schlagzeuger Marcin Sojka.

Das junge polnische Trio verbindet modernes Jazzverständnis mit klarer melodischer Sprache und rhythmischer Vielfalt. Zwischen Groove, Swing und offener Improvisation entwickelte die Band einen Sound, der gleichzeitig zeitgenössisch und tief in der Jazztradition verwurzelt wirkte. Besonders beeindruckend war dabei das intensive Zusammenspiel der Musiker, die mit großer Selbstverständlichkeit aufeinander reagierten und dem Konzert eine natürliche Dynamik verliehen.

Gespräche über Jazz und kulturellen Austausch

Der zweite Festivaltag begann mit einem Round Table zum Thema kultureller Austausch. Diskutiert wurde über die aktuelle Situation des Jazz, über regionale Möglichkeiten und Perspektiven – insbesondere in Hof sowie in der umliegenden Kulturlandschaft rund um Nürnberg und Bayreuth.

Gerade solche Gespräche zeigen, wie wichtig kleinere Festivals und lokale Initiativen für die Entwicklung der Jazzszene sind. Sie schaffen Räume für Begegnungen zwischen Musiker:innen, Veranstalter:innen und Publikum und ermöglichen neue Kooperationen über regionale und nationale Grenzen hinweg.

„Around The World“ – Jazz als Reise

Am Nachmittag folgte die Vorführung des Films Around The World von Jakub Krzeszowski (Jazz Po Polsku, der die internationalen Konzertreisen polnischer Musiker durch Asien organisiert und dokumentiert. Der Film entstand im Rahmen von Jazz Po Polsku und vermittelt eindrucksvoll, wie Musik kulturelle Grenzen überwinden kann.

Besonders spannend waren dabei die Einblicke hinter die Kulissen internationaler Tourneen: Begegnungen mit anderen Kulturen, spontane Situationen auf Reisen und die Erfahrungen von Musiker:innen fernab der eigenen Heimat. Bis heute sind bereits mehr als 150 Filme entstanden, die in Polen und Asien gezeigt wurden und einen faszinierenden Blick auf die internationale Präsenz des polnischen Jazz ermöglichen.

Jakub Olejnik Trio – Tradition und Gegenwart

Am frühen Abend präsentierte das Jakub Olejnik Trio ein Programm, das amerikanische Jazzstandards mit eigenen Kompositionen und polnischen musikalischen Referenzen verband. Gemeinsam mit Pianist Adam Jarzmik und Schlagzeuger Piotr Budniak entwickelte Bassist Jakub Olejnik einen warmen, nuancenreichen Ensembleklang.

Besonders schön war dabei die Verbindung von klassischem Jazzverständnis und polnischer Tradition – unter anderem durch Bezüge zu Komponisten wie Krzysztof Komeda oder Jerzy Petersburski.

Tomasz Chyła Quintet – pure Energie

Der Höhepunkt des Abends war ohne Zweifel das Konzert des Tomasz Chyła Quintet.

Die Band aus Gdańsk zählt seit Jahren zu den spannendsten und kompromisslosesten Formationen der jungen polnischen Jazzszene – und in Hof wurde schnell klar, warum. Zwischen Jazz, Rock, Avantgarde und progressiven Strukturen entwickelte das Quintett eine enorme Energie, die das Publikum vom ersten Moment an mitriss.

Violinist Tomasz Chyła, Trompeter Emil Miszk, Gitarrist Krzysztof Hadrych, Bassist Konrad Żołnierek und Schlagzeuger Sławek Koryzno präsentierten einen äußerst dynamischen Auftritt voller kraftvoller jazzrockiger Klangflächen und intensiver Solopassagen.

Die Musik erinnerte stellenweise an die Energie vieler großer Jazzrock-Bands, blieb dabei aber stets eigenständig und unverkennbar. Das Publikum reagierte begeistert und am Ende war deutlich spürbar, dass dieser Auftritt zu den Höhepunkten des Festivals gehörte.

Ein Festival mit Herz

Hinter den „Hof Jazz Nights” stehen Markus Jung, der Vorsitzende des Tonkünstlerverbandes Hochfranken e. V., sowie der künstlerische Leiter Sławek Dudar, der als Musiker, Pädagoge und Kulturorganisator tätig ist. Dudars Leidenschaft und Engagement waren überall spürbar. Trotz seiner noch jungen Geschichte besitzt das Festival bereits eine eigene Identität, die von Nähe, Offenheit und echter Begeisterung für Musik geprägt ist.

Was besonders in Erinnerung bleibt, ist die Atmosphäre der Stadt selbst und die Begegnung mit Menschen, die sich mit großem Einsatz für Kultur engagieren. Genau solche Initiativen zeigen, wie viel möglich ist, wenn Leidenschaft, Beharrlichkeit und Gemeinschaft zusammenkommen.

Jazz-fun war nur zwei Tage in Hof – und erlebte dennoch viele besondere Momente und inspirierende Begegnungen. Festivals wie die Hof Jazz Nights machen deutlich, wie wichtig solche kulturellen Räume heute sind. Sie bringen Menschen zusammen, schaffen Perspektiven für Musiker:innen und zeigen, dass Jazz auch jenseits der großen Metropolen lebendig und relevant bleibt.

Dem gesamten Festivalteam gilt dafür große Anerkennung und ein herzliches Dankeschön.

Jazzförderung als wichtiger Teil des Festivals

Ein wesentlicher Bestandteil der Hof Jazz Nights ist zudem die Förderung junger Musiker:innen. Dank der finanziellen Unterstützung der Karin Schöpf-Stiftung sowie der Zusammenarbeit mit dem Jean-Paul-Gymnasium Hof, dem Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium Hof und der Musikschule der Hofer Symphoniker findet im Rahmen des Festivals ein zweitägiger Big Band Jazz Workshop statt.

Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung improvisatorischer Fähigkeiten sowie die Freude am gemeinsamen Musizieren. Geleitet von professionellen Jazzmusiker:innen erhalten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, unmittelbar von erfahrenen Künstler:innen zu lernen, sich musikalisch auszutauschen und wertvolle Bühnenerfahrungen mitzunehmen.

Zugleich verfolgt der Workshop ein langfristiges Ziel: den Aufbau einer lebendigen lokalen Jazzgemeinschaft und die nachhaltige Förderung junger Talente. Die Karin Schöpf-Stiftung engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten in sozialen, kulturellen und Bildungsprojekten und unterstützt gezielt junge Musiker:innen dabei, ihre Begeisterung für Jazz weiterzuentwickeln.

Text und Fotos: Jacek Brun

Hof Jazz Nights
https://www.hofjazznights.de/

2. VERANSTALTER_
Tonkünstlerverband Hochfranken e.V.,
Vorsitzende: Markus Jung
Klosterstrasse 9-11
95028 Hof

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