Iiro Rantala - Playing Gershwin

Iiro Rantala - Playing Gershwin

Iiro Rantala
Playing Gershwin

Erscheinungstermin: 31.01.2020
Label: Act, 2019

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Iiro Rantala - piano

The Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Jonathan Bloxham - conductor
Antti Tikkanen - solo violin & concert master

Die Zeiten, rigide voneinander abgegrenzter Musikgenres gehen zu Ende, ein Gewinn für jeden, der Musik als universelle, jeden Ausdruck ermöglichende Sprache liebt. So gibt es inzwischen kaum mehr einen jungen Jazzpianisten, der nicht über eine klassische Grundausbildung verfügt und sich neben verschiedenen Jazzstilen nicht auch bei anderen Genres bedienen würde. Trotzdem findet man immer noch kaum einen so „vollkommenen“ Pianisten wie den Finnen Iiro Rantala.

Schon immer hat der 49-Jährige, der erst in Helsinki an der Sibelius-Akademie Jazzklavier und dann in New York an der Manhattan School of Music klassisches Klavier studierte, die gesamte Musikgeschichte als Steinbruch für seine ganz persönliche Musik begriffen. Bereits bei seinem ersten Solo-Album „Lost Heroes“ erwies er neben Jazz-Legenden auch einem Luciano Pavarotti seine Reverenz. Und seine kurz darauf 2012 vorgestellte „My History Of Jazz“ beginnt nicht ohne Grund mit Johann Sebastian Bach. Parallel zu seinen immer wieder überraschenden, alle Grenzen sprengenden Projekten von der John-Lennon-Hommage und seinem Jahreszeitenzyklus „My Finnish Calendar“ bis zu seiner ersten, 2018 uraufgeführten Oper „Sanatorio Express“ arbeitet Rantala seit jeher auch regelmäßig mit klassischen Orchestern. Eine besonders fruchtbare Kooperation verbindet ihn seit 2017 mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, eines der weltweit führenden Orchester, das mit seinem einzigartigen Musizierstil auf der ganzen Welt begeistert. Besonders auch die Vorliebe für Crossover-Projekte zeichnet das preisgekrönte Ensemble, das mit seinen bisherigen Zyklen laut Fachwelt „Interpretationsgeschichte“ schrieb, aus und so begegnen sich Rantala und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen auf einer Wellenlänge.

Bei der „jazzahead“ trat man seinerzeit erstmals zusammen an, und „von der ersten Note an habe ich mich in ihren Klang, ihre Energie und Musikalität verliebt.“ Mit Mozart und seinem C-Dur-Klavierkonzert KV 467 begeisterte man zusammen die versammelte Fachwelt, was zu dem Album „Mozart, Bernstein, Lennon“ führte, das prompt für den „International Classical Music Award 2019“ nominiert wurde. Jetzt liegt das jüngste Ergebnis dieser erfolgreichen Zusammenarbeit vor: „Playing Gershwin“. Eine logische Fortsetzung, führt sie doch mit George Gershwin zu dem Komponisten, dem man gleichermaßen zur modernen Klassik wie zum Jazz rechnen kann. Und gleichzeitig in die Zwanziger- und Dreißigerjahre, als die Genregrenzen so fließend waren wie bis heute nicht wieder.

Ein Beleg dafür ist auch die Uraufführung der „Rhapsody in Blue“ 1924 in der New Yorker Aeolian Hall, als neben Jazzmusikern ganz selbstverständlich auch die Geigenvirtuosen Jascha Heifetz und Fritz Kreisler sowie klassische Komponisten und Dirigenten wie Sergei Rachmaninow und Leopold Stokowski im Publikum saßen.

Mit der „Rhapsody in Blue“ beginnt das Album denn auch, und die Frische, die dieses Werk hier verströmt, liegt nicht zuletzt daran, dass Rantala sich auch bei diesem völlig ausnotierten Stück ein paar kleine Freiheiten erlaubt und zum Beispiel in der letzten Kadenz eine Improvisation im kubanischen Montuno-Stil einfügt. Ebenso mitreißend sind die 16 Minuten, in denen Rantala und die von Jonathan Bloxham geleitete Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Gerswins Oper „Porgy and Bess“ erzählen – auf der Grundlage von Jascha Heifetz‘ daraus abgeleiteter fünfteiliger Suite für Klavier und Geige. Dieses faszinierende Wechselspiel von Tasten und Saiten prägt auch im Orchesterarrangement Oliver Groenewalds die nach wie vor grandiosen Standards von „Summertime“ bis „It Ain’t Necessarily So“.

Damit aber nicht genug. Streng genommen müsste das Album „Playing Gershwin and Rantala“ heißen, denn es folgen noch fünf kürzere Stücke aus der Feder des finnischen Pianisten. Ausgewählt wurden vorzugsweise Songs seiner früheren Alben, die sich auf klassische Musiker oder Stile beziehen. „What Comes Up, Must Come Down“ etwa greift romantisches Piano-Virtuosentum eines Franz Liszt auf und macht daraus in der Orchesterfassung großes Kino. „Anyone With A Heart“ ist eine Verbeugung vor Mozart im typischen Rantala-Stil, „Hard Score“ eine ebenfalls fast filmmusikalische Hymne, die sich auch arabischer und weltmusikalischer Elemente bedient. Und natürlich darf der Tango - der auch schon in den vorigen Stücken anklingt - nicht fehlen, hat ihn Rantala im Tango-verrückten Finnland schließlich schon in seiner Jugend in tiefen Zügen inhaliert und auf zahllosen Gigs gespielt: „A Concert Tango“ erinnert denn auch weniger an argentinischen als an den etwas robusteren klassischen Tango der finnischen Schule.

 

Text: ACT

  1. Rhapsody In Blue
  2. Porgy And Bess Suite
  3. What Comes Up, Must Come Down
  4. A Concert Tango
  5. Anyone With A Heart
  6. Hard Score
  7. Freedom

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