Crossing Paths – Die Jazzwoche Hannover 2023
Vom 14. bis 21. Oktober findet zum 31. Mal Hannovers renommiertes Jazzfestival statt. Na und? – fragt der eine oder die andere. Was hat denn das noch für eine Relevanz heutzutage – “Jazz”?
Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
Vom 14. bis 21. Oktober findet zum 31. Mal Hannovers renommiertes Jazzfestival statt. Na und? – fragt der eine oder die andere. Was hat denn das noch für eine Relevanz heutzutage – “Jazz”?
Die Halle 424 ist ein Musikclub mitten in Hamburg, in dem es immer sehr gute Musik zu hören gibt. So war es auch dieses Mal. Nicole Johänntgen brachte ihr Projekt "Robin" mit: Manon Mullener (Piano), David Stauffacher (Percussion), Nicole Johänntgen (Saxophon), Roberto Hacaturyan (Percussion) und Sonja Bossart (Bass). Es handelt sich um ein amerikanisches Programm, das 2016 in New York aufgenommen wurde.
Zum 80. Geburtstag des Saxophonisten und Klarinettisten Peter Brötzmann veranstaltete INSEL e.V. im Jahr 2021 mit internationalen Gästen das dreitägige Festival „BRÖtz 80!“, um die herausragende Stellung dieses Ausnahmekünstlers zu feiern.
“Das Piano-Trio ist im Jazz, was das Streichquartett in der klassischen Musik einmal war: ein Labor, um neue Ideen auszutesten. Der Pianist Bill Evans hat ab Ende der fünfziger Jahre in diesem Labor die Möglichkeiten des Interplay ausgelotet. Meint: Den Bassisten und den Schlagzeuger aus den blossen Begleiterrollen befreit, und zu gleichberechtigten Partnern gemacht.
Könnte das eine neue Supergroup werden? Vielleicht. Das Debütkonzert dieses polnisch-norwegischen Vierers, einen Bandnamen gibt es (noch) nicht, klang am Auftaktabend des diesjährigen PUNKT-Festivals jedenfalls schon mal ziemlich aufregend. Der polnische Saxofonist Maciej Obara und der norwegische Bassist Ole Morten Vågan machen zwar schon einige Jahre immer wieder gemeinsam Musik, aber im Quartett mit den beiden Norwegerinnen Anja Lauvdal (Tasteninstrumente) und der jungen Veslemøy Narvesen (Schlagzeug) war es eine absolute Premiere. Und wie vier Kreativgeister auf der Bühne des Teateret sich auf Klangsuchen begeben, wie sie aus bruchstückhaften Elementen immer wieder einen musikalischen Fluss zaubern, frisch und einfallsreich klingend - es machte viel Spaß da zuzuhören.
Sisu markiert den Beginn eines neuen Kapitels für den estnischen Pianisten und Komponisten Kristjan Randalu - es ist seine erste Aufnahme eines großen Ensembleprojekts. Es ist auch das Debüt des New Wind Jazz Orchestra unter der Leitung von Wolf Kerschek mit der Trompeterin Ingrid Jensen und dem Gitarristen Ben Monder als Special Guests.
Man versuche es einmal mit dem hochnäsigen Tonfall eines monokeltragenden Partygastes aus der Oberschicht oder mit dem Brooklyn-Patois eines Komikers aus den 1940er Jahren, der "dese and dose" sagt: Seid ihr sicher, dass ihr drei Jungs wisst, was ihr tut? ist die Frage, die Moe, Larry und Curly/Shemp unweigerlich gestellt wurde, wenn die Stooges als Klempner, Maler oder gar als Ärzte verkleidet auftraten.
Eine Auswahl der heißesten neuen Musik, die im September 2023 von den wichtigsten europäischen Jazzmagazinen und Websites veröffentlicht wurde.
Letters to George ist das Debütalbum des Schlagzeugers, Komponisten und Bandleaders John Hollenbeck und seiner brandneuen Band GEORGE, zu der Anna Webber, Aurora Nealand und Chiquita Magic gehören. Vor GEORGE hatte Hollenbeck zwei kreative Betätigungsfelder für seine Kompositionen und sein Schlagzeugspiel (beide sind immer noch in unterschiedlichem Maße aktiv): Das Claudia Quintet, seine langjährige Band mit Chris Speed, Drew Gress, Matt Moran und Red Wierenga, die in den letzten 25 Jahren den Jazz neu definiert hat.
Wie er sich überhaupt auf den Beinen halten kann! Denn die Absatz der Damenschuhe, die Božo Vrećo bei seinem Auftritt in Vilnius trägt, sind nicht nur sehr schmal, sondern auch noch ziemlich hoch. Aber der Bosnier wirbelt damit über die Bühne, tanzt oder dreht sich wie ein Derwisch, als würde er Turnschuhe tragen. Respekt! Ein echter Paradiesvogel gibt da mit seiner Band ein Konzert beim Kristupo Festivalis.
Das bemerkenswerte Debütalbum der vierfachen Grammy-Preisträgerin, NEA Jazz Master, Komponistin, Aktivistin und Pädagogin Terri Lyne Carrington, das im Oktober 1981 im Alter von nur 16 Jahren entstand, bietet einen seltenen Einblick in die frühen Talente dieser außergewöhnlichen und vielseitigen Künstlerin.
Es begann mit der Idee des Pianisten und ‘Investigators’ Pablo Held: drei Bands spielen eine Woche lang jeden Abend ein Set ihrer Lieblingsstandards im Loft Köln. Ich war zunächst skeptisch, da das Quartett lange daran gearbeitet hat, seinen eigenen Sound im Rahmen meiner Originalkompositionen zu etablieren. Aber mir wurde schnell klar, dass dies eine großartige Gelegenheit sein könnte, die Musik, die ursprünglich mein Interesse an der Improvisation geweckt hat, zu würdigen und neu zu gestalten. Also wählte ich Stücke aus, dir mir zum einen etwas bedeuten und die zum anderen dem offenen und freien Spielgefühl der Band entgegen kommen würden.
Marek Pospieszalski setzt das Projekt fort, das der polnischen Kompositionsschule des 20. Jahrhunderts gewidmet ist, und konzentriert sich diesmal auf die Werke von Frauen. Angefangen mit dem Streichquartett Nr. 1 von Grażyna Bacewicz bis hin zu den frühen Kompositionen von Agata Zubel.
Die Band wurde 2022 gegründet. Die Leidenschaft für Rituale und ethnische Musik brachte die Musiker zusammen. Sie legen Wert auf eine gemeinsame musikalische Sprache und wollen mit ihrer Musik ihre Gefühle ausdrücken. Das gesamte Quintett singt wie traditionelle Folkloregruppen, wobei die Frontfrau auf der Bühne Gesang und Tanz verbindet.
Open House ist das neue Album des aufstrebenden Gitarristen Tom Ollendorff. Bekannt für seinen unverwechselbaren Sound, der virtuoses Gitarrenspiel mit ausgefeilten harmonischen und melodischen Ideen verbindet, mischt Ollendorffs Musik elegant und anmutig groovende Themen, barock anmutende unbegleitete Etüden und rasanten Fast-Bop-Swing.
Bei diesem recht neuen Festival dreht sich nicht alles nur um die Musik, um den Jazz. Jussi Fredriksson beobachtet nämlich genau was um ihn herum geschieht. Und was vor allem mit der Archipelago Sea rund um seine Heimatstadt Turku passiert. Algen sind nämlich ein großes Problem. Dabei sind die Gewässer und die vor Turku gelegenen Inseln wunderschön. Aber auch dieses Paradies ist nun bedroht. Und so heißt das Eröffnungsstück von Frederikssons neuer Trio-CD passenderweise „Dead Sea“.
Hätten sich Django Reinhardt, Dmitri Schostakowitsch und Claude Debussy zusammengetan, um ein Album zu schreiben, wäre das Ergebnis vielleicht nicht allzu weit von der Vision des Geigers Tobie Medland für The Aviary entfernt.
Das Album "Níjar" von Paolo Angeli ist ein prächtiger, filmischer und sphärischer Soundtrack zum Werk "Bodas de Sangre" von Federico García Lorca.
Eine Auswahl der heißesten neuen Musik, die im August 2023 von den wichtigsten europäischen Jazzmagazinen und Websites veröffentlicht wurde.
Dass Jazz nicht nur eine einzigartige Kunstform, sondern auch eine soziale Musik ist, wird heute gerne vergessen. Dieser soziale Aspekt kommt vor allem dort zum Tragen, wo es nicht um epochale Innovationen oder gewagte Experimente geht, sondern um die Versorgung eines "Kiez-Publikums" mit musikalischer Seelennahrung. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch gerne von Soul-Jazz.
"Wir haben alles sehr nah beieinander aufgenommen, in einem Raum und mit dem Dummy Head, um eine binaurale Aufnahme zu erhalten (eine Technik, die bei ASMR verwendet wird). Bei vielen Tracks haben wir auf die gleiche Weise Soundeffekte hinzugefügt. Wenn man die Musik über Kopfhörer oder In-Ears hört, verstärkt sich das Gefühl, mit dem Trio im Raum zu sein. Das ist auch das Grundkonzept des Albums, daher der Titel 'Closer'".
Der in Berlin lebende Sebastian Peszko ist an Geige und Bratsche in diversen Genres zu Hause. Seine Konzerte bewegen sich im sehr weit gefassten Spannungsfeld von Klassik, Jazz Manouche, Blues und Weltmusik.
Es gibt Platten, die lassen einen einfach nicht mehr los. Sie vibrieren, und man fühlt sich sofort wie ein alter Freund, schon beim ersten Hören. SOYUZs drittes Album "Force of the Wind" ist eine dieser Platten. Es enthält all die Markenzeichen, die Schönheit und die Exzentrik klassischer brasilianischer Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren, die wir zu schätzen gelernt haben. Man denke an Künstler wie Milton Nascimento, Lô Borges, Burnier e Cartier, Arthur Verocai usw. Aber diese Platte wurde nicht in Brasilien aufgenommen und ist tatsächlich eine brandneue Veröffentlichung.
Nach dem grossen Erfolg mit REFLECTIONS (2017-2021 unzählige Konzerte, zwei Alben, international sehr gute Kritiken und dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ für das zweite Album „Live at Haberhaus“), ist BLOSSOM der neuste Streich des Trios Grab/ Traxel/Baschnagel. Diesmal wird das Trio um den in Bern lebenden Amerikaner Ralph Alessi an der Trompete und den Fribourger Florian Favre am Piano erweitert.
Das Schweizer "Hausquartett" ist ein über die Jahre zusammengewachsenes, hochflexibles Ensemble, das die gesamte Klangpalette des zeitgenössischen Jazz von lyrischen Nuancen bis hin zu explosiven Grooves beherrscht und auf eine sehr persönliche Art und Weise einsetzt. Eine kompakte Band, die starke Stimmen der Schweizer Jazzszene vereint, ohne sie dem Kollektiv unterzuordnen und doch als Einheit auftritt.
Matthias Bublath und Michi Ruzitschka sind zwei europäische Jazzmusiker mit einer Leidenschaft für Musik aus aller Welt, die ihr Leben und ihre Karriere Tausende von Kilometern von zu Hause entfernt aufgebaut haben. Ihr Debütalbum "Duo Norte Sul" ist eine Erkundung der reichen Musikkultur Brasiliens und wurde am 26. Mai veröffentlicht.
Die Leipziger Band FAQUELAGE gründete sich 2019 mit dem Ziel, große Musik in ein kleines, fast kammermusikalisches Format zu verpacken. Kompakt und mobil sollte es sein, aber den vielschichtigen Sound und die Klangvielfalt von großen Ensembles nicht vermissen lassen.
Invisible Painters entstand nach einem langen Prozess der Recherche und des Schreibens. Obwohl sie aus der Welt der improvisierten Musik stammen, wollen sie weit darüber hinaus blicken und mischen sich mit elektronischer Musik, Ambient und Musik des 20. Jahrhunderts, wobei sie die üblichen Definitionen und Kategorien überschreiten; Kontrabass, Klavier, Schlagzeug und Bassklarinette vermischen ihre Klangfarben mit Synthesizern, Samples und Feldaufnahmen, zwischen digitalen Klängen und der Liebe zum Analogen.
First Rain ist das neue Album des Pianisten Emiliano D'Auria, das am 28. Mai beim norwegischen Label Losen Records erschienen ist. Mit einem Quartett, bestehend aus Luca Aquino (Trompete), Giacomo Ancillotto (Gitarre), Dario Miranda (Kontrabass) und Ermanno Baron (Schlagzeug), hat Emiliano D'Auria 12 neue Stücke aufgenommen, 12 Klanglandschaften, aufgenommen zwischen Februar und März 2023 in der fernen und grenzenlosen norwegischen Landschaft der Insel Giske, in Erwartung des nahenden "ersten Regens".
"As long as the sun, as long as the moon" ist das zweite Album des Projekts Ars Improvisatoria von Anatol Rivero. Das Album enthält acht kollektive Improvisationen (klassische Gitarre, Vibraphon und Schlagzeug), die auf musikalischen Ideen aus zeitgenössischen Werken für klassische Gitarre von Roland Dyens, Tomás Marco, Frank Martin, Alexander Tansman, Dusan Bogdanovic, Leo Brouwer, Joaquín Rodrigo und Richard Rodney Bennet basieren.
Das moderne Jazzquartett meldet sich mit seinem siebten Album "Intermission" zurück: Das neue Werk ist eine Antwort auf das Bedürfnis, zu einem natürlicheren, akustischen Klangszenario zurückzukehren, in dem die Elektronik subtiler ist und den akustischen Instrumenten mehr Raum lässt. Die Grundstimmung des Albums scheint den Hörer in ein theatralisches Szenario zu versetzen, in dem die Musik zwischen den Noten atmet, vielleicht sogar während der langen Pausen.
Diese Musik wurde während einer Europatournee im Jahr 2021 aufgenommen. Die Band besuchte das Sono Studio in der Nähe von Prag und nahm 10 neue Stücke auf, die ich speziell für diese Musiker geschrieben hatte.