Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu vielen Meldungen weiterführende Inhalte: detaillierte Album-Reviews, exklusive Interviews, ausführliche Konzert und Festivalreportagen und fundierte Künstlerbiografien. Unsere kuratierten Besten Jazz-Alben bündeln darüber hinaus die prägendsten Veröffentlichungen eines Jahres – als Orientierung in einer stetig wachsenden Jazzwelt.
Post-Sun-Vision ist ein schwedisches Modern-Jazz-Trio mit einem einzigartigen Sound, den man als leicht zugängliche Avantgarde beschreiben kann. Nachdem sie den begehrten Preis der Nordic Jazz Comets gewonnen haben, gelten sie als neue vielversprechende Band mit großem Potenzial, das Genre voranzutreiben. Die Kompositionen sind oft gründlich verarbeitet in einer modernen klassischen Tradition und dennoch frei und einladend für Spontaneität und Improvisation.
Nach den beiden von der Kritik gefeierten Alben „Imprints“ (2016) und „Circles“ (2018) steht den Fab4, dem Ensemble um die schwedische Posaunistin Karin Hammar, nun eine deutlich Klangraumerweiterung ins Haus. Die Stammbesetzung mit Andreas Hourdakis an der Gitarre, dem Kontrabassisten Niklas Fernqvist und Fredrik Rundqvist an den Drums wird gewissermaßen durch ein klassisches Streichquartett gedoppelt und erhält mit der chromatischen Harmonika von Olivier Ker Ourio eine Art stylisches Sahnehäubchen.
Diego Pinera ist ein Meister der Rhythmik. Die Leidenschaft und das Gefühl für diese wurden ihm bereits in die Wiege gelegt. In Montevideo, Uruguay, geboren und aufgewachsen hat der Schlagzeuger die lateinamerikanischen Musik verinnerlicht, ist dann aber einen entscheidenden Schritt weitergegangen: Pinera wollte erforschen, wie die Latin-Rhythmik den amerikanischen und europäischen Jazz beeinflusst hat. So zog es ihn an das Berklee College of Music nach Boston sowie an die Hochschule für Musik und Theater Leipzig, wo er bei Größen wie Danilo Pérez, Changuito oder Bob Moses studierte.
Anlässlich seines 75sten Geburtstags, schenkte sich der Grandseigneur des europäischen Jazz in einem New Yorker Studio Aufnahmesessions mit einer beeindruckenden All-Star-Band für ein Album, das er schlicht „Cheers. Franco Ambrosetti With Friends“ nannte.
Die Corona-Krise geht zurzeit nicht gerade pfleglich mit der Kultur um. Zum zweiten Mal eine Vollbremsung, was nicht wenige der Betroffenen sogar an ihrer Daseinsberechtigung zweifeln lassen. Die ewige Relevanzdiskussion beschäftigt gerade solche, die sich in der Schublade „Jazz“ eingeordnet haben. Phillip Dornbuschs Rezept dagegen ist so simpel wie naheliegend: die Welt einfach ein kleines Stückchen besser zu machen. „Ich möchte mit meiner Musik bestimmte Probleme ins Bewusstsein rufen“, erklärt der 26-jährige Tenorsaxofonist seinen eingeschlagenen Weg.
Sich fortzubewegen funktioniert in mehreren Varianten. Brettern oder lockerlassen, schweben oder gehen, im Auto fahren oder beschwingt auf dem Fahrrad in die Pedale treten. So unterschiedlich diese Varianten auch sein mögen, mit jeder kommt man irgendwie ans Ziel. Insofern darf man DogOn, das Powertrio des umtriebigen Zürcher Gitarristen Eric Hunziker, durchaus als Sammelsurium an Fortbewegungsarten und -möglichkeiten verstehen. Oder besser: als Vehikel, um die vielfältigen musikalischen Fantasien der Besatzung auszuleben
Drei aufgeweckte Herren ziehen sich übers Jahr unbemerkt in ihre Improvisationskammer zurück. Frühling, Sommer und dahinter / gleich der Herbst und bald der Winter. Und tauchen tief in die Welt der UME Lied-Kompositionen von Ruedi Häusermann ein.
Die Welt der portugiesischen Fadista Cristina Branco schien rosig, sie nahm Alben über Alben für Universal auf, die weltmusikalisch interessierte Gemeinde lag ihr zu Füßen – eine schillernde Figur mit glockenheller Stimme, die alle Erwartungen erfüllte. Aber in der Frau schlummerte mehr als Fadoromantik, Konzertroben und ein Divenimage. 2006 war das Geburtsjahr ihres Alter Ego „EVA“. Eva erblickte das Licht der Welt, weil Cristina sich mit der Frage aller Fragen herumplagte. „Was ist Freiheit?“
Der Wald. Ein Ökosystem, in dem die unterschiedlichsten Lebensformen hochkomplex ineinander greifen, interagieren, auf- und miteinander reagieren. Ein Lebensraum, in dem sich schroffe Schönheit und filigrane Anmut zugleich ereignen. Und nicht zuletzt auch Biotop für wenig domestizierte Wesen.
Nachdem Anette von Eichel 2001 mit ihrer Debut-CD „Welcome To My World“ ein kleines Fenster für das Publikum öffnete, um ein bis dato unbekanntes Vokaltalent entdecken zu können, erschien 2004 in der Anfangsphase der Jazz thing Next Generation mit „Get Out Now“ der spektakuläre und offizielle Startschuss ihrer Karriere.
"Fornemmelsen av hjemland" ist das zweite Album von Gro-Marthe Dickson und ihrem Cole Porter Projekt D-lovely. Nach ihrer ersten Veröffentlichung von amerikanischem Jazz mit "umgedichteten" norwegischen Texten, fand Sängerin Dickson heraus, dass es Zeit war, Texte aus ihrem eigenen Herzen zu schreiben, im Gegensatz zum Übersetzen der Originaltexte von Porter.
Mannigfaltigkeit ist ein Berliner Phänomen, wobei Alter, Nationalität, Kultur etc. keine Rolle mehr spielen. Daran beteiligt sich auf verschiedenste Art und Weise die international besetzte Band Unity5, in der Schlagzeuger Ernst Bier verschiedene Generationen höchst aktiver Jazzmusiker Berlins vereint.
Anna Margolina ruft ein ganz neues Format ins Leben: Jazzkonzert trifft auf Realityshow! Gemeinsam mit dem Pianisten Kenneth Berkel startet sie die regelmäßigen Aufnahmesessions im Studio und zeigt neben der Musik, was hinter den Kulissen geschieht. Sie schreibt Programme speziell für das Format und bietet allen Beteiligten Raum für Kommunikation und Austausch.
Physics of Beauty ist ein Musikalbum, das als digitales Kunstprojekt veröffentlicht wurde. Entstanden aus seiner kompositorischen Arbeit der letzten vier Jahre, spürt es Clemens Wengers Faszination für Physik und Forschung auf ungewohntem Terrain nach. Fast zwei Stunden Musik und die interaktive Webseite können nun von neugierigen und entspannten Zuhörern erkundet werden.
NAtO (North Atlantic tonal Organization), eine Zusammenarbeit des in Tokio lebenden US-Pianisten Kevin McHugh, des dänisch-deutschen Bassisten Max Nauta und des Ur-Berliners Ernst Bier, ist ein in Berlin gegründetes Kollektiv, das sich gelegentlich mit weiteren Spielern aus meist nordatlantischen Ländern verstärkt.
Berlin, 18.01.2021 | Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände sind mit großer Sorge in das neue Jahr gestartet. Noch immer gibt es keine wirksamen Hilfen für soloselbstständige Künstler*innen in der Coronakrise – mit zum Teil irreversiblen Folgen für das kulturelle Leben in Deutschland. Die Kunst- und Kulturschaffenden sind seit Beginn der Krise stärker als nahezu alle anderen Branchen von den Folgen der Pandemie betroffen. Für die Mehrzahl der Akteur*innen ist die Ausübung ihrer Berufe seit Monaten nicht oder nur sehr stark eingeschränkt möglich.
1994 beschlossen Ernst Bier und Mack Goldsbury, eine gemeinschaftliche Band zu gründen. Inzwischen sind mehr als 25 Jahre vergangen, und die Liste der Musiker, die in dieser Band mitgewirkt haben, ist sehr lang. Es sind insgesamt vier CDs erschienen, bei denen u.a. Reggie Moore, Martin Lillich, Herb Robertson, Frank Möbus, Ed Schuller, Maciej Fortuna oder Mathias Bätzel mitgespielt haben.
Wer nach einer Beschreibung für Mario Rom's Interzone sucht, stößt unweigerlich auf Superlative. "Mario Rom spielt Soli, die in Europa ihresgleichen suchen - ruhig, beharrlich, ideenreich, virtuos" schrieb beispielsweise die ZEIT.
Enrico Pieranunzi ist seit langem eine der bekanntesten und angesehensten Persönlichkeiten der europäischen Jazzszene. Als Pianist, Komponist und Arrangeur hat er mehr als siebzig CDs unter eigenem Namen aufgenommen, vom Solo-Klavier bis zum Trio, vom Duo bis zum Quintett. Er spielte im Konzert und im Studio mit Chet Baker, Lee Konitz, Marc Johnson, Joey Baron, Paul Motian, Chris Potter und Charlie Haden und trat auf allen wichtigen internationalen Festivals auf, von Montreal bis Kopenhagen, von Berlin bis Madrid.
Der aus Ohio stammende Jeff Williams wurde in der fieberhaften Atmosphäre des New York der 1970er Jahre durch das Spielen mit Stan Getz und Dave Liebman zurechtgestutzt, aber London ist jetzt seine zweite Heimat und seine freistehende Kreativität sowohl als Schlagzeuger als auch als Komponist, gepaart mit seinem Engagement hat ihn als Lehrer und Träger der Tradition tief in die britische Szene eingebettet.
Unter den Helden und Erneuerern des Spirituals / Progressivs / Funk / Jazz der 70er Jahre ist Doug Carn immer ein wenig unter dem Radar geflogen. Er hat sein Handwerk lange Zeit mit Geduld und Hingabe betrieben und absolut atemberaubende Alben veröffentlicht, die von den Kennerinnen und Kennern geschätzt werden, aber selbst dem Jazz-Mainstream weniger bekannt sind, auch wenn sein Einfluss unter seinen Kollegen zu spüren ist.
Am 28. September 2020, mitten in der Pandemie, nahmen Altsaxofon-Ikone Miguel Zenón und Pianist Luis Perdomo ein Konzert in der Jazz Gallery in New York City auf, das im November per Livestream übertragen wurde. Als sie sich die Aufnahme des Konzerts anhörten, wussten sie, dass es etwas war, das sie unbedingt mit anderen teilen wollten.
Nur all zu leicht hätte dieses Album zu einem schweren Brocken werden können. In knapp unter vierzig Minuten findet sich hier ein dichtes Geflecht aus Inspirationen: von arabischen Tonleitern über japanische Klänge bis hin zu Free Jazz und Konzepten seines Lieblingsmalers Wassily Kandinsky. Um seine Vision kompromisslos umsetzen zu können, entwickelte Ikonen sogar ein Gerät, das es ihm erlaubte, Mikrointervalle auf seinem Flügel zu spielen. Doch es kam anders: Die Ergebnisse klingen eher traumhaft und berauschend denn nach Kopfmusik.
Die in Berlin lebende Schweizer Sängerin Lucia Cadotsch kehrt mit ihrem gefeierten Trio Speak Low für ihr zweites Album zurück das bei We Jazz Records erschienen ist: "Speak Low II" mit Cadotsch an der Stimme, Otis Sandsjö am Tenorsaxophon und Petter Eldh am Kontrabass, sowie den Gastkünstlern Kit Downes an der Hammondorgel und Lucy Railton am Cello.
Das muss man sich erstmal trauen: ein Album in vier Teilen zu veröffentlichen! Multitalent Jacob Collier darf das! Die Folgen 1 - 3 seiner Albumserie ”Djesse” sind bereits digital veröffentlicht, die bislang physisch fehlenden LPs 2 + 3 und CD 3 folgen jetzt endlich nach, denn es gibt ja schließlich auch Musikfans, denen Streaming allein nicht reicht.
Mit dem Album „Celebrating Ella Fitzgerald & Joe Pass“ feiern CLEO und David Grabowski zwei Jazzlegenden, die in identischer Besetzung zwischen 1973 und 1986 vier Studioalben herausgebracht haben, auf denen sie Jazzstandards auf zeitlos eindringliche und sensible Weise interpretieren. CLEO und David Grabowski nehmen Ella & Joe zum Ausgangspunkt für ihre eigenen Interpretationen der Songs.
Swing, Soul, Funk, Bebop, HipHop – und noch so vieles mehr: Jazz ist Kopf und Bauch, Kunst und Entertainment, lustvolles Experiment, grenzenlose Spielfreude und geniale Virtuosität. All das gibt es seit dem 1. Januar auf NDR Kultur. Fünf Mal in der Woche bietet sich den Hörerinnen und Hörer ein extrem vielfältiges Programm mit Musik von den internationalen Stars bis zum heimischen Nachwuchs, von New York bis zu den Clubs und Festivals in Norddeutschland.
Segment, eine Zusammenarbeit von Goldsby/Test/Dekker, kommt direkt aus dem Herzen der legendären WDR Big Band. Aufgenommen im Juni 2020, als Teil der WDR-Feier der Musik in kleinen Gruppen, bietet das Album ein breites Spektrum an großherziger, fokussierter, fröhlicher Musik von einer der meistbeschäftigten Jazz-Rhythmusgruppen der Welt. Das Trio zeigt eine unheimliche Hellsichtigkeit - wie man sie nur bei Bands hört, die regelmäßig zusammen auftreten. Sensibel, swingend und geerdet durch die vielen Jahre, die sie in der internationalen Jazzszene als Begleiter verbracht haben, fangen Goldsby/Dekker/Test den wunderbaren, wilden Puls der Jazztradition ein und fügen gleichzeitig innovative Akzente von Farbe, Licht und Groove hinzu.
John, Paul, George und Ringo. Komprimierte zehn Jahre Bandgeschichte, allein 12 Studioalben, hunderte Songs, viele davon absolut legendär. Wer hier rangeht, sollte wissen, was er tut. Erfreulicherweise muss man sich bei Rüdiger Baldauf in dieser Hinsicht keine Sorgen machen. Denn der namhafte und vielseitige Trompeter legt genau den richtigen Mix aus Demut und neuen Ideen vor. Nun also ein brandneues Projekt, quasi die Beatles reloaded, nur anders.
Es geht Luise Volkmann um die Auseinandersetzung mit der Haltung der so genannten 68er-Generation und der Rock-Musik der 1970er Jahre. Ihre Faszination reicht von der Protestmusik der Woodstock-Ära bis zur destruktiven Urkraft des Punk.
Musik am Puls der Zeit: seit über 15 Jahren macht die international gefeierte JBBG – Jazz Bigband Graz mit ihrem genialen und ureigenen Sound von sich reden, der irgendwo zwischen Jazz, Pop, Minimal, weltmusikalischen Elementen und jazzmusikalischer Haltung angesiedelt ist. Angetrieben von der musikalischen Vision von Kalnein und Schaffer hat die JBBG dabei mit ihren letzten drei Produktionen absolutes musikalisches Neuland für Jazzorchester betreten.
Nachdem das international gefeierte Funk-Sextett einige Jahre pausierte, meldet sich Beat Funktion 2019 mit einem neuen Studioalbum und einer ausgedehnten Tour durch Schweden, Deutschland und Österreich zurück. Auf dieser Tour konnten die Fans wieder eine Mischung aus neuen und alten Songs mit mitreißenden Rhythmen und Grooves erleben. Bei ausgewählten Konzerten präsentierte das Sextett auch Gastmusiker. So auch bei den Konzerten in Rostock, Lüdenscheid und Horn-Bad Meinberg am Eröffnungswochenende der Tournee. Die Soul-n-Blues-Queen Natascha Flamisch aus Wien war bei dieser Tournee einer der Featured Guests am Gesang und sang Stücke aus den Alben Olympus und Green Man.