Von der Idee zur Institution: Jacobien Vlasman über die Entstehung des rejazz-Festivals

Jacobien Vlasman
Jacobien Vlasman, Foto: Stefanie Marcus

Das rejazz-festival ist ein einzigartiges und ganz besonderes Festival inmitten der Jazzfestivals in Europa. Das von der Sängerin Jacobien Vlasman kuratierte dreitägige Festival stellt die musikalischen Visionen von herausragenden Jazzkünstlerinnen auf die Bühne. Seit 2020 wird Frauen bei rejazz im Jazz eine Plattform geboten. Dabei geht es nicht darum, reine Frauenbands zu präsentieren, sondern Bands, die von Frauen geleitet werden und die ihre eigenen Kompositionen und Arrangements spielen. Die Bandbreite der vorgestellten Musik ist dabei groß. Vocal Jazz, frei-instrumentales oder fast im klassischen Bereich Angesiedeltes stehen hier Seite an Seite. Das rejazz-festival präsentierte bereits folgende Künstlerinnen mit ihren Bands: Julia Hülsmann, Eva Klesse, Silke Eberhard, Taiko  Saito, Efrat Alony, Lucia Cadotschs neues Projekt AKI und viele mehr.

„Die Gleichstellung der Geschlechter im Jazz hat angesichts der anhaltenden politischen Debatten und Forderungen nach sichereren Räumen und Chancengleichheit – vom Booking über die Produktion bis hin zum Auftritt – an Bedeutung gewonnen. Trotz aller Fortschritte sind Frauen in Clubprogrammen und auf Festivals bis auf wenige Ausnahmen immer noch unterrepräsentiert. Das rejazz-festival hat sich zum Ziel gesetzt, dies zu ändern, indem es herausragenden Bandleaderinnen eine Bühne und die Möglichkeit gibt, sich zusammenzuschließen und so ein starkes Netzwerk der Unterstützung und Inspiration zu schaffen“, so die Info über das Festival.

Ende November 2024 konnte das Festival in der Berliner Kunstfabrik Schlot zum nunmehr vierten Mal stattfinden. Jacobien Vlasman konnte ein positives Résumé ziehen: zum einen zum Programm mit unter anderem dem Flötenquartett Nancelot (samt Schlagzeuger Tilo Weber) aus der Schweiz, der französischen Bandoneon-Spielerin Louise Jallu oder dem neuen AKI Programm der Sängerin Lucia Cadotsch, zum anderen aber auch zum Zuschauerzuspruch und den Reaktionen des Publikums.  

„Mein Konzept ist ein Festival, das weibliche Bandleader featured. Ich wollte zeigen, dass Frauen nicht nur mitspielen, wenn sie auf der Bühne zu sehen sind, sondern selber tolle Projekte leiten und ins Leben rufen. Auf die Idee kam ich, als ich 2017 bei einem Projekt im Rahmen der Hochschule am JiB mitgemacht habe, einer Art Komponistinnen-Kollektiv. Durch dieses Projekt wurde ich für das Thema sensibilisiert.“

2020 konnte das Festival mit Förderung des Berliner Senats speziell für Frauen im Jazz erstmals stattfinden. Wegen Corona wurde allerdings aus drei Abenden mit sechs Bands nur ein Abend mit zwei Bands und vielen Kameras, auf Youtube live gestreamt und im RBB gesendet. Mittlerweile ist das Festival in der Kunstfabrik Schlot beheimatet, dort konnte Jacobien Vlasman auch ihren Traum von einem „richtigen“ Festival, einem kompletten Konzertwochenende, umsetzen.

„Ich hatte ein bisschen Angst, weil der Club doppelt so groß ist wie das A-Trane, wo wir vorher waren. Ich finde mein Programm während der Zusammenstellung natürlich total toll und denke, die ganze Welt muss genauso begeistert sein wie ich und in Scharen strömen. Nach einer Weile, wenn das Festival näher rückt, ist meine Euphorie ein bisschen gedämpft und die Sorgen kommen: Die Bands kennt ja nicht jeder, zum Beispiel die Flötistin Nancy Meier kannte hier vor ihrem Konzert kaum jemand. Vielleicht sind vier Flöten und Schlagzeug doch zu außergewöhnlich? Aber das Publikum war von der Band Nancelot sehr positiv überrascht.“
Durch die Förderung vom Berliner Senat ist es wichtig, dass Berliner Künstlerinnen am Festival vertreten sind. Zu rejazz-Beginn spielten nur Berliner Bands, 2024 waren mit Nancelot und Louise Jallu zwei Bands von außerhalb vertreten.

„Die Bandoneonistin Louise Jallu habe ich durch eine CD-Besprechung entdeckt. Dann meldete sich ihre Agentur, Louise wird da ganz groß aufgezogen, weil sie zum Beispiel auch schon in der Pariser Philharmonie gespielt hat. Ich dachte sofort: Die kann ich mir gar nicht leisten. Doch die Agentur wollte sie in Deutschland bekannter machen. So kamen wir ins Geschäft.“

Auch in diesem Jahr kann das rejazz-festival stattfinden, der Berliner Senat hat Anfang des Jahres neue Fördermittel für 2025 bewilligt und Jacobine Vlasman startete schon mit Feuereifer in die Planung.

„2025 können wir den fünften Geburtstag feiern. Das war eines meiner Ziele. Ich würde mich natürlich freuen, wenn es danach einfach weitergeht. Aber ich will erstmal dieses kleine Jubiläum feiern, auch wieder im Schlot. Es hat einfach alles super geklappt. Bis auf Sachen, die man halt nicht mitbestimmen kann. Zum Beispiel der Schneesturm in Paris, wegen dem der Pianist von AKI, Jozef Dumoulin, nicht pünktlich zum Soundcheck kommen konnte.“

Für ihr neue Programm muss sie schon beim Hören denken „Wow, ist das toll!“ Jacobien Vlasman möchte Vielfalt auf allen Ebenen und freut sich schon drauf, dass am Eröffnungsabend 2025 Holly Schlotts Unique Orchestra spielen wird. „Die verkörpern ja das Konzept von rejazz, das Integrative, das Miteinander. Die Musik finde ich natürlich sowieso grossartig. Und weil elf Leute in der Band sind, spielen sie halt nicht oft. Deswegen habe ich das jetzt so kombiniert, dass der erste Akt an einem Abend Solo oder im Duo ist. Im zweiten Teil sind dann grössere Lineups. Unique ist natürlich die größte Band. Das finde ich  eine schöne Kombi. Auch möchte ich wieder unbekannter und bekannter kombinieren. Ich bin schon sehr gespannt auf rejazz 2025.“

Das Gespräch führte Angela Ballhorn
Text: Angela Ballhorn
Foto: Stefanie Marcus

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