Rezension des Jazz-Albums "Dignity" von Isabelle Bodenseh

Isabelle Bodenseh - Dignity - Album cover
Isabelle Bodenseh - Dignity

Isabelle Bodenseh
Dignity

Erscheinungstermin: 06.02.2026
Label: GLM, 2025

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Jazz als humanistisches Statement

jazz-fun`s recap:

Die Jazzflötistin und Komponistin Isabelle Bodenseh öffnet mit Dignity einen Raum, der weit über eine klassische Albumveröffentlichung hinausgeht. Gemeinsam mit ihrem Quartett lädt sie in die Dignity Suite ein – ein Werk, das zutiefst persönlich ist und gerade deshalb eine universelle Kraft entfaltet. Im zehnten Jahr des Bestehens ihres Ensembles markiert dieses Album einen neuen Abschnitt in ihrem künstlerischen Schaffen.

Für mich ist Dignity vor allem eines: ein ehrliches Album. Isabelle Bodenseh überträgt ihre eigenen Erfahrungen als Mutter von Juliette, einem Kind mit schwerster Behinderung, in Musik – nicht erklärend, nicht anklagend, sondern beobachtend, fühlend, reflektierend. Die einzelnen Teile der Suite sind Begegnungen: mit Menschen, mit Strukturen, mit Rechten – und mit Grenzen. Würde trifft hier auf Verletzlichkeit, Hoffnung auf Verzweiflung, Mut auf Überforderung. Und doch bleibt am Ende nicht Tragik, sondern Klarheit.

Was mich besonders bewegt, ist die Haltung, aus der diese Musik entsteht. Dignity ist kein melancholisches Klagelied, sondern ein humanistisches Statement. Isabelle Bodenseh zeigt, was menschliche Würde bedeuten kann – im Alltag, im Scheitern, im Weitermachen. Diese Würde ist nicht laut, sondern präsent.

Musikalisch ist das Werk durch und durch zeitgenössisch. Eine jazztypische Erzählweise verbindet sich mit einer lyrischen, fast kammermusikalischen Sprache. Für mich ist entscheidend, dass diese Musik nicht „erzählt“, sondern gelebt ist. Man hört, dass jede Note aus realen Erfahrungen gespeist wird – aus Verantwortung, aus Liebe, aus Fürsorge. Das verleiht dem Album eine Tiefe, die sich nicht inszenieren lässt.

Besonders eindrücklich wirkt die textlich-klangliche Collage Juliette, an der Johannes Maikranz maßgeblich beteiligt war. Hinzu kommen Masha, eine Komposition des Schlagzeugers Lars Binder, sowie das dynamische Fly High von Isabelle Bodenseh selbst. In dieser Abfolge verdichtet sich Dignity zu einem kraftvollen, tief bewegenden Gesamtwerk.

Dignity ist ein Album, das man nicht einfach hört. Man begegnet ihm. Und man geht verändert daraus hervor – leiser vielleicht, aber wacher.

(Jacek Brun, 06.02.2026)

Besetzung

Isabelle Bodenseh – flutes
Thomas Bauser – hammond organ
Johannes Maikranz – guitar
Lars Binder – drums

Titelliste

  1. Suite for Dignity [Part 1] (Prolog)
  2. Suite for Dignity [Part 2] (Sospeso)
  3. Suite for Dignity [Part 3] (Tempesta)
  4. Suite for Dignity [Part 4] (Kantilene)
  5. Suite for Dignity [Part 5] (Verve)
  6. Masha
  7. Fly High
  8. Juliette (Epilog)

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