Isfar Sarabski - Planet

Isfar Sarabski - Planet

Isfar Sarabski
Planet

Erscheinungstermin: 30.04.2021
Label: Warner, 2021

Isfar Sarabski - Planet - bei JPC kaufenIsfar Sarabski - Planet - bei Amazon kaufen

Isfar Sarabski - Piano
Alan Hampton - Double Bass & Amp; Bass
Mark Guiliana - Drums
Main Strings Ensemble & Amp; Lev Trofimov (Conductor)
The Edge, Novruz: Shahriyar Imanov (Tar)
Novruz: Baku Strings Quartet
Planet: Sasha Mashin (Drums), Makar Novikov (Double Bass)

Stellen wir uns den Einstieg in Isfar Sarabskis Debütalbum "Planet" szenisch vor, wie einen enthusiastischen und dramatischen Konzertabend. Der 31-jährige Pianist, Komponist und Arrangeur hat sich im letzten Jahrzehnt live genug Lorbeeren verdient, um zwischen seiner aserbaidschanischen Heimatstadt Baku, Berlin, New York und Los Angeles mühelos Theater von beachtlicher Größe zu füllen. Das Saallicht geht aus, ein Spot beleuchtet den Flügel, auf dem Sarabski zunächst mit einer meditativen Fibel am Bühnenrand ins Geschehen einführt.

"Deja Vu" nennt er den Einstieg, doch die Erinnerungsillusion hält nicht lange an. 40 Sekunden später hält er einen Moment inne, bevor er ein höchst anspruchsvolles Puls-Motiv einsetzt. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf seine beiden Trio-Kollegen Mark Guiliana am Schlagzeug und Alan Hampton am Kontrabass. Die drei swingen so erbaulich, dass die Füße unmöglich stillhalten können. Just im Moment des emotionalen und kognitiven Erfassens dieser Musik fällt blitzschnell ein weiterer Vorhang und gibt nicht nur einen Streichersatz frei, der das rhythmische und harmonische Treiben warm multidimensional macht. Das Wahrnehmungspanorama wird wieder schlagartig erweitert, so dass plötzlich alles möglich erscheint. Offensichtlich sind hier drei Musikliebhaber am Werk, die, unterstützt von Streichinstrumenten, eine Art kammermusikalischen Jazz spielen. Dessen komplexe Metrik dient aber keineswegs einem intellektuellen Kräftemessen zum Selbstzweck.

Die Tatsache, dass diese Musik die Phantasie so wunderbar anregt, dass man sie sich problemlos in einem Konzertsaal vorstellen kann, obwohl man "nur" eine Studioaufnahme hört, spricht für ihre immense Vitalität. Ihre Quelle ist Isfar Sarabski selbst, wie seine Vita deutlich zeigt. Während seines Stipendiums am Berklee College of Music in Boston beeindruckte er Kommilitonen und Lehrer gleichermaßen mit seinem neugierigen und aufgeschlossenen Mäandern zwischen Jazzimpressionismus, der Folkloretradition seiner Heimat und der Erforschung elektronischer Klangwelten. Die Spur, die Sarabski seit über zwei Jahrzehnten verfolgt, wurde in seiner Kindheit gelegt. Seine Mutter ist Geigenlehrerin, sein Vater ein großer Musikkenner, der neben Jazz, Rock, Soul und Funk auch Bach, Brahms und Beethoven zu schätzen weiß. Und sein Urgroßvater Huseyngulu Sarabski wurde im Orient als Musikpionier, Opernsänger, Musiker, Schauspieler und Dramatiker verehrt.

Musik ist zweifelsohne ein wichtiger Teil von Isfar Sarabskis Genen. "Die Vinyl-Schallplatten meines Vaters waren buchstäblich mein Spielzeug", erinnert er sich. "Ich war fasziniert von der Mechanik des Plattenspielers, von den großen schwarzen Scheiben und natürlich von der Welt der Töne, Harmonien und Rhythmen, die sich darin offenbarten. Ich erinnere mich genau an die Gefühle, die meine erste Wahrnehmung von Dizzy-Gillespie-Platten oder Aufnahmen der Werke von Bach und Chopin in mir auslösten. Wie konnte es sein, dass Musik Bilder in meinem Kopf erzeugen konnte? Das musste ich herausfinden. "

Gedacht und getan. Den ersten pianistischen Versuchen an einem einfachen Casio-Keyboard im Alter von vier Jahren folgten ein eigenes Klavier, die Aufnahme in eine Musikschule in Baku, das Erlernen der traditionellen Mugam-Improvisationssprache seines Landes und die Entdeckung der Katalogalben von Herbie Hancock, Miles Davis und Bill Evans. Geboren 1989, dem Jahr, in dem die Berliner Mauer fiel, war es für Sarabski nicht einfach, die Platten der amerikanischen Jazzgrößen zu bekommen, die nicht in der Plattensammlung seiner Eltern waren. Die langsame Öffnung der ehemaligen Sowjetunion bedeutete schließlich einen größeren Zugang zu westlicher Musik in Aserbaidschan. In der Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts hatte Isfars seine eigene musikalische Sprache gefunden. Orientalische Skalen harmonieren mit Mugam, kraftvollen Rhythmen und einem reichen Fundament aus Jazz- und klassischen Akkorden.

Die unmittelbare Aufrichtigkeit seiner Musik und ihr beschwörender, emotionaler Gehalt treffen auf elegante, intellektuelle Genüsse, die gleichzeitig den Geist anregen und das Herz bereichern. In der Ballade "Limping Stranger" hat Sarabski nach einem zutiefst harmonischen Kontrabass-Monolog Hamptons einen Solopunkt, der sein Improvisationsvermögen in aller filmischen Ganzheitlichkeit perfekt ausleuchtet, stets geprägt vom brennenden Drang nach dem Melodischen.

"Swan Lake" , die einzige Fremdkomposition auf "Planet" , bringt Tschaikowskys Ballettmusik mit einem radikal neuen Arrangement dem aktuellen Stand des Jazz näher. "Ich bin ein großer Fan von klassischer Musik und besuche seit meiner Kindheit Theateraufführungen, Opern und Orchesterkonzerte. Meiner Meinung nach ist die klassische Musik die Grundlage für alle anderen Formen der Musik", kommentiert Sarabski.

"Die Idee für das Arrangement des Fragments aus 'Schwanensee' ist die logische Konsequenz aus meiner ständigen Suche nach Parallelen zwischen moderner und klassischer Musik." In der Solo-Piano-Passage des zweistimmigen Titeltracks "Planet" vertieft er dieses Ansinnen so geschickt, als wolle er heimlich Jazz im Stil von Rachmaninoff spielen. Freiheitsschnappschüsse treffen auf versteckte Kadenzenübungen, die im ersten Höreindruck nicht direkt präsent sind.

"Das Album heißt 'Planet', weil es meine Gefühle und Ansichten über unseren Planeten zusammenfasst", erklärt Isfar. "Die Menschen, die Ereignisse der letzten Jahre, die uns alle betroffen haben, und die neuen Situationen, mit denen wir umgehen müssen, reflektiere ich in den Kompositionen mit dem Wunsch, in einen Dialog mit meinem Publikum zu treten."

Vielleicht hat man deshalb im weiteren Verlauf des Albums den Eindruck, sowohl Kompositionen als auch wortlose Lieder zu hören. Einerseits folgen Sarabskis Stücke in ihrem architektonischen Aufbau einer logischen Korrektheit. Andererseits setzt er ihnen melodische Kronen auf, die gesungen werden können. Dieses Kunststück geht so weit, dass man sich im genaueren Hinhören üben möchte, um in den Melodieführungen ungeschriebene Worte lesen zu können.

Im relativ epischen "The Edge" erzählt das traditionelle aserbaidschanische Saiteninstrument tar eine fast mystische Geschichte über die Kultur von Sarabskis Heimatland. Das geradezu funkige "G-Man" will Isfar ebenso wie das gesamte Album als alternative Dialogform zu modernen Kommunikationsmitteln verstanden wissen, sagt er.

"Für mich ist Musik ein Dialog, ein Dialog zwischen den Seelen. Tiefe, menschliche Emotionen hervorzurufen ist der Hauptgrund, warum ich Musik mache. Meine bevorzugte Form des Dialogkonzepts ist die metrische und melodische Freiheit des Jazz. Die Jazzform ist extrem hilfreich, um tief sitzende, kleine, aber wichtige Details der Seele zu finden. Sie ist wie eine Art Code, der nicht immer entschlüsselt werden kann, aber sie ist einzigartig in ihrer Erscheinung. Deshalb wollte ich unbedingt mit 'Planet' ein anerkanntes Jazz-Album machen."

Text: Warner

jazz-fun.de meint:
Jazz, Jazzimprovisation, sind hier nur eines der Ausdrucksmittel, und davon gibt es eine Menge in Isfar Sarabskis Musik. Dies ist ein Album für Menschen, die aufrichtig nach Schönheit suchen und Musik wirklich lieben. Ein wunderbares Debüt, Gratulation!

  1. Deja Vu
  2. Limping Stranger
  3. Swan Lake
  4. Prelude
  5. Transit
  6. The Edge
  7. Planet (Solo)
  8. G-man
  9. Novruz
  10. Planet

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 8.