Jakob Dreyer - Roots and Things

Jakob Dreyer - Roots and Things - Album cover
Jakob Dreyer - Roots and Things

Jakob Dreyer
Roots and Things

Erscheinungstermin: 18.11.2025
Label: Fresh Sound Records, 2025

Jakob Dreyer - Roots and Things - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

Jakob Dreyer gehört zu den Künstlern, die sich nicht mit einfachen Lösungen zufriedengeben. Er weiß genau, welche musikalische Sprache er sprechen möchte – und sein Quartett versteht diese Sprache intuitiv. Die Kompositionen, tief im Contemporary Jazz verankert, wirken klar durchdacht, sorgfältig gestaltet und zugleich offen genug, um dem Ensemble viel Raum für eigene Impulse zu geben.

Die Musik fließt frei, entwickelt sich organisch und atmet eine große Weite. Themen und Improvisationen greifen elegant ineinander, und immer wieder entstehen Momente, die einem eine Gänsehaut bescheren. Sasha Berliner am Vibrafon und Tivon Pennicott am Saxofon verstehen die ästhetische Linie des Leaders perfekt und antworten mit eindrucksvollen, sensibel formulierten Soli. Die Rhythmusgruppe – Kenn Salters am Schlagzeug und Dreyer selbst am Bass – bildet das stabile, elastische Fundament, auf dem diese Musik stehen und zugleich schweben kann.

Trotz der vertrauten stilistischen Umgebung überrascht Roots and Things mit einer bemerkenswerten Frische. Die Präzision des Spiels, die Schönheit der Arrangements und die hohe künstlerische Reife des Ensembles machen dieses Album zu einem Werk, das man nicht überhören sollte. Ein eindrucksvolles Statement und ein starkes Zeichen dafür, wohin sich der moderne Jazz bewegt.

(Jacek Brun, 06.12.2025)

Besetzung

Tivon Pennicott - Tenor Sax
Sasha Berliner - Vibraphone
Jakob Dreyer - Bass, Composition
Kenn Salters - Drums

Contemporary Jazz voller Tiefe – das neue Album von Jakob Dreyer

Auf seinem dritten Album als Bandleader präsentiert der Bassist und Komponist Jakob Dreyer mit „Roots and Things” einen neuen Sound, eine neue Band und eine unbändige Lust am Swing.

Der in Deutschland geborene und in New York lebende, vielseitige Bassist Jakob Dreyer hat sich bereits auf zwei früheren Alben seiner Reihe „Songs, Hymns and Ballads” als äußerst produktiver Komponist erwiesen, doch mit „Roots and Things” legt er noch einmal eine Schippe drauf. Mit einer beeindruckenden Besetzung – bestehend aus der Vibraphonistin Sasha Berliner, dem renommierten Tenorsaxophonisten Tivon Pennicott und dem gefragten Schlagzeuger Kenn Salters – präsentiert Dreyer auf seiner dritten Aufnahme für das in Barcelona ansässige Label Fresh Sound New Talent 15 lebhafte und durchgehend swingende Eigenkompositionen sowie eine gut ausgewählte Coverversion.

Mit seinem Schwerpunkt auf kraftvollen Grooves und nachdenklichen Balladen, unterbrochen von kurzen Zwischenspielen, ist „Roots and Things” ein tiefgründiges Statement des Bassisten und Komponisten, der seit seinem Umzug nach New York im Jahr 2014 zu einer allgegenwärtigen Figur in der Jazzszene der Stadt geworden ist.

„Nach meinen beiden vorherigen Alben, bei denen das Klavier (Jon Cowherd) im Vordergrund stand, hatte ich das Gefühl, dass ich beim nächsten Album einen anderen Sound wollte”, so Dreyer. „Also habe ich überlegt, wie ich das am besten umsetzen könnte. Ich habe verschiedene Instrumente in Betracht gezogen, bevor ich mich für das Vibraphon entschieden habe. Ich finde, es prägt die Musik einfach sehr stark. Außerdem hat Dave Hollands Einsatz des Vibraphons auf mehreren seiner Alben meine Entscheidung definitiv beeinflusst.“

Und was die 27-jährige Sasha Berliner aus der Bay Area mitbringt, ist einzigartig. Sie wurde 2018 vom SFJAZZ Magazine zu einer der „zehn aufstrebenden Instrumentalistinnen, die man kennen sollte” gekürt, von JazzTimes als „junge Meisterin der Mallets” bezeichnet und im Downbeat Critics Poll 2020 im Alter von 21 Jahren zur Nummer eins der aufstrebenden Vibraphonistinnen gewählt. An ihrer Seite steht mit Pennicott einer der mitreißendsten Saxophonisten der aktuellen Szene, unterstützt vom treibenden Rhythmus-Duo Salters und Dreyer. Zusammen sorgen sie auf „Roots and Things” für eine bemerkenswerte Chemie von Track zu Track. Dreyer erklärte zum Titel: „Ich dachte, er habe mehrere Bedeutungen, aber für mich dreht sich alles um den Bass, denn das ist es, was ich meistens mache: die Grundnote spielen.“

Das Album beginnt mit dem minimalistischen „The Fifth Floor“, das von Berliners hypnotischem Vibraphon-Ostinato untermalt und von Salters knackigem, kraftvollem und präzisem Schlagzeugspiel angetrieben wird. „Constellation“ ist ein freizügiger Swinger, bei dem Pennicotts kühnes Tenorsaxophon das Eröffnungsmotiv intoniert, bevor es zu einem wogenden Uptempo-Solo übergeht. Dieses wird vom unfehlbaren, treibenden Bass des Bandleaders und Salters interaktiven Attacken auf dem Schlagzeug angetrieben. Berliner steuert hier ebenfalls ein belebendes, vom Bop inspiriertes Solo bei, gefolgt von Dreyer mit einem kraftvollen Solo, das in den Basshelden Paul Chambers, Dave Holland, George Mraz und Niels-Henning Ørsted Pedersen verwurzelt ist.

Der kantige „Follower” dient als Startrampe für einige kraftvolle Erkundungen des Tenorsaxophonisten Pennicott und der Vibraphonistin Berliner. Schlagzeuger Salters entfesselt sich an seinem Kit über einem Band-Ostinato in diesem intensiv groovenden Stück. In „June Tune“ kehrt etwas mehr Ruhe ein. Der geheimnisvolle, harmonisch reichhaltige Titel lässt Berliner, Pennicott und Dreyer reichlich Raum für Soli, wobei dessen tiefklingende Erkundungen ein lyrisches Highlight darstellen.

Das feurige Interlude „Land of 1,000 Blues” ist eine kurze – nur 20 Sekunden lange – aber heftig swingende Interpretation von Chris Kenners Rockklassiker „Land of 1,000 Dances” aus dem Jahr 1962. Dieser wurde später durch Hit-Single-Versionen von Cannibal & the Headhunters und Wilson Pickett berühmt. Es ist der erste von vier solchen Übergängen auf Roots and Things. „Ich dachte, ich könnte diese Zwischenspiele einfach zwischen den Hauptsongs einbauen, um die Stimmung neu zu setzen”, erklärte Dreyer. „Wenn man also das ganze Album durchhört, kommt man zu diesen Resets und kann den nächsten Song wieder neu genießen.“

Der einzige Cover-Song auf diesem Album ist eine modernistische 5/4-Version des Rodgers-&-Hart-Showtunes „With a Song in My Heart“ aus dem Jahr 1929 und bietet eine Plattform für einige eindringliche Improvisationen von Berliner, Pennicott und Dreyer. Es folgt ein weiteres Intermezzo: das hüpfende Midtempo-Stück „Bodega“, das nach 32 Sekunden eindringlichem Swing und Walking Bass ausklingt. Die verträumte Ballade „Downtime“, untermalt von Salters' Brushwork und Berliners resonantem Comping auf dem Vibraphon, offenbart das Gespür des Bandleaders für kontrapunktisches Spiel. Berliner, Pennicott und Dreyer liefern zu diesem ergreifenden Stück jeweils brillante, ausdrucksstarke Soli.

Das feurige „Fight or Flight“, ein Uptempo-Stück mit einem komplexen Kopf und einem Riff, das an Wayne Shorters „Yes or No“ erinnert, entfesselt einige funkelnde Soli von Berliner und Pennicott, begleitet von Dreyers entschlossenen Walking-Bass-Linien. Vibraphon und Saxophon liefern sich einen rasanten Schlagabtausch mit dem Schlagzeuger, während das Stück an Fahrt gewinnt.

Das 42 Sekunden lange Interlude „MTA“ swingt kraftvoll mit einigen präzise synchronisierten Schlägen. „Hold On“ bringt das kontrapunktische Spiel des Bandleaders und Salters' hochgradig interaktive Instinkte am Schlagzeug zur Geltung. Pennicott und Dreyer liefern jeweils tiefgründige Soli zu Berliners flüssigem Vibraphon-Begleitpart in diesem eindringlichen Moll-Stück.

„Room 1102“, benannt nach Dreyers Zimmer im Studentenwohnheim des City College, basiert auf einem bezaubernden Ostinato, das dem Schlagzeuger die Freiheit gibt, sich auf seinem Kit ungehindert auszutoben. Der Titeltrack ist ein wunderschön stimmungsvoller Titel, in dem Berliner mit ihrem schwebenden Vibraphon eine geheimnisvolle Note hinzufügt, während Dreyers kontrapunktische Basslinien und Salters knackiges Schlagzeugspiel dem Stück einen soliden Anker verleihen. Berliner, Pennicott und der Bandleader liefern hier jeweils kraftvolle und fesselnde Soli.

Das 20-sekündige Interlude „Invisible” gibt einen kurzen Vorgeschmack auf Pennicotts Saxophon in Kombination mit Salters' Brushwork, bevor „Big Apple” mit der Kraft von Salters' Backbeat und Dreyers' Basslinien eindrucksvoll einsetzt. „Ich habe diesen Song gerade geschrieben und fand, dass er ein bisschen wie Brad Mehldau klingt, der auf irgendwelchen Popsongs spielt. Und tatsächlich hat Oscar Peterson das schon in den 70er Jahren gemacht. Es klingt fast wie ein Backbeat, hat aber auch diese treibende, swingende Qualität.“ Berliner und Pennicott liefern zu diesem kraftvollen Groove jeweils beschwingte, mitreißende Soli.

„Roots and Things“ endet mit dem klassisch angehauchten „Choral Diner“, in dem der Bandleader vier Arco-Bässe in einer Art Kammerquartett-Setting überlagert. „Es ist ein Wortspiel“, sagt der Komponist. „Denn es ist ein Choral, aber der Titel bezieht sich auch auf das Coral Diner, das früher um die Ecke von meiner Wohnung lag.“

„Roots and Things“ ist Dreyers bislang persönlichste Aufnahme und markiert einen neuen Meilenstein in der sich weiterentwickelnden Karriere dieses aufstrebenden Talents.

Text: Fresh Sound Records

Titelliste

  1. The Fifth Floor
  2. Constellation
  3. Follower
  4. June Tune
  5. Land of 1000 Blues
  6. With a Song In My Heart
  7. Bodega
  8. Downtime
  9. Fight or Flight
  10. MTA
  11. Hold On
  12. Room 1102
  13. Roots and Things
  14. Invisible
  15. Big Apple
  16. Choral Diner

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 9 und 3.