Rezension des Albums "Solo & Trio" von Jan Lukas Rossmüller
Jan Lukas Rossmüller
Solo & Trios
Erscheinungstermin: 03.04.2026
Label: Unit Records, 2025
Vom stillen Klavier zur explosiven Trio-Energie
Mit Solo & Trio legt der Kölner Pianist und Komponist Jan Lukas Roßmüller ein Doppelalbum vor, das zwei sehr unterschiedliche, zugleich aber eng miteinander verbundene musikalische Perspektiven eröffnet.
Der erste Teil führt in eine intime Welt des Soloklaviers, während der zweite Teil die gleiche musikalische Handschrift in der dynamischen Form eines Trios weiterentwickelt. Zusammen ergeben beide Seiten ein vielschichtiges Porträt eines Musikers, der Komposition und Improvisation als organische Einheit versteht.
Solo – Musik des Augenblicks
Der Soloteil des Albums besteht aus dreizehn kurzen Klavierminiaturen. Roßmüller bewegt sich hier mit großer Sensibilität durch fragile Klanglandschaften, die sich scheinbar spontan entfalten. Seine Improvisationen wirken verspielt und zugleich tiefgründig, als würden sie aus einem inneren Fluss heraus entstehen.Die Stücke leben von kleinen Gesten, von Nuancen und feinen Veränderungen. Linien entstehen, lösen sich wieder auf und hinterlassen Räume der Stille. Diese Musik bewegt sich oft langsam, beinahe meditativ, mit einer melancholischen Note, die jedoch nie schwer wirkt.
Trio – Energie und Interaktion
Im zweiten Teil tritt Roßmüller mit seinem Trio in Erscheinung. Gemeinsam mit dem Bassisten Florian Herzog und dem Schlagzeuger Jakob Görris öffnet sich ein völlig anderer musikalischer Raum.Die drei Musiker kommunizieren in einem feinen Netz aus musikalischen Impulsen. Ideen werden aufgenommen, verändert und weitergeführt, während sich das Klangbild ständig verändert. Ausgehend von Roßmüllers Kompositionen entstehen vielschichtige Strukturen, die von zarter Transparenz bis zu rhythmischer Dichte reichen.
Gerade dieser Kontrast zwischen den beiden Albumhälften macht den besonderen Reiz von Solo & Trio aus. Aus der stillen, beinahe introspektiven Welt des Soloklaviers führt der Weg in ein Trio, in dem alles möglich scheint – jede Phrase wird zum Ausgangspunkt neuer musikalischer Entwicklungen.
Zwei Welten, eine Handschrift
Die Entscheidung, diese beiden musikalischen Welten in einem gemeinsamen Projekt zu präsentieren, wirkt mutig und zugleich konsequent. Roßmüller zeigt damit nicht nur zwei unterschiedliche Klangräume, sondern auch zwei Seiten seiner künstlerischen Persönlichkeit.Am Ende entsteht ein Album, das den Zuhörer zwischen Intimität und Energie, zwischen Kontemplation und Interaktion wandern lässt. Beide Perspektiven überzeugen auf ihre eigene Weise – und gerade im Zusammenspiel entfalten sie ihre besondere Wirkung.
Ein Doppelalbum, das zeigt, wie vielfältig und lebendig zeitgenössischer Jazz sein kann.
(Jacek Brun, 11.04.2026)
Besetzung
Jan Lukas Roßmüller – piano
Florian Herzog – double bass
Jakob Görris – drums
Titelliste
Solo:
- Tschiertschen
- Post
- Abstieg mit Ziegen
- Pfade
- Höhen I
- Choral
- Apostroph
- Vier Krähen
- Höhen II
- Flimmern
- Nahen
- Höhen III
- Tropfen
Trio:
- Warner
- Domscooter
- Marsjazz
- Kapillar I
- Back to Mars
- Kapillar II
- Yusef and Eric
- Kapillar III
- Off
- Karjaen
- Scott
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