Jazz À La Flute - Essenza

Jazz À La Flute - Essenza

Jazz À La Flute
Essenza

Erscheinungstermin: 04.09.2020
Label: Glm Music, 2020

Jazz À La Flute - Essenza - bei JPC kaufenJazz À La Flute - Essenza - bei Amazon kaufen

Zwei Richtungen oder gar Genres sind auf der CD zu finden: Latin Music und Jazz-Standards. Die latin inspirierten Themen beziehen sich auf die vielseitige Gitarrentradition Iberiens und Lateinamerikas – das mediterrane Italien einbezogen. Das sind eingängige, unkomplizierte und bekannte Titel für Liebhaber*innen der akustischen Gitarre, für Freunde rhythmisch akzentuierter Musik mit charmanten, folkloristisch inspirierten Melodien. Die andere Seite der CD spiegelt die Welt von Jazz-Standards wieder. Diese Welt wird mit den Klangfarben der Flöte bereichert, was bisweilen zu ungewöhnlichen, unerhörten Klängen führt. Die gilt es zu entdecken, besonders auf Essenza, dem Titelstück der CD.

Latin Music
Auf der CD sind solche Klassiker wie Tico, Tico zu finden. Weniger vom Titel, aber von der Melodie her, kennen es fast alle. Eine Komposition des brasilianischen Barden Joao Bosco darf nicht fehlen. Der schwelgende italienischer Titel (Tu si 'na cosa grande per me) darf sich auch ins „Genre“ der wohltemperierten (Gitarren-) Balladen einreihen. Einige Titel im Detail.

Incompabilididade de Gènios
Los geht es mit der wild fauchenden Flöte, die nach dem überfallartigen Auftakt schnell zu melodischen Tönen findet. Rhythmisch forciert, stakkatohaft betont, treibt die halb-akustische Gitarre das Thema voran, um später auch solistisch zu übernehmen. Der Titel ist ein vertrautes Thema, das sofort gewinnt. Über diese rhythmische Basis bläst, faucht und pfeift die Flöte ihre Linien, thematisch ergänzend und ruhig improvisierend. Das geschieht zum Teil durch Überblasen mit gesungenen Obertönen, was zu jazzigen Intonationen führt. Mit mehr als nur einem Hauch bläst die Flöte das brasilianische Gitarrenthema in den Jazz.

Essenza
Die Komposition Essenza des Gitarristen Lorenzo Petrocca kann für sich beanspruchen, in verschiedenen Genres beheimatet zu sein. Es finden sich Elemente aus der lateinamerikanischen Tradition des Gitarrenspiels und der swingenden Jazz-Ballade, abhängig vom stärkeren Fokus auf Gitarre oder Flöte. Das Zusammenspiel der beiden Musiker scheint hier besonders dicht, eng verzahnt zu sein. Unabhängig vom Genre: Das Titelstück ist eine gelungene Synthese aus beiden musikalischen Welten. Wenn diese Synthese das Wesentliche der Musik von Essenza sein soll, so trifft der Titelname es genau.

Jazz-Standards
Die Balladen: Lonnie's Lament, Time after Time, Waltz for Debby.
Die tiefen Tonfolgen der erwärmenden Bassflöte eignen sich trefflich für diese Ballade von John Coltrane. Ein Titel zum Meditieren? Durchaus geeignet: lange, ruhige Linien, viel Ruhe und Tiefe ohne quirliges Pfeifen. Ein Motiv deutet sich an, die Gitarre fällt mit dezenten Akkorden ein, das Thema entwickelt sich, gewinnt an Fahrt ohne an Ruhe zu verlieren. Da klingen runde Melodielinien bei harmonischer Grundstimmung. Dieser Titel ist in der Interpretation des Duos weniger ein Lamentieren, sondern eher eine beschwörende Hymne. An wen oder was? Tja, vielleicht an Kraft und Magie der Musik? Das ist dem Hörer selbst überlassen. Die Gitarre übernimmt jetzt solistische Läufe, dezent vorgetragen, die Flöte sichert die Grundstimmung. Eine gelungene Interpretation eines Jazz-Klassikers in ungewöhnlicher Besetzung.

Captain Marvel
Schon mit den ersten Tönen geht es richtig ab. Rhythmisch akzentuiert legen beide Instrumente los, um schon bald zu verschnaufen, musikalisch ein stilles Intermezzo einzulegen. Die Flöte bleibt jetzt mehr im Hintergrund, die Gitarre darf sich in den Vordergrund wagen, aber stets behutsam, nur der Flöte nicht den Rang als primäres Instrument streitig machen. Die Flöte von Isabelle Bodenseh lässt gewähren, um schon bald darauf dem Gitarristen die Flötentöne nicht beizubringen, aber ihn zum rhythmischen Begleiten zu verweisen. Die Anfangssequenzen sind auch die, die den Titel beenden, ihn in Harmonie ausgleiten lassen.

Waltz for Debby
Waltz for Debby kommt vertrauter daher. Das kann an der leicht elegischen kammermusikalischen Komposition des Originals liegen. Dann übernehmen die Gitarrenakkorde den treibenden Zug, bringen Bewegung in das Thema. Die Spielweise des Gitarristen Lorenzo Petrocca erinnert stark an die swingenden Sequenzen des Kontrabasses von Scott la Faro, die hier gut platziert sind. Die Flöte darf solistisch ausschmücken, tut dies auch engagiert und verschafft dem Titel eine neue Interpretation, die für Jazz-Flöte mit Gitarre.

Text: Cosmo Scharmer

  1. Incompatibilidade de genios
  2. Secret love
  3. Lonnie's lament
  4. Captain Marvel
  5. Time after time
  6. Tico tico no fuba
  7. Tu si 'na cosa grande
  8. Waltz for Debby
  9. Essenza
  10. Birks' works

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 1 und 1.