Die Qual der Wahl – oder XJAZZ als individuelles Musikfest in Berlin-Kreuzberg 08.05. bis 12.05 2019

von Cosmo Scharmer

XJAZZ
XJAZZ

Seit Mittwoch ist das Musikfestival XJAZZ online, will heißen offen. Eine Vielzahl von Konzerten erwartet sein Publikum. Wenn die Besucher das Programm auch nur ein wenig widerspiegeln, so wird mehr als eine bunte Schar von Musikbegeisterten jeglicher musikalischer Couleur zusammenkommen. Die Besonderheiten von XJAZZ werden kurz skizziert:

  1. Umfassende Stilistik von Jazz und aktueller Musik
  2. Dezentrale Konzerte
  3. Lokale, regionale und internationale (Jazz)Szene
  4. Modulares Konzept oder die Qual der Wahl

Das Angebot

Das Programm umfasst so gut wie alle aktuellen Strömungen, die sich im weitesten Sinn als Jazz definieren und darüber hinaus als zeitgenössische, kreative und improvisierte Musik gelten. Rund 60 Konzerte können sehr viele Stilrichtungen beinhalten. Was will der interessierte Besucher hören?
Diese Entscheidung ist ihm nicht abzunehmen. Ihm bleibt nur die Vorauswahl durch die Informationen des Veranstalters und die vielen Links zu den Websites der Künstler*innen und/oder den zahlreichen Videos auf YouTube. Somit können hier keine besonderen Empfehlungen ausgesprochen werden. Nur diese: auswählen, hingehen und sich überraschen lassen.

Dezentrale Spielstätten

Hier geht es um die Locations, die sich auf eine Vielzahl von Clubs in Kreuzberg konzentrieren. Die Verschiedenheit der Spielstätten umfasst größere Einrichtungen wie das Lido, den Kreuzberger Festsaal oder das berühmt-berüchtigte SO36, aber auch einige kleinere intime Clubs wie den schönen spreeblickenden Fluxbau. Die Unterschiedlichkeit reicht vom Berliner Under Ground BI NUU – direkt unter der U-Bahn Schlesisches Tor – über die Emmauskirche bis zum schicken Hotel Orania. So unterschiedlich wie die Locations sind dann auch Ambiente, die Konzerte und wohl auch das Publikum. Noch eins: die Orte können zum Teil gut zu Fuß, am besten mit dem Rad, ganz schlecht mit dem Auto (fehlende Parkplätze) erreicht werden.

Die Szenen

Es bietet sich bei einem Berliner Festival an, die lokale Szene explizit darzustellen. Dies ist beim XJAZZ-Festival eindeutig gegeben, aber auch die Region ist mit einigen Künstlern aus dem nachbarlichen Polen gut vertreten – Bodek Janke, Kinga Glyk, Hania Rani. Von der Küste kommt die Bläserband „Meute“. Es gibt Jazzlegenden – so wie der Klarinettist Rolf Kühn – und renommierte Gruppen von international herausragender Bedeutung wie das britische Piano-Trio The Bad Plus oder das Trio von Yaron Herman. Und das Festival hat wegen der Vielzahl der auftretenden Musikerinnen auch eine starke weibliche Komponente. Beim Genre Vocals & Voices finden sich Kate Tempest, Lamotta oder Lisa Bassenge. Die Berlinerin Clara Haberkamp spielt Piano und singt dazu. Die begleitende Kollegin am Kontrabass Lisa Wulf ist gleich zweimal zu hören. Und die Lady an der Bassgitarre Kinga Glyk wird ebenso wie die Pianistin Hania Rani das Festival  wohl bereichern. Auch so ein „exotisches“ Instrument wie die Harfe von Kathrin Pechlof wird Gehör finden.

Modulares Konzept oder die Qual der Wahl

Hier reinhören, dorthin swingen, da Funk und Hip-Hop sich um die Ohren schlagen lassen oder Electronic Sounds sich (tanzend?) zu eigen machen. Dadurch kann sich jeder sein eignes Musikfest, sein Festival und sein individuelles Erlebnis – bei dem einen oder anderen kann es sogar zum Event werden -  zusammenstellen. Hier ist das Publikum gefordert, selbst aktiv zu werden. Es bleibt bei der (Jazz)Musik - wie auch im sonstigen Leben - ein Restrisiko von Überraschungen, wie sie auch ausfallen mögen. Zuhörend wird der Autor von den Konzerten berichten.

Alle weiteren Programm-Informationen finden Sie auf der Interenetseiten von XJAZZ:
http://www.xjazz.net

Text: Cosmo Scharmer

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