Ein ständig sich veränderndes Feuerwerk an Klängen, Tonfärbungen und Rhythmen oder einfach Julian Lage Trio

von Jacek Brun

Julian Lage
Julian Lage, Foto: Daniel Dittus

Julian Lage Trio 27.03.2019 Elbphilharmonie, kleiner Saal

Julian Lage - Gitarre (USA)
Jorge Roeder - Kontrabass (Peru)
Eric Doob - Schlagzeug (USA)

Das Ambiente im kleinen Saal der Elbphilharmonie verstärkt durch die fantastische Akustik und den Sound des Trios lässt keine Wünsche offen. Der Saal kann jede Nuance und jedwede Klangfärbung von Musik ausgezeichnet wiedergeben. Genau dies wird das Trio durch seine intelligente Spielweise dem Raum entlocken. Wer wie Julian Lage mit 31 Jahren noch relativ jung ist, aber schon über 26 Jahre Erfahrung im Gitarrenspiel besitzt, der ist relativ „alt“ und reich an Erfahrung. Die Spannung steigt, dann geht es los.

Ungewöhnlich. Julian Lage bevorzugt die Fender Telecaster, eine Gitarre die von der Mehrheit der Rockmusiker und stärker jazzrockenden Gitarristen oft und gern verwendet wird. In Jazz zeigt sich die Fender Telecaster höchst selten. Damit ist ein Indiz schon angedeutet: ein puristischer, eher härterer? Gitarrensound soll es werden. Nun, was soll ein Autor schreiben, wenn jemand wie Julian Lage derart virtuos aufspielt? Nichts, außer, dass dem so ist: eine hundertprozentige Hingabe verbindet sich mit technischer Perfektion. Unglaublich und geradezu unheimlich.

Jede, aber auch jede einzelne Note bekommt ihr eigenes Leben eingehaucht, ihre eigene Klangwelt. Julian Lage zaubert ein individuelles wie präzises Spiel mit seinen Tönen. Seine Stilistik zeichnet sich durch ein miteinander verwobenes Spiel von Harmonien, melodischen Strukturen und rhythmischer Phrasierung aus. Alles ist klug durchdacht und trotz oder wegen seines technischen Könnens doch voller Ausdruck und Emotionalität.

Julian Lage Trio
Julian Lage Trio, Foto: Daniel Dittus

So auch die mitgestaltenden Kollegen am Bass und den Drums. Das Trio spielt im wahrsten Sinn des Wortes mit den musikalischen Elementen. Hier treffen Harmonien auf Rhythmen, verstärken oder ergänzen sich oder treten sich diametral gegenüber. Diese zwei bis drei Spannungspole ihrer Musik sind ständig in Bewegung, kommen aufeinander zu, verweilen ein wenig, stoßen wieder auseinander, um erneut das Spiel von vorne beginnen zu lassen. Es ist ein ständig sich veränderndes Feuerwerk an Klängen, Tonfärbungen und Rhythmen von unglaublicher Schönheit. Sich annähern, wieder entfernen, erneut den Versuch machen, sich musikalisch zu treffen. Dieses Spielen mit den Elementen will gar nicht aufhören. Dass die drei Musiker dabei auch noch großen Spaß, besser hohes Vergnügen und Erfüllung finden, macht das Konzerterlebnis noch tiefer.

Der musikalische Fundus speist sich aus den letzten 3 CDs, die das Julian Lage Trio aufgenommen hat. Diese Musik ist nicht überladen, nicht überfrachtet. Hier sind keine unsinnigen Effekte oder gar Schnickschnack zu hören, sondern ein intelligenter Sound. Dies liegt auch an der puristischen Klangfärbung der Telecaster. Gleich welches musikalische Genre – ob Rock, Jazz, Pop - bevorzugt wird, für die Freunde des reinen Gitarren-Sounds ist der Klangcharakter der Telecaster ein Muss. Ein Muss, das durch die Spielweise von Julian Lage entsteht. Wer all dies zu hören weiß, der ist hoffnungslos in dieser Musik verloren.

Ein wenig zu meckern bleibt dennoch: Obwohl das Publikum begeistert jubelt, kann es sich nur eine Zugabe erkämpfen. Das ist eindeutig zu wenig. Und dies muss der Autor den Verantwortlichen - dem Künstler? oder dem Veranstalter? - „in Rechnung stellen“.

Nachbemerkung zu der Telecaster. Dies war die erste Gitarre, die Julian Lage sich mit vier bei seinem Vater erbettelte und die er dann mit sechs bekam. Es war das gleiche Modell, welches Bruce Spingstien auf einem Poster zeigte. Mit dem ersten Griff auf der Gitarre hat sich für ihn „ein Kreis geschlossen“.

Julian Lage Trio
Julian Lage Trio, Foto: Daniel Dittus

Text: Jacek Brun, Redaktion: Cosmo Scharmer
Foto: Daniel Dittus

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Kommentar von Nicole Schmalkoke |

Ich Danke Euch für den wundervollen Bericht! Ich habe das Gefühl bekommen als wenn ich live dabei gewesen wäre!!
Wow!
Liebe Grüße Nicole Schmalkoke

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