Alive & Kicking: Jazz thing wird 25!

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Jazz thing wird 25!
Jazz thing wird 25!

Der Jazz wurde schon oft totgesagt – und feierte genauso oft seine Wiederauferstehung. Auch „Print“ wird in Zeiten von Internet und Digitalisierung oft als „Holzmedium“ geschmäht, das keine Zukunft mehr habe. Der Erfolg des Magazins Jazz thing beweist das Gegenteil: Im September 2018 feiert die von Axel Stinshoff in Köln herausgegebene Publikation ihren 25. Geburtstag und die 125. Ausgabe – und wirkt als Europas größtes Jazzmedium lebendig wie eh und je. Das Erfolgsgeheimnis: die Leser und ihre Bedürfnisse kennen, auf Veränderungen im Markt und im Rezeptionsverhalten angemessen reagieren, ohne den Markenkern, oder besser: die Seele zu verlieren. Höhepunkt des Jubiläums ist ein top besetztes Mini-Festival im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld am 30. September mit Jazz&Fusion-Legende Randy Brecker, den hippen Shooting Stars der Stunde Shake Stew, dem cool-boopenden Finnen Timo Lassy und dem Hammond-Groove-Meister Raphael Wressnig & The Soul Gift Band. 

Einmal mehr erlebt der Jazz also ein „Revival“. Künstler wie Kamasi Washington (der das Cover von Jazz thing 124 zierte) oder die neue UK-Jazzszene um das Brownswood-Label von Gilles Peterson (ebenfalls ein Jazz-thing-Titelheld) werden in der Clubszene und selbst in der Rock- und Popwelt gefeiert. Axel Stinshoff kommt das bekannt vor: Ende der 80er, Anfang der 90er waren es Labels wie Acid Jazz – auch vom schon damals umtriebigen Gilles Peterson ins Leben gerufen – und HipHop-Acts wie A Tribe Called Quest und Gang Starr (deren Stück „Jazz thing“ dem Magazin den Namen gab), die Jazz einer neuen Öffentlichkeit nahebrachten. Doch die Wahrheit ist, so Axel Stinshoff: Jazz war niemals tot, er gerät nur manchmal etwas aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit. Da Jazz aber seit jeher in alle Richtungen offen ist, gelingt es ihm immer wieder, sich selbst neu zu beleben und neue Liebhaber zu gewinnen. Jazz thing begleitet und fördert diese Entwicklung seit nunmehr 25 Jahren.

Alte Helden & junge Löwen

Bei der Gründung gingen Axel Stinshoff und sein bis heute im Kern unverändertes Team mit dem Anspruch an den Start, Jazz moderner und frischer zu präsentieren – mit einer zeitgemäßen Gestaltung und Texten, die den Jazz und Jazzverwandtes auch Nicht-Experten zugänglich machen sollten. Inhaltlich wurde der Bogen weit gespannt – vom klassischen Modern Jazz bis zu den neuen Hybriden einer jüngeren Generation. Inzwischen hat sich Jazz thing längst zum Leitmedium für die Jazzszene im deutschsprachigen Raum entwickelt. Das einstige Supplement Blue Rhythm ist inzwischen in das Mutterblatt integriert, so dass auch immer ein starker Anteil an Blues, Afro, Brazil und anderen, mit dem Terminus „Weltmusik“ nicht mehr adäquat bezeichneten Musikformen zu verzeichnen ist. Neben den internationalen Größen und bekannten Namen liegt ein Fokus auch immer auf Newcomern aus dem deutschsprachigen Raum, und das nicht nur im Heft selbst.

Die zusammen mit Double Moon Records aufgelegte CD-Reihe „Jazz thing Next Generation“ gibt jungen Talenten aus dem deutschsprachigen Raum eine Plattform: Heutige Jazzprominente wie Frederik Köster, Benjamin Schäfer, Tobias Meinhart, Cyminology, Lisbeth Quartet, Max Frankl und Sebastian Sternal veröffentlichten hier ihre offiziellen Debüts und brachten sich so ins Rampenlicht der Jazzöffentlichkeit. Mit mittlerweile 73 Ausgaben dürfte dies wohl die quantitativ größte Jazz-Talentreihe in Europa sein – und natürlich wird jeder Act auch im Magazin gewürdigt. Aktuelle Protagonisten: das Quintett des Kölner Saxofonisten und Komponisten Benedikt Koch.

Lean back & enjoy!

Jazz thing spielt die Vorteile eines Printmagazins als Lean-Back-Medium voll aus: mit einer großzügigen, modernen Gestaltung, hochwertigen, oft exklusiv für das Magazin erstellten Fotos und auch illustrativen Elementen, für die das Gestalterinnen-Team Swantje Hinrichsen und Patricia Jaeger verantwortlich zeichnet. Im Jubiläumsjahr wurde das Layout leicht aufgefrischt: Der neue Look ist noch magaziniger und auf maximale Lesefreude ausgerichtet. Inhaltlich hebt sich Jazz thing dabei immer mehr von klassischen Musikzeitschriften ab, die primär das aktuelle Veröffentlichungsgeschehen der Plattenlabels widerspiegeln – eine Rolle, die überdies in Echtzeit operierende Online-Medien besser erfüllen können als ein fünfmal jährlich erscheinendes Magazin mit entsprechend langem Vorlauf. Jazz thing investiert verstärkt in die Szene und in eigene Themen, um sie dort selbst „aufzubauen“, wo sie nicht wohlfeil von Plattenfirmen präsentiert werden. 

Neben Roundtable-Gesprächen zu aktuellen Themen, Länderporträts und vielseitigen Specials und Dossiers etwa zur neuen deutschen Pianoelite sind vor allem die großen Serien das beste Beispiel hierfür. Unter dem Titel „American Jazz Heroes“ präsentiert Jazz thing bekannte und weniger bekannte Legenden des US-Jazz. Der Autor und Fotograf Arne Reimer unternahm hierfür mehrere Reisen in die USA, wo er die Musiker zu Hause interviewen und porträtieren konnte – dabei ging es um vieles, aber nicht um aktuelle Veröffentlichungen. Auch zwei von Publikum und Kritik gleichermaßen vielgelobte Bücher sind hieraus entstanden.

Eine weitere Reihe, „European Jazz Legends“, widmete sich den europäischen Jazzlegenden, die Autor Götz Bühler und Fotograf Lutz Voigtländer in ganz Europa trafen. Gemeinsam mit WDR 3 und der Stadt Gütersloh brachte Jazz thing die Serie auch auf die Bühne und von dort aus in die CD-Regale: 15 Konzerte fanden statt, die vom WDR mitgeschnitten und gesendet sowie auf CD veröffentlicht wurden. Für Frühjahr 2019 ist zudem eine Buchveröffentlichung zum Thema geplant.

Mutterschiff und Beiboote

Mit „Jazz thing Next Generation“, „American Jazz Heroes“, „European Jazz Legends“, der Facebook-Fanpage, dem wöchentlichen Jazz thing Mail-Newsletter, einem YouTube-Kanal und einer Sendung auf ByteFM sind im Laufe der Jahre einige Beiboote zum „Mutterschiff“ hinzugekommen: Sie begleiten dieses, tragen Jazz thing in andere Kanäle, erreichen neue Zielgruppen und stärken die Marke damit. Das Ergebnis: Das Printmagazin hat über all die Jahre nie geschwächelt – weder konzeptionell noch kommerziell. Es ist nach wie vor der Haupt-Umsatzträger – und das Musikmagazin mit dem höchsten Anzeigenvolumen und einer konstant hohen Auflage von mindestens 26.000 Exemplaren. Eine Besonderheit: Das Anzeigengeschäft wird ausschließlich von der Musikbranche getragen, nicht von Versicherungskonzernen oder Softdrink-Herstellern. Das zeigt, wie stark Jazz thing in der Jazz-Community verankert ist – und auch, wie wichtig das Magazin für das Bestehen und Überleben dieser Nische ist, die zwar keine allzu große, aber eine dafür umso treuere Fangemeinde hat. 

Fest und Feier

Gefeiert werden 25 Jahre Jazz thing und die 125. Ausgabe am 30. September im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld mit einem Mini-Festival, dessen Line-up Chefredakteur Axel Stinshoff zusammengestellt hat. Das Programm spiegelt die Bandbreite des Magazins wider – ohne sie natürlich ganz abdecken zu können.

Headliner ist Randy Brecker, lebende Jazz&Fusion-Legende und gleichsam ein Protagonist der „American Jazz Heroes“-Reihe in Jazz thing. Er hat eigens für diesen Anlass eine Band aus erstklassigen Kölner Groove-Spezialisten wie Claus Fischer, Hendrick Smock und Bruno Müller zusammengestellt. Zweiter Headliner ist die Band Shake Stew, die nicht nur von Jazz thing als die europäische Entdeckung der letzten Jahre gefeiert wird. Über seine Band sagt ihr Leader Lukas Kranzelbinder im Jazz-thing-Interview: „Ich habe Leute gesucht und gefunden, die aufs Ganze gehen und ihren Charakter in die Musik mitnehmen. Diese Band lebt extrem. Sie kann Emotionen entfesseln, die stärker sind, als ich es bisher bei Konzerten erlebt habe.“ 

Der finnische Tenorsaxofonist Timo Lassy hat sich auf seinem letzten Album „Moves“ eine neue Freiheit erspielt, die er sicher auch live ausleben wird: „Das Alte bleibt, der Spaß an Swing und Groove, an der schönen Melodie und dem harmonischen Arrangement, doch lassen die Musiker eher los als früher“, schrieb Ralf Dombrowski in Jazz thing Nr. 123.
Die Opener Raphael Wressnig & The Soul Gift Band stehen für funkigen Hammond-Orgel-Soul-Jazz in der Tradition von Jimmy Smith, Jack McDuff, Jimmy McGriff und Groove Holmes, den sie mit einer guten Prise Blues zusätzlich erden.

„Eine der schönen Sachen am Jazz ist, dass er lebendig bleibt, indem man ihn an andere Leute weitergibt“, sagt der verdiente und stilversierte Bassist Stanley Clarke in der aktuellen, der 125. Ausgabe von Jazz thing. Und so dürften der Jazz und auch Jazz thing sich noch eines langen Lebens erfreuen.

Das Mutterschiff

Axel Stinshoff
Axel Stinshoff

Die deutsche Jazz-Zeitschrift Jazz thing erscheint seit November 1993 fünfmal jährlich (November/Dezember/Januar, Februar/März, April/Mai, Juni/Juli/August, September/Oktober) und wird in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden vertrieben. Mit einer Druckauflage von 26.000 bis 30.000 Exemplaren ist sie das auflagenstärkste Jazzperiodikum in Europa.

Herausgeber und Chefredakteur ist Axel Stinshoff, Köln. Zu den Redakteuren und freien Mitarbeitern gehören renommierte Autoren wie Christian Broecking, Götz Bühler, Ralf Dombrowski, Wolf Kampmann und Martin Laurentius und Fotografen wie Boris Breuer, Dominik Gigler, Anja Grabert, Arne Reimer und Lutz Voigtländer.

Die Beiboote

Jazz thing Next Generation

erste CD zu veröffentlichen. Musiker wie Sebastian Sternal, Frederik Köster, Benjamin Schäfer, Tim Allhoff, Cyminology, Charlotte Greve/Lisbeth Quartet, Max Frankl und Tobias Meinhart erhielten hierdurch den vielleicht entscheidenden Karriereschub. Etliche Protagonisten haben sich inzwischen fest in der internationalen Szene etabliert, konnten Folge-CDs auf angesehenen Jazz-Labels wie ECM, Traumton und Enja veröffentlichen und wurden mit Preisen wie dem ECHO Jazz ausgezeichnet. 

American Jazz Heroes

Aus der zunächst auf vier oder fünf Folgen angelegten Serie des Fotografen und Autoren Arne Reimer über Pioniere des US-Jazz wurden aufgrund der überwältigenden Leserresonanz eine vielteilige Serie und schließlich zwei großformatige und voluminöse Publikationen, die ersten Buchveröffentlichungen des Jazz thing Verlags. Nicht nur in Musikmagazinen, auch im Feuilleton von Publikationen wie der ZEIT, der WELT, der FAZ und der Neuen Zürcher Zeitung sowie in Sendungen bei WDR, hr, NDR und rbb wurden die Bücher enthusiastisch gefeiert. Der Leiter des Jazzinstituts Darmstadt, Dr. Wolfram Knauer, fasst zusammen: „‚American Jazz Heroes‘ wird von der Presse gelobt wie lange kein deutsches Jazzbuch mehr, und das völlig zu Recht. Ein Buch, das man erst dann gern verschenkt, wenn man es selbst besitzt.“

European Jazz Legends

In 22 Folgen porträtierten Autor Götz Bühler und Fotograf Lutz Voigtländer rund 70 europäische Wegbereiterinnen und Wegbereiter des Jazz. Gemeinsam mit WDR 3 und der Stadt Gütersloh veranstaltete Jazz thing im Theater Gütersloh 15 Konzerte mit Protagonisten der Serie. Sie wurden vom WDR mitgeschnitten und gesendet und vom Label Intuition auf CD veröffentlicht. Für Frühjahr 2019 ist eine Buchveröffentlichung mit ausgewählten Folgen der Serie in überarbeiteter und erweiterter Form geplant.

Online-Präsenz

Jazz thing Online-Präsenz
Jazz thing Online-Präsenz

Seit 1996 ist Jazz thing mit einer Website vertreten – damit gehört das Magazin zu den Web-Pionieren des deutschen Jazz-Journalismus. Das Angebot wurde analog zu den sich jeweils neu bietenden technischen Möglichkeiten seither kontinuierlich erweitert, etwa um einen Mail-Newsletter sowie Web-Radio- und TV-Kanäle. Auch auf Facebook ist Jazz thing vertreten und hat dort über 15.000 Follower.

Blue Rhythm

Zunächst als Supplement zum Heft vertrieben, ist Blue Rhythm heute integraler Teil von Jazz thing und erweitert das musikalische Spektrum um Weltmusikalisches von Blues und Roots bis zu modernen crosskulturellen Hybriden.

jazz-fun.de meint:
Gratulation! chapeau! … und weiter so

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