Der Hamburger Hafen als riesige Jazz-Bühne

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Der Hamburger Hafen als riesige Jazz-Bühne

15.000 Besucher feierten beim 2. ELBJAZZ Festival am 27. und 28. Mai

Hamburg, 29. Mai 2011 – Mit netten Sprüchen hat der amerikanische Bassist Charlie Haden nichts im Sinn. Der 73jährige hat Jazzgeschichte gemacht – und sich beim ELBJAZZ Festival ins Hamburger Publikum verliebt: „Die Welt wäre ein besserer Platz, wenn es nur Leute gäbe, die so offen sind wie ihr!“ Obwohl die Maschinenbauhalle von Blohm + Voss schier aus den Nähten platzte, hatten ihm die Konzertbesucher die Ehre andächtiger Konzentration erwiesen.

Nicht nur bei seinem Quartet West kam es vor, dass die Ordner vorübergehend niemand mehr in die neue Spielstätte einlassen konnten. Aber die nächste Bühne war nicht weit, der Weg dort hin mit dem Blick auf riesige Kräne und alte Hebebühnen ein Erlebnis für sich – und vorübergehende Überfüllung lässt sich auch bei bester Planung nicht vermeiden, wenn insgesamt mehr als 15.000 Besucher an spontan entscheiden, welche Musiker sie sich anhören wollen.

Trotz des leider wenig verführerischen Wetters haben 5000 Menschen mehr als bei der Festivalpremiere 2010 an den beiden Festivaltagen den Weg zu einem der zehn ungewöhnlichen Veranstaltungsorte von ELBJAZZ im Hafengebiet gefunden und dort die unterschiedlichsten Jazzstile von über 50 Bands erlebt.

Die Locations konzentrierten sich diesmal auf drei maritime Zentren: den südlichen Hansahafen, die HafenCity und das Werftgelände von Blohm + Voss. Wer den Schauplatz wechseln wollte, konnte sich von einer zahlreichen ELBJAZZ-Barkassen schippern lassen und erlebte so Fahrten durch die attraktivsten Bereiche des Hafens.

Über 280 internationale Künstler präsentierten Jazz in all seinen Facetten und ließen auch manche Regenschauer oder Windböen an den Open Air-Bühnen schnell vergessen. Gemeinsam mit einem begeisterten Publikum sorgten sie für perfekte Festivalstimmung, so dass sich ELBJAZZ in Sachen Vielfalt und Atmosphäre bereits mit seiner zweiten Auflage in die Riege der großen internationalen Jazz-Festivals einreihen kann.

Beim Eröffnungskonzert an den Marco-Polo-Terrassen verschaffte der portugiesische Pianist Mário Laginha zusammen mit der Sängerin Maria João nicht nur dem Publikum, sondern auch den jungen Musikern der Bigband der Hochschule für Musik und Theater ein unvergessliches Erlebnis. Das Helge Sunde Ensemble Denada aus Norwegen eröffnete ELBJAZZ parallel dazu auf der Hauptbühne bei Blohm + Voss: eine 14 Mann starke, bestens eingespielte Band, die mächtig grooven kann, aber auch subtilste Zwischentöne beherrscht. Im Anschluss machte Kurt Elling seinem Ruf als bester Jazzsänger unserer Zeit alle Ehre. Der Mann mit dem Knautschhut überzeugte vom tiefsten Bariton bis in höchste Höhen, mal clownesk, mal „seriously sophisticated“. Ein begeistertes Publikum feierte anschließend Klaus Doldingers Passport, während in der benachbarten Halle ein spektakuläres Projekt Premiere hatte: die multimediale Hafensinfonie der NDR Bigband – (wie) geschaffen für ELBJAZZ. Zu den Stars des zweiten Festivaltages zählte der Hamburger Pianist Vladyslav Sendecki, am frühen Nachmittag mit einem Solokonzert, später dann bei der zweiten Runde der Hafensinfonie und nach Mitternacht in der phantastischen Band des Trompeters Nils Wülker, die zur großen Abschluss-Session im STAGE Theater eingeladen hatte.

Highlight auf der gut besuchten neuen Bühne im Hafenmuseum: Phronesis, nicht nur wegen seiner raffinierten Rhythmik wohl das spannendste unter all den neuen Klaviertrios. Eine weitere Entdeckung, auf die ELBJAZZ stolz sein kann, war mit seinen diversen Auftritten als Gast und mit eigener Show Gregory Porter. Egal ob samtweiche Balladen oder mächtiger Soul-Groove: der schwarze Sänger erregte Staunen selbst bei Festivalgängern, die „schon alles gehört und gesehen haben“. Der freie Jazz war in freundlich verspielter Variante mit den elf Briten der Band „Fringe Magnetic“ vertreten – und als echte Herausforderung für ein dennoch fasziniertes Publikum mit den radikalen Klangexperimenten der Norweger Sidsel Endresen und Stian Westerhus, auf die mit Ian Shaw als Sänger am Klavier maximale Entspannung folgte: hochgradig witziges Entertainment, virtuose Blue Notes in allen Tonlagen.

Nach dem nicht nur rhythmisch aufregenden Gipfeltreffen des indischen Percussion-Virtuosen Tanmoy Bose und seinen Berliner Jazzstars im Taal Tantra Experience, begeisterte das Landgren-Doldinger-Quartett mit außergewöhnlichen Standards auf der Hauptbühne. Anschließend thronte und rockte auf dieser Bühne ein gut gelaunter Paolo Nutini über einem Meer von tanzenden Schirmen. Das bisschen Regen konnte die begeisterten Besucher nicht davon abhalten, den Blohm + Voss-Parkplatz zum Partyplatz zu machen. Nils Landgren, der das Groove-Level mit seiner hervorragenden Funk Unit im Anschluss noch eine Stufe hochsetzen konnte, meinte euphorisch: „Was für ein Festival! Fantastisch!“

Nach dem eleganten Emotionsfeuerwerk der Nicola Conte Jazz Combo, deren Leadsängerin Nailah Porter den Abend dem am Freitag verstorbenen Gil Scott-Herron widmete, setzte die Mojo Club Aftershow-Party in der alten Maschinenbauhalle dem zweiten ELBJAZZ Festival ein stimmungsvolles Ende. Bis tief in die Nacht wurde dort zu den Freestyle-Moderationen des einstigen Galliano-Frontmannes Earl Zinger und dem Dancefloor-Jazz von Nicola Conte, den Original Jazz Rockers oder Mo’ Horizons getanzt und gefeiert. „Es fühlt sich wie früher an“, meinte Mojo-Macher Oliver Korthals begeistert. „Nur dreimal so groß.“

Eine (fast) rundum positive Bilanz können Tina Heine und Nina Sauer ziehen, die beiden Initiatorinnen des ELBJAZZ Festivals: „Das Einzige, was nicht ganz mitgespielt hat, war das Wetter! Wir sind einfach überwältigt von der Begeisterung der ELBJAZZ-Besucher, die die jungen Talente genauso gefeiert haben wie großen Namen. Und natürlich freuen wir uns, dass die Besucherzahlen gegenüber der Premiere noch einmal um die Hälfte gestiegen sind. Wir können nur sagen: Wir machen weiter – und freuen uns jetzt schon auf das dritte ELBJAZZ Festival.“

Die Vorbereitungen dafür sind in vollem Gang; der Termin für 2012 steht bereits fest: ELBJAZZ findet auch im nächsten Jahr am letzten Maiwochenende statt. Wer sich schnell entscheidet, kommt in den Genuss der preisvergünstigten Early Bird-Karten für 39,90 Euro inkl. aller Gebühren für das gesamte Festival-Wochenende – erhältlich ab 01. Juni exklusiv unter www.elbjazz.de.

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