Erika Stucky erhält den Schweizer Grand Prix Musik 2020

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Erika Stucky
Erika Stucky

Das Schweizerische Bundesamt für Kultur gab Ende letzter Woche die Juryentscheidung bekannt: der mit 100.000 Franken dotierte Grand Prix Musik der Eidgenossenschaft geht dieses Jahr an Erika Stucky. Die Sängerin, Musikerin und Performerin „spielt im Musikgeschehen der Schweiz und weit darüber hinaus eine überragende Rolle“, so die Pressemitteilung des Bundes.

Weiter heißt es dort: „Seit den 1980er Jahren arbeitet [Stucky] unermüdlich an ihrem eigenen Klanguniversum, häufig zusammen mit bedeutenden Jazzmusikerinnen und -musikern. Ihre transatlantischen Prägungen verbindet die Schweiz-Amerikanerin zu einer vokalen Aktionskunst zwischen Jodel und Blues, mit der sie seit mehr als 35 Jahren immer wieder aufs Neue überrascht.“

Die Preisverleihung wird am 17. September 2020 im Rahmen des Festivals Label Suisse in der Opéra de Lausanne stattfinden.
Die Gewinner des Schweizer Musikpreises werden in einem zweistufigen Auswahlverfahren von zwei unterschiedlichen Jurys ermittelt. Ziel ist, „das herausragende und innovative Schweizer Musikschaffen“ auszuzeichnen. Neben dem Grand Prix werden 14 weitere Preise vergeben.

Im Züricher Tagesanzeiger lobt Ane Hebeisen die Entscheidung als „folgerichtig“ und beschreibt den querdenkenden Charakter der Preisträgerin: „Erika Stucky gefällt es, Grenzen nicht bloß zu überschreiten, sondern gleich noch sämtliche Schlagbäume einzureißen. Vieles, was diese Frau in ihrer bisherigen Karriere tat, war von bezaubernder Wunderlichkeit, durchaus ein bisschen irrsinnig, durchaus ziemlich draufgängerisch. […] Ihre Nische hat sich Erika Stucky aus den Trümmern der Pop-, Blues-, Jazz- und Volkskultur zusammengebosselt. Und sie hat sie mit dem Humor und der Fantasie einer Frau ausstaffiert, der es schnell zu eng und zu langweilig wird, wo […] Routinen aufkommen oder geistiger Stillstand herrscht.“

1962 in San Francisco (USA) geboren, verbrachte Erika Stucky ihre ersten neun Lebensjahre in der Atmosphäre des Aufbruchs und des „everything goes“ der Hippie-Ära. Dann zog die Familie zurück in die Schweiz, wo sich Stucky nach und nach zum – international unvergleichlichen – künstlerischen Original entwickelte. In wechselnden Formationen verblüfft die exaltierte Sängerin, Komponistin, Bandleaderin und konzeptionell denkende Multimedia-Künstlerin immer wieder mit ungewöhnlichen Besetzungen. Etwa den beiden Posaunisten Art Baron & Ray Anderson bei Mrs. Bubble & Bones oder zwei Posaunen/Alphörnern plus Schlagzeug bei Stucky & Roots Of Communication. Auf ihre unnachahmliche, Leidenschaft und ausgefuchst-ironische Brechungen vereinende Art interpretierte sie Jimi Hendrix an der Seite von Christy Doran und Fredy Studer, arbeitete mit den Industrial-Vordenkern The Young Gods (Suicidal Yodels), mit Carla Bley (2006 bei der Essener Inszenierung von Escalator Over The Hill) und in der internationalen Tom Waits-Hommage Raindogs Revisited. Zu Sybille Bergs Theaterstück Helges Leben schrieb Stucky Musik und stand als Frau Gott auf der Bühne des Schauspielhaus Bochum, 2019 verkörperte sie die Stimme der Hexen in Didon & Enee Remembered (nach Henry Purcell, Inszenierung David Marton) an der Opéra de Lyon und bei der Ruhrtriennale.

Seit Bubbles & Bones 2001 (u.a. mit Dino Saluzzi) erscheinen alle Alben von Erika Stucky bei Traumton Records. Ihr bislang letztes, Papito, verblüffte durch besonders verwegene Kombinationen. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin spielte es mit FM Einheit (Ex-Einstürzende Neubauten), dem Countertenor Andreas Scholl, Mitgliedern des La Cetra Barockorchester Basel und weiteren Musikern ein.

Wir gratulieren herzlichst und freuen uns sehr für und mit Erika Stucky!

Aktuelles Album:

Erika Stucky - Papito

Erika Stucky - Papito

Text: Traumton Records

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