Hundert Jahre John Coltrane: Die JazzHall Hamburg feiert eine Musik, die bis heute brennt

Zum Auftakt des Coltrane-Jubiläumsjahres setzt die JazzHall Hamburg auf Inspiration statt Reproduktion – mit Film, Konzert und lebendiger Auseinandersetzung mit einem der radikalsten Erneuerer des Jaz

Nathan Ott Quartett
Nathan Ott Quartett , Foto: Norbert Guthier

Hundert Jahre nach seiner Geburt ist John Coltrane präsenter denn je. Seine Musik klingt nicht nach Vergangenheit, sondern nach einem offenen Versprechen. Genau an diesem Punkt setzt die JazzHall Hamburg an: Statt klassischer Tribute-Rituale eröffnet sie das Coltrane-Jubiläumsjahr mit einem Programm, das weniger rückwärts blickt als vielmehr fragt, was von dieser Musik heute noch ausgeht – und wohin sie führen kann.

Coltrane war kein Musiker der Wiederholung. Seine Kunst war eine fortwährende Suche, spirituell aufgeladen, kompromisslos offen und von dem Glauben getragen, dass es immer neue Klänge, neue Gefühle und neue Wahrheiten zu entdecken gibt. Dass sein Einfluss weit über den Jazz hinausreicht, ist längst offenkundig: Von Rock und Hip-Hop bis in experimentelle und elektronische Kontexte hinein wirkt seine Musik als Denkmodell weiter.

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres wird die JazzHall deshalb selbst zum Ort des Nachdenkens und Zuhörens. Am 31. Januar 2026 steht mit der Dokumentation Chasing Trane ein Filmabend auf dem Programm, der Coltranes Lebensweg nachzeichnet – ergänzt durch eine musikalische Einführung aus heutiger Perspektive. In Kooperation mit Flexibles Flimmern verwandelt sich der Konzertsaal an der Außenalster für einen Abend in ein Kino, in dem Originalaufnahmen, Zeitzeugnisse und künstlerische Reflexionen zusammenfinden.

Wenige Tage später folgt der musikalische Kern dieses Auftakts: Am 13. Februar präsentiert der Schlagzeuger Nathan Ott mit seinem Quartett einen eigenen Zugang zu Coltranes Denken. Nicht als Hommage im klassischen Sinn, sondern als zeitgenössische Fortsetzung einer Idee. Gemeinsam mit Christof Lauer, Camila Nebbia und Jonas Westergaard entsteht Musik, die Coltrane nicht zitiert, sondern seine Haltung ernst nimmt: Offenheit, Risiko und der Mut zur Veränderung.

„Inspiration ohne Reproduktion“ – dieses Motto beschreibt nicht nur den Abend, sondern auch das Selbstverständnis der JazzHall. Wie ihr künstlerischer Leiter Tilman Oberbeck betont, wird das Coltrane-Jahr immer wieder überraschende Momente und spontane Bezüge im laufenden Programm hervorbringen. Coltrane taucht nicht als Denkmal auf, sondern als lebendige Präsenz, die den Konzertalltag durchzieht.

So wird deutlich: Hundert Jahre John Coltrane sind kein nostalgischer Anlass, sondern ein Prüfstein für die Gegenwart. Seine Musik lebt dort weiter, wo sie nicht kopiert, sondern weitergedacht wird – auf der Bühne, im Dialog und im offenen Ohr der Zuhörenden.

Termine – Überblick

Samstag, 31.01.2026
Chasing Trane – Filmvorführung mit musikalischer Einführung
Beginn: 19:30 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)

Freitag, 13.02.2026
A Tribute to John Coltrane – Nathan Ott Quartett (Konzert)
Beginn: 19:30 Uhr (Einlass 18:30 Uhr)

Christof Lauer - Tenor- & Sopransaxofon
Camila Nebbia - Tenorsaxofon
Jonas Westergaard - Bass
Nathan Ott - Drums

Ort: JazzHall Hamburg, Harvestehuder Weg 12, 20148 Hamburg

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