jazzahead! Showcases 2026: Jazz als Gegenwart – global, offen, elektrisierend

„Jazz music is the power of now“ – kaum ein Zitat bringt das Selbstverständnis der jazzahead! so präzise auf den Punkt wie dieser Satz von Wynton Marsalis. Genau diese Haltung prägt auch die Showcase-Konzerte vom 23. bis 25. April 2026 in Bremen. Drei Tage lang wird die Stadt erneut zum Schaufenster der internationalen Jazzszene – mit 38 Acts aus mehr als 20 Ländern, ausgewählt von internationalen Jurys unter der künstlerischen Leitung von Götz Bühler.

Die Showcases zeigen Jazz als offenes System: stilistisch neugierig, geografisch weit gespannt und generationenübergreifend. Latin, Hip-Hop, Metal, Folk, Funk, Electronica, Singer-Songwriter-Jazz und experimentelle Ansätze gehören hier selbstverständlich zum musikalischen Alltag. Bremen wird damit einmal mehr zum Ort, an dem sich die Gegenwart – und Zukunft – des Jazz verdichtet.

Eröffnung mit Melodie und Feingefühl

Joel Lyssarides Trio
Joel Lyssarides Trio, Foto: Nicolas Stankovic

Eröffnet wird das Showcase-Festival am Donnerstag, 23. April, um 14 Uhr mit dem Trio des schwedischen Pianisten Joel Lyssarides. Der Streaming-Erfolg aus Stockholm steht für melodisch geprägten Jazz mit feinem Gespür für Interaktion. In Bremen stellt er sein neues Album vor, das pünktlich zur jazzahead! erscheint – ein Auftakt voller Leichtigkeit und klanglicher Eleganz.

Zu den prägenden Stimmen des Abends zählt die in New York lebende Bassistin und Sängerin Tonina. Ihr Gesang wurde bereits mit Billie Holiday verglichen, ihr musikalischer Horizont reicht von Jazz über Soul bis zu lateinamerikanischen Einflüssen. Tonina singt auf Spanisch, Englisch und Italienisch – und verbindet Virtuosität mit großer emotionaler Präsenz.

Das Finale des Donnerstags gehört Szabolcs Bognár, der unter dem Projektnamen Àbáse modalen Jazz, Elektronik sowie globale Rhythmen zusammenführt. Als Produzent und Keyboarder ist er nicht nur in der Jazzszene, sondern auch bei DJs wie Gilles Peterson hoch geschätzt. Sein Set verspricht ein rauschendes, tanzbares Ende des ersten Showcase-Tages.

Trompeten, Hoffnung und offene Formen

Der Freitag steht – nur wenige Wochen vor dem 100. Geburtstag von Miles Davis – ganz im Zeichen der Trompete. Der Wahlberliner Richard Koch präsentiert sein Projekt Rays of Light: In der ungewöhnlichen Besetzung mit Violine, Akkordeon, Bass und Rahmentrommel entstehen fragile, lichtdurchflutete Songs – bewusst als musikalisches Gegenmittel zur politischen und gesellschaftlichen Düsternis unserer Zeit.

Ebenfalls genreoffen arbeitet die britische Trompeterin Laura Jurd. Ihr Quintett, angesiedelt zwischen Jazz und British Folk, verzichtet auf stilistische Schubladen und überzeugt durch klangliche Freiheit, komplexe Strukturen und große Spielfreude.

Jazz from Africa & globale Perspektiven

Der Schwerpunkt „Jazz from Africa“ setzt sich auch 2026 fort: Von Donnerstag bis Samstag ist täglich ein Act vom afrikanischen Kontinent zu erleben. Zu den Höhepunkten zählt das Sydney Mavundla Quartet. Über den südafrikanischen Trompeter heißt es, sein Spiel reiße einem förmlich das Herz heraus – emotional, kraftvoll und tief verwurzelt in der Geschichte des südafrikanischen Jazz.

Doch nicht nur Bläser stehen im Mittelpunkt. Der brasilianische Bassist und Sänger Michael Pipoquinha erforscht mit seinem Quartett seine musikalische Identität in einem Stil, den er selbst „Afro-Groove“ nennt – rhythmisch, pulsierend und voller nächtlicher Energie.

Samstag: Grenzgänge, Energie und Partnerland Schweden

Der Samstag beginnt mit einem Set der italienischen Geigerin Anaïs Drago, Rising Star des DownBeat Magazine 2023. Mit akustischer und elektrischer Geige sowie Effektgeräten bewegt sie sich zwischen Pop, Jazz und Neuer Musik – experimentell, virtuos und kompromisslos.

Das Trio der israelischen Pianistin und Keyboarderin Sharon Mansur verbindet Jazz mit Rock-Energie und nahöstlichen Klangfarben. Seit ihrem Debüt beim Label ACT steht Mansur für provokante, intensive Live-Konzerte, die Publikum wie Musiker gleichermaßen fordern.

Das Partnerland Schweden prägt Eröffnung und Abschluss des Festivals. Posaunist Kristian Persson ist bereits beim Grand Opening mit der Norrbotten Big Band zu hören. Sein Sextett Nine Sparks Riots schließt das Showcase-Festival im Schlachthof ab – mit Funk, Neo-Soul und einer Energie, die an Snarky Puppy erinnert und pure Euphorie verspricht.

Zuvor zeigt die Saxophonistin Lina Langendorf mit Langendorf United, wie „funkified, psychedelic Ethio-Jazz Fusion“ heute klingen kann. Am Nachmittag lädt das Britta Virves Trio zu melodischem Jazz ein, inspiriert von Naturmeditationen – ruhig, offen und tief atmend.

Die jazzahead!-Showcases 2026 machen deutlich: Jazz ist Gegenwart. Vielstimmig, global, politisch, spirituell – und vor allem lebendig.

Showcasing Artists - jazzahead! 2026

Swedish Showcases
Agnas Bros. (SE)
Bitoi (SE)
Britta Virves Trio (SE)
Daniel Karlsson Trio (SE)
Hederosgruppen (SE)
Joel Lyssarides Trio (SE)
Langendorf United (SE)
Nine Sparks Riots (SE)

German Jazz Expo
Àbáse (DE)
Bonsai (DE)
CRUTCHES (DE)
Kristina Brodersen – KRISTINA 4 (DE)
E:CALAMARI (DE)
Richard Koch - Rays of Light (DE)
Sara Decker – Expand (DE)
Sorvina (DE)

Overseas & Jazz from Africa Showcases
Jeremy Ledbetter Trio (CA)
Kossi Mawun (TG)
Malika Zarra (US/FR)
Michael Pipoquinha (BR)
SAHAD (SN)
Sharon Mansur Trio (IL)
Sydney Mavundla Quartet (ZA)
Tonina (US/UK/IT)

European Showcases
Aksel Rønning Trio (NO)
Anaïs Drago - Relevé (IT)
Jasmine Myra (UK)
Jure Pukl - Analog AI (SI/US/FR/DE)
KNOBIL (CH)
L'Antidote (FR/IT/AU)
Laura Jurd (UK)
Marco Centasso Um/Welt (IT/FR/TU)
N∆BOU (BE) Nana Rashid (DK)
Peter Somuah Group (NL)
Sol Jang Trio (NL)
Wajdi Riahi Trio (BE)
yvonne moriel :: sweetlife (AT)

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