Ein Hexenmeister – akustisch wie elektronisch - Persönliches zum Tode von Wolfgang Dauner

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Wolfgang Dauner
Wolfgang Dauner, Foto © Heinrich Klaffs

Es war Anfang der 70-ziger Jahre, ein Open Air Festival am Deutschen Eck in Koblenz. Die Band hieß Et Cetera. Der Mann an den Tasten war nicht zu übersehen, nicht zu überhören. Die Musik und seine Persönlichkeit überzeugten mich als jungen Mann ungemein. Er war einer der ersten Musiker, der mich mit der Faszination des Jazz bekanntmachte, mich spielerisch verführte.

Es war die Zeit des noch jungen Jazz-Rocks. Für Rock-Ohren hießen die wichtigsten Musiker John McLaughlin und Volker Kriegel, beides Gitarristen. Wolfgang Dauner war der erste Pianist, der es schaffte, Jugendliche und ältere Personen über die Brücke vom Rock zum Jazz zu führen. Und das mit dem ganzen Arsenal seiner Keyboards und des Synthesizers. Analog die Tasten des akustischen Pianos schlagend, elektronisch die Möglichkeiten des E-Pianos und des Synthesizers voll ausschöpfend, umspannte seine Musik den Bogen vom Rock bis zum Freien Jazz und fast allem, was sich dazwischen bewegt. Ein Hexenmeister!

Er war einer der führenden Köpfe beim United Jazz & Rock Ensemble. Bis auf den Drummer Jon Hisemann, der vom Rock kam, waren die anderen Bandmitglieder so was wie eine Jazz All Star Band. Diese Musik fand viele Freunde, ich selbst konnte mehrere Konzerte besuchen. Beindruckt haben mich alle. So konnte ich auch einem denkwürdigen letzten Konzert des Ensembles in der echt kultigen Berliner Arena beiwohnen. Volker Kriegel war schon nicht mehr dabei, die Saxofonisten Barbra Thompson gesundheitlich schwer gezeichnet. Es war auch ein Abschied von Wolfgang Dauer, den ich live dann nicht mehr erleben konnte.

Es bleiben sein vielfältigen Platten. Sie zeigen die große Bandbreite seiner Musik. Es gibt Piano-Solo-Aufnahmen, die in Bezug auf kreative Musikalität sich mit Keith Jarrett messen können. Es gibt hochinteressante Records mit den Großen des deutschen Jazz und darüber hinaus: Charlie Mariano, Dino Saluzzi, Hans Koller, Zbigniew Seifert und viele mehr. Oder das elektronische Heim-Spektakel mit dem programmatischen Titel „ Dauner zu House“. Bei einer seiner letzten Aufnahmen ist er mit seinem Sohn Florian am Schlagzeug zu hören.

Eine Aufnahme von 2007 lautet „Hut ab!“ Die CD ist so was wie ein Vermächtnis zwischen den Senioren Albert Mangelsdorff und Wolfgang Dauer über den „mittelalten“ Christoph Lauer zu den Jungen Dieter Ilg und Wolfgang Haffner. Ja, genau das: Hut ab!

Wolfgang Dauer starb am 10. Januar im Alter von 84 Jahren in Stuttgart.

Text: Cosmo Scharmer

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