„Love Longing Loss“: Zu Hause mit Charles Lloyd während des Lockdowns

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Love Longing Loss: Window Profile | Foto © Dorothy Darr

Exklusive Filmpremiere am 11. Mai auf der Website des Pierre Boulez Saals

Am 11. Mai feierte eine neue, vom Pierre Boulez Saal in Auftrag gegebene Filmdokumentation über den legendären Jazz-Saxophonisten Charles Lloyd ihre Online-Premiere. „Love Longing Loss“ entstand nach der coronabedingten Absage zweier Konzerte Lloyds im Berliner Kammermusiksaal. Seine Ehefrau, die Malerin und Videokünstlerin Dorothy Darr, filmte Lloyd während der gemeinsamen Isolation über mehrere Monate in ihrem gemeinsamen Haus in Santa Barbara, Kalifornien. Umgesetzt wurde das intime Porträt mit einem Smartphone, einer Lumix-Kamera und einem mobilen Aufnahmegerät. Der Film wurde mit Mitteln des Sofortprogramms NEUSTART KULTUR der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien realisiert. Er ist vom 11. Mai bis zum 11. Juni per Streaming exklusiv über die Website des Pierre Boulez Saals verfügbar.

In „Love Longing Loss“ teilt Lloyd neben musikalischen Kindheitserinnerungen auch Reflexionen über den Kampf seiner indigenen und schwarzen Vorfahren für Freiheit, Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit. Diese Einblicke sind mit musikalischen Passagen verwoben, in denen Lloyd Neukompositionen und Klassiker auf dem Saxophon, dem Klavier, der Flöte und dem Tárogató interpretiert. Charles Lloyd beschreibt seinen persönlichen Weg als „Davonschwimmen mit meinen Geschichten und meinen Vorfahren“. Der Film ist eine Einladung an alle Zuschauenden, sich mit der eigenen Biografie auseinanderzusetzten. Zugleich ist er eine künstlerische Reaktion auf die Herausforderungen der letzten Monate – eine Meditation über Einsamkeit und Widerstandskraft.

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Love Longing Loss: Reading | Foto © Dorothy Darr

Der Saxophonvirtuose Charles Lloyd ist seit Jahrzehnten eine der prägenden Figuren des Jazz und bewegt sich mühelos zwischen unterschiedlichen Genres. In seiner Heimatstadt Memphis kam er früh mit der reichen musikalischen Tradition der Südstaaten in Berührung und stand bereits als Teenager mit George Coleman, Howlin‘ Wolf und B. B. King auf der Bühne. Nach einem Engagement im Sextett von Cannonball Adderley gründete Charles Lloyd 1965 gemeinsam mit Keith Jarrett, Jack DeJohnette und Cecil McBee sein eigenes Quartett, mit dem er in den folgenden Jahren zahlreiche Alben veröffentlichte und auf der ganzen Welt auftrat. Im Lauf seiner Karriere kooperierte er mit Musikerinnen und Musikern wie Bill Frisell, The Beach Boys, Maria Farantouri, Willie Nelson, Norah Jones, Michel Petrucciani und Bobby McFerrin. Charles Lloyd wurde mit zahlreichen prestigeträchtigen Preisen wie dem NEA Jazz Masters Award ausgezeichnet. Er ist Ehrendoktor des Berklee College of Music und wurde 2019 zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt. Nach einem erfolgreichen Konzert im November 2019 im Pierre Boulez Saal sollte er im Dezember 2020 für zwei Konzerte zurückkehren, die der Covid-19-Pandemie zum Opfer fielen.

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