MICHEL PETRUCCIANI "LEBEN GEGEN DIE ZEIT"

(Kommentare: 0)

MICHEL PETRUCCIANI "LEBEN GEGEN DIE ZEIT"

MICHEL PETRUCCIANI "LEBEN GEGEN DIE ZEIT"
Ein Film von MICHAEL RADFORD
Kinostart: 8. Dezember 2011
Weltpremiere: Internationale Filmfestspiele Cannes, 14.05.2011
Frankreich / Italien / Deutschland 2011
103 Minuten

Sein Leben würde kurz sein und das wusste er, also hat er es mit doppelter Energie gelebt: Michel Petrucciani. Seine Musik war zeitlose Magie, sie schien direkt aus seiner Seele zu kommen. Alle, die das Glück hatten, ihm zu begegnen, schwärmen heute noch von seinem unersättlichen Hunger nach Leben.

Er war ein Mensch voller Überraschungen, nicht nur aufgrund seiner körperlichen Erscheinung, sondern vor allem durch sein herausragendes musikalisches Talent. Er besaß die Fähigkeit, mit leichter Hand am Flügel durch die Jazzgeschichte zu springen und sein Publikum zu begeistern. Er schaffte es, mehr Schallplatten zu verkaufen, als viele seiner Idole und spielte in den großen Konzertsälen der Welt. Geboren mit der Glasknochenkrankheit, nicht einmal ein Meter groß, wurde er ein international bekannter Jazz-Künstler. Sein erstes offizielles Konzert gab er mit 13 Jahren, danach spielte er mit vielen der weltbesten Jazzmusiker.

„Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit“ erzählt anhand von Interviews mit den Menschen, die ihn durch sein Leben begleitet haben – wie seine Familie, Charles Lloyd, Aldo Romano und Roger Willemsen -  die ungewöhnliche Geschichte eines Mannes, der von einem unstillbaren Hunger nach Leben getrieben war und alles ausprobierte was es zu bieten hat: Frauen, Reisen, Drogen und seine Kunst.

IN MEMORIAM MICHEL PETRUCCIANI
Michel Petrucciani war einen Meter hoch, mit Glasknochen zur Welt gekommen, nie schmerzfrei, immer der Letzte, der ins Bett ging, von überbordender Vitalität und imstande, der Musik alles zu geben, was ihm das Leben gab. Er produzierte es dauernd aus sich heraus, ließ das Publikum in diesen Entstehungsprozess ein, und machte aus der Zuhörerschaft eine Geisel seiner Präsenz. Er lachte, weil ihm etwas gelungen war, und wenn der Applaus zu lange anhielt - und das tat er immer - wies er verschmitzt, aber auch verlegen auf das Instrument, in dem die Töne wohnten. Dann klappte er den Deckel zu und flüsterte: „it bites“.
Als wir in New York über die Straße gingen, unterbrachen die Kinder ihr Basketballspiel, um Michel zu begrüßen. Als wir ins „Village Vanguard“ traten, setzten die Musiker ihre Instrumente ab und sagten: „Ladies and Gentlemen, ein Großer ist unter uns.“ Nachts im Hotel rief mich Michel mit Sixpack in sein Zimmer, er lehnte nackt an der Couch und monologisierte über den Zusammenhang zwischen dem Klavierspiel und dem Liebesakt. Seine Vitalität war einschüchternd, wenn er lachte, platzte ihm fast der Kopf, er war ein Berserker und zugleich - auch in Dingen der Freundschaft - der zarteste Impressionist.“
Michels Werk ist von Anfang an voll von juveniler Überschwänglichkeit und dann ebenso voll von der zergrübelten Tiefe eines Spätwerks, das er, dem kalendarischen Alter nach, nie erreichte. Als er starb, zog die Trauer rund um die Welt. Auch das Klavier hatte einen Freund verloren.
Roger Willemsen

Zurück