Jazzfestival Saalfelden 2024
Jazz Saalfelden 2024
Freunde der alpenländischen Blasmusik lieben die Stadt Saalfelden, weil hier zwei Blasmusikkapellen um die Wette spielen. Im österreichischen Bundesland Salzburg gilt die 1872 gegründete Bürgermusik Saalfelden als eine der besten Blasmusikkapellen, ihr Mitglied Christoph Blatzer war sogar schon Weltmeister auf der Mundharmonika. Die Konkurrenz, die heute als Stadtkapelle firmiert, wurde vor über 100 Jahren ebenfalls als Eisenbahnerblasmusik gegründet und rekrutierte ihre Mitspieler aus dem Arbeitermilieu. Aber empfiehlt sich die Stadt damit auch für ein Jazzfestival?
Sportbegeisterte erinnern sich, dass Saalfelden 1988 und 1999 Austragungsort der Nordischen Juniorenweltmeisterschaften war. Bei diesen Gelegenheiten konnten die Stadt und ihre Umgebung endgültig beweisen, dass Hotellerie und Gastronomie für Jazzfestivals und ähnliche Großveranstaltungen bestens gerüstet sind.
Historiker kennen Saalfelden seit dem späten Mittelalter als einen der wichtigsten Marktplätze für den Handel mit Produkten aus dem Alpenraum und dem Rest der damals bekannten Welt. Damit empfiehlt sich die Stadt als idealer Treffpunkt für die globale Szene des experimentierfreudigen Jazz.
Das 44. Jazzfestival Saalfelden startete am Donnerstag, 22. August, mit dem schon traditionellen "We Hike Jazz" von Lukas Kranzelbinder. Gemeinsam mit 40 anderen Jazz- und Naturbegeisterten wanderte ich mit ihm zur Lindlalm auf 1.500 Meter Seehöhe. Da er seinen Kontrabass auf den Schultern trug, legten wir immer wieder einen musikalischen Zwischenstopp ein - so wurde schon diese Wanderung zu einem Erlebnis für alle Sinne. Oben angekommen erwartete uns vor malerischer Kulisse ein Abschlusskonzert mit Leila Martial, Mats Gustafsson und Théo Ceccaldi - ein Ereignis, das alle, die dabei waren, so schnell nicht vergessen werden.
Unten in Saalfelden machte zur gleichen Zeit das Berliner Septett "Make A Move" auf der Festivalwiese seinem Bandnamen alle Ehre und brachte das anwesende Publikum zum Toben. Einige Zuhörer berichteten mir hinterher, dass es bei der mitreißenden Performance der sieben Musiker niemanden lange auf den Sitzen hielt. Es war unglaublich, wie viele Menschen zu dieser kostenlosen Veranstaltung gekommen waren - ein Beweis dafür, wie sehr das Festival mittlerweile die Saalfeldner und ihre Gäste begeistert.
Ein weiteres Highlight war für mich das "Totally Mechanized MIDI Orchestra" von Chris Janka im Nexus - einem Kulturzentrum, wie man es in dieser alpinen Bergregion kaum erwarten würde. Chris Jankas mechanisch-menschliches Klangabenteuer, das sogar Klänge aus Saalfelden einbezog, nutzte die Bühne des Nexus für immer wieder überraschende musikalische Experimente. Beeindruckt haben mich in diesem Umfeld auch "Bonbon Flamme" und "otherMother", deren Auftritte die Grenzen der Musik völlig neu definierten.
Die Otto-Gruberhalle bot mit ihrem industriellen Ambiente die ideale Bühne für das Regenorchester XVII, das unter der Leitung von Franz Hautzinger mit seinen mystischen Klanginszenierungen die Halle in eine klangliche Experimentierstube verwandelte - ein schaurig-schönes Erlebnis!
Ein magischer Festival-Freitagmorgen sollte folgen. Ich machte mich auf den Weg zur Einsiedelei, wo die Blechbläser Eberle & Eberl die aufgehende Sonne mit einem musikalischen Willkommensgruß überraschten. So muss New Jazz im Einklang mit der Natur klingen. Ein anschließendes Geburtstagsständchen für den Einsiedler Alois Penninger war die perfekte Zugabe zu diesem Open-Air-Kammerkonzert. Was kommt nach diesem Tagesbeginn?
Zurück in der Stadt faszinierte mich Laila Martial mit ihrer Suche nach einer "imaginären Folklore". Danach erlebten wir eine musikalische Begegnung zwischen Théo Ceccaldi und Tomeka Reid. Der Tag war voller Höhepunkte: von der experimentellen Noise-Offensive bis zu Botticelli Baby, deren Mischung aus Jazz, Blues, Balkan und Punk unsere Herzen erwärmte.
Am Abend eröffnete Mona Matbou Riahi mit ihrem Projekt "Nebulift" die Mainstage im Congress Saalfelden. Die magische Mischung aus Komposition und Improvisation raubte uns den Atem. Tief berührt hat mich auch Kris Davis, die mit ihrem Trio musikalische Traditionen mit der Moderne verband. Danach beeindruckte Sofia Jernberg mit ihrer Band "The End", die einen Cocktail aus Grindcore, Jazz und Hardcore-Folk mixte.
Fazit: Nicht nur die Hauptattraktionen des Jazzfestivals 2024 in Saalfelden haben mich tief beeindruckt. Festival-Veranstalter Marco Pointner begründet seine Vorfreude auf 2025 mit nackten Zahlen: “Das Jazzfestival Saalfelden ist nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region. Die Wertschöpfung des Festivals kann mit rund 2,18 Millionen Euro beziffert werden - das unterstreicht die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. Gleichzeitig gratuliere ich Mario Steidl schon jetzt zu seinem 20-jährigen Jubiläum als Intendant der Festspiele.
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Jürgen Meyer, Foto: Jacek Brun -
Eberle Eberl, Foto: Jacek Brun -
Mona Matbou Riahi, Foto: Jacek Brun -
The Totally Mechanized MIDI Orchestra, Foto: Jacek Brun -
Chris Janka, Foto: Jacek Brun -
Jörg Buttler, Foto: Jacek Brun -
Marlon Bösherz, Foto: Jacek Brun -
Jazzfestival Saalfelden, Foto: Jacek Brun -
Amirtha Kidambi, Foto: Jacek Brun -
Lester St. Louis, Foto: Jacek Brun -
Amirtha Kidambi’s Elder Ones, Foto: Jacek Brun -
Blueblut, Foto: Jacek Brun -
Keisuke Matsuno, Foto: Jacek Brun -
Erik Friedlander’s "The Throw", Foto: Jacek Brun -
Kris Davis, Foto: Jacek Brun -
Johnathan Blake, Foto: Jacek Brun -
Robert Hurst, Foto: Jacek Brun -
La Litanie des Cimes, Foto: Jacek Brun -
Mary Halvorson invites Tomas Fujiwara, Foto: Jacek Brun -
Mary Halvorson, Foto: Jacek Brun -
Melting Pot, Foto: Jacek Brun -
Julia Stein, Foto: Jacek Brun -
Milla / Gustafsson / dieb13, Foto: Jacek Brun -
Mats Gustafsson, Foto: Jacek Brun -
Oli Steidle & The Killing Popes, Foto: Jacek Brun -
Post Koma feat. Sofia Jernberg, Foto: Jacek Brun -
Sylvie Courvoisier, Foto: Jacek Brun -
Drew Gress, Foto: Jacek Brun -
Haptic Harmonies, Foto: Jacek Brun -
Daniel Erdmanns “Thérapie de couple”, Foto: Jacek Brun -
Theo Ceccaldi, Foto: Jacek Brun -
Robert Lucaciu, Foto: Jacek Brun -
Daniel Erdmann, Foto: Jacek Brun -
Tijn Wybenga, Foto: Jacek Brun -
Brainteaser Orchestra, Foto: Jacek Brun -
Synesthetic Octet, Foto: Jacek Brun
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