Ein moderner Konzertsaal am Alsterufer verbindet Hochschule, Szene und Stadt – ein Blick auf Hamburgs neue Spielstätte für Jazz, Crossover und Bildung.
Ein Bericht für jazz-fun.de von Jacek Brun
Mit der Eröffnung der JazzHall im Sommer 2021 wurde in Hamburg nicht nur ein weiterer Konzertsaal eingeweiht, sondern ein Ort, der die Idee von Jazz, Ausbildung, Stadt und Architektur neu verbindet. Direkt am Außenalster-Ufer gelegen, im grünen Areal des Budge-Palais der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT), erhebt sich die JazzHall als moderner Baukörper, der zugleich Einladung und Resonanzraum ist. Hier trifft Studierendenunterricht auf öffentliche Konzerte, Hochschule auf Stadt, Jazz auf Crossover – eine spannende Neupositionierung im Hamburger Musikleben.
Die JazzHall liegt inmitten der Alsterwiesen im Stadtteil Rotherbaum. Der Baukörper ragt aus dem Gartenbereich des historischen Budge-Palais heraus und öffnet sich über eine Glasfassade in Richtung Außenalster. In den wärmeren Monaten kann die Fassade geöffnet und die Bühne durch ein amphitheaterartiges Sitzstufenareal nach draußen erweitert werden. Damit entsteht ein stimmungsvolles Open-Air-Erlebnis mit Blick ins Grüne – ein Raum, der nicht nur innen klingt, sondern auch nach außen wirkt.
Mit rund 200 Sitzplätzen bietet die JazzHall eine intime, aber technisch moderne Plattform für Konzerte, Vorträge und interdisziplinäre Veranstaltungen. Die Architektur setzt auf Transparenz, Offenheit und Verbindung: zwischen Innen und Außen, zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Hochschule und Stadtöffentlichkeit.
Die JazzHall ist mehr als nur ein Konzertsaal. Sie ist der erste Baustein eines umfassenden Programms zur Stärkung der Jazzausbildung in Hamburg. Mit dem sogenannten „JazzLabor“ entstand neben der JazzHall ein ergänzender Gebäudekomplex mit Seminar- und Übungsräumen. Dort können Studierende des Jazzbereichs unter professionellen Bedingungen proben, forschen und gestalten.
Initiatorin und wichtigste Förderin dieses ambitionierten Projekts ist die Dr. E. A. Langner-Stiftung. Ihr langjähriges Engagement hat maßgeblich dazu beigetragen, die JazzHall als Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler zu etablieren. Die JazzHall ist somit nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich eng mit der Hochschule und ihrer Ausbildungsarbeit verbunden – ein Ort des Lernens, der Begegnung und der öffentlichen Präsentation.
Auch in ihrer programmatischen Ausrichtung positioniert sich die JazzHall bewusst weit: Neben Jazzkonzerten finden hier klassische und populäre Musikformate ebenso ihren Platz wie interdisziplinäre Projekte mit Theater, Tanz, Film oder bildender Kunst. Die JazzHall arbeitet eng mit Partnern aus der Hamburger Kulturszene zusammen und öffnet sich für Kooperationen mit Institutionen, Festivals, Ensembles und Einzelkünstlern.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Profil der JazzHall in Projekten, die die Grenzen zwischen Genres aufheben und Räume für Neues schaffen. So wurde im Projekt „12 Seasons – Vivaldi Recomposed by Wolf Kerschek“ das barocke Original durch zeitgenössische Jazz-Kompositionen neu interpretiert – ein faszinierendes Spiel mit Tradition und Innovation. In der Produktion „Jazz trifft Ballett“ begegneten sich das Hamburger Kammerballett und junge Jazztalente der HfMT um die australische Gitarristin Danica Hobden – ein Crossover-Erlebnis zwischen Musik, Körper und Raum, das neue ästhetische Zugänge eröffnete.
Im Rahmen des JazzHall SummerFestivals präsentierte Julian Sartorius als Artist in Residence gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Tilman Fehse eine Reihe von klanglich höchst differenzierten Konzerten, die Improvisation, Struktur und Textur auf spannende Weise verbanden. Und mit Auftritten wie „HfMT Bigband feat. Ibrahim Keivo & Rony Barrak“ wurde nicht nur musikalisch, sondern auch kulturell Brücken geschlagen – zwischen Nahost, Europa und Norddeutschland. All diese Formate verdeutlichen die Offenheit und Experimentierfreude, die die JazzHall auszeichnen.
Die JazzHall ist ein klares Statement: für Jazz als lebendige und vielgestaltige Kunstform, für die Bedeutung musikalischer Ausbildung in unserer Gesellschaft und für die enge Verknüpfung von Hochschule, Stadt und Publikum. Hamburg hat mit diesem Ort nicht nur einen neuen Konzertsaal, sondern ein Zentrum für Austausch, Ausbildung und ästhetische Erfahrung.
Die enge Verbindung zur HfMT – einer der renommiertesten Ausbildungsstätten für Musik in Deutschland – sorgt dafür, dass hier künstlerische Exzellenz und pädagogische Verantwortung Hand in Hand gehen. Studierende erhalten nicht nur die Möglichkeit, auf professionellen Bühnen zu performen, sondern erleben auch die direkte Resonanz eines realen Konzertpublikums. Für das Publikum wiederum wird erfahrbar, was musikalische Bildung in ihrer ganzen Breite bedeuten kann.
Mit der JazzHall ist Hamburg um einen herausragenden Ort musikalischer Begegnung reicher geworden. Sie ist akustisch präzise, architektonisch offen und künstlerisch mutig – ein Raum, der sich ständig neu definiert und damit genau das tut, was Jazz im besten Sinne auszeichnet. Wer heute einen Blick in die JazzHall wirft, sieht nicht nur einen Konzertsaal, sondern eine Bühne der Möglichkeiten – für Musik, für Menschen, für die Stadt.
Text: Jacek Brun
Fotos: JazzHall, Frank Siemers
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