Rezension des Jazz-Albums "Paranormal Music Chamber" von JB Dunckel
JB Dunckel
Paranormal Music Chamber
Erscheinungstermin: 23.01.2026
Label: Warner, 2025
Kammermusikalische Klangpoesie
Nicht nur als Mitglied des legendären Elektropop-Duos Air zählt JB Dunckel zu den prägenden und eigenständigen Klanggestaltern Frankreichs. Mit Paranormal Musicality eröffnete er Anfang 2024 einen reduzierten, introspektiven Kosmos aus minimalistischen Strukturen, atmenden Klangflächen und subtil pulsierender Ästhetik. Paranormal Music Chamber führt dieses Konzept weiter – jedoch in einem neuen, kammermusikalischen Gewand.
Im Zentrum stehen die ursprünglichen Klavierkompositionen, die hier durch differenzierte Arrangements erweitert werden. Die kammermusikalische Besetzung lässt die Stücke in bislang unbekannten Klangfarben erscheinen und verleiht ihnen zusätzliche räumliche Tiefe. Aus der Intimität des Soloklaviers entsteht ein weiter, vielschichtiger Resonanzraum, der die melodischen Linien organisch umhüllt.
Maßgeblich beteiligt an dieser Transformation ist der Pianist und Komponist Harry Allouche, der die Arrangements verantwortet und das Ensemble dirigiert. Die Besetzung – fünf solistische Streicher und Flöte, darunter Mitglieder des renommierten Orchestre de l'Opéra national de Paris – verleiht der Musik eine ausgeprägte klangliche Transparenz. Die orchestralen Passagen wirken dabei nie ornamental, sondern strukturierend und erzählerisch.
Paranormal Music Chamber zeichnet sich durch eine ausgeprägte lyrische Haltung aus. Unterschiedliche Stimmungen und emotionale Schattierungen durchziehen das Album und formen eine kontinuierliche Suche nach klanglicher Schönheit. Dunckel bewegt sich dabei zwischen klassischer Verwurzelung und zeitgenössischer Offenheit. Die Kompositionen überschreiten stilistische Grenzen, ohne ihre formale Klarheit zu verlieren.
Das Ergebnis ist ein atmosphärisch dichtes Werk, das durch seine kammermusikalische Feinheit und sein poetisches Ausdrucksspektrum besticht. Paranormal Music Chamber dokumentiert eindrucksvoll Dunckels Fähigkeit, elektronische und klassische Denkweisen in eine organische, narrative Klangsprache zu überführen.
(Jacek Brun, 13.02.2026)
Besetzung
JB Dunckel - percussion, composition
Mitglieder des Orchestre de l’Opéra national de Paris
Wei-Yu Chang - double bass
Shuichi Okada - first violin
Cécile Tête - second violin
Grégoire Vecchioni - viola
Cyrille Lacrouts, cello
Lorraine Campet - double bass, Track no. 1
Marie Laforge - flute, Track no. 3, 5, 9
Harry Allouche - conductor
Titelliste
- Melo Walk (Version for String Quintet)
- Shine (Version for String Quintet)
- Ballade oiseau (Version for Flute and String Quintet)
- Dolphin (Version for String Quintet)
- Désintegration (Version for Flute and String Quintet)
- Prélude marin (Version for String Quintet)
- Golden King (Version for String Quintet)
- Key Games (Version for String Quintet)
- Égérie (Version for Flute and String Quintet)
- Yokai (Version for String Quintet)
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