Rezension des Albums "Kaveriot Korridor" von Jean Baptiste Rousseaux

Jean Baptiste Rousseaux - Kaveriot Korridor - Album cover
Jean Baptiste Rousseaux - Kaveriot Korridor

Jean Baptiste Rousseaux
Kaveriot Korridor

Erscheinungstermin: 19.06.2026
Label: GleAM Records, 2026

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Die schönsten Geschichten brauchen manchmal keine Worte – nur drei Instrumente, die einander zuhören

jazz-fun`s recap:

Manche Alben erzählen ihre Geschichten mit Worten. Kaveriot Korridor erzählt sie mit Klangfarben, Melodien und dem feinen Zusammenspiel dreier Musiker, die einander aufmerksam zuhören. Das Ergebnis ist eine Musik, die gleichermaßen erzählerisch wie offen wirkt und den Hörer auf eine Reise mitnimmt, deren Ziel nie vollständig festgelegt ist.

Ein großer Teil des Albums entstand während einer dreiwöchigen Reise durch Belarus. Diese Erfahrungen fließen jedoch nicht in Form konkreter musikalischer Bilder ein, sondern prägen vielmehr die Atmosphäre der Kompositionen. Sie wirken wie Momentaufnahmen, Erinnerungen oder Begegnungen, die sich im Laufe des Hörens zu einer zusammenhängenden Erzählung verbinden.

Die Besetzung ohne Harmonieinstrument – mit Ausnahme einiger Stücke, in denen Gastgitarrist Alex Goodman das Trio erweitert – verleiht der Musik eine besondere Transparenz. Jean-Baptiste Rousseaux an der Trompete, Konrad Waldert am Kontrabass und Gianbattista di Genio am Schlagzeug nutzen den offenen Raum zwischen ihren Instrumenten mit großer Sensibilität. Jeder Ton erhält Bedeutung, jede musikalische Geste kann sich frei entfalten.

Vor allem Rousseauxs Trompetenspiel prägt den Charakter des Albums. Sein klarer, warmer Ton verbindet technische Souveränität mit großer Ausdruckskraft. Mal führt er die Musik mit virtuosen Linien voran, dann wieder genügen wenige, schlicht gespielte Töne, um eine intensive Stimmung entstehen zu lassen. Unterstützt wird er von einer Rhythmusgruppe, die weit mehr ist als Begleitung. Bass und Schlagzeug gestalten die musikalischen Entwicklungen aktiv mit und eröffnen immer wieder neue Richtungen für den gemeinsamen Dialog.

Improvisation gehört dabei selbstverständlich zum Konzept des Albums. Die Soli entstehen organisch aus den Kompositionen heraus und wirken nie losgelöst vom Gesamtgeschehen. Ebenso überzeugend sind die melodischen Themen, die sich durch ihre Klarheit und Natürlichkeit einprägen und den Stücken eine besondere erzählerische Kraft verleihen.

Kaveriot Korridor beeindruckt nicht durch Effekte oder Lautstärke, sondern durch seine musikalische Ehrlichkeit. Die drei Musiker vertrauen auf den Klang ihrer Instrumente, auf ihr gemeinsames Gespür für Form und auf die Kraft des Zuhörens. Gerade daraus entsteht eine Musik voller Wärme, Fantasie und Eleganz.

Mit diesem Album präsentiert sich Jean-Baptiste Rousseaux als außergewöhnlich reifer Trompeter und Komponist. Gemeinsam mit seinen Mitmusikern gelingt ihm ein Werk, das improvisatorische Freiheit, melodischen Einfallsreichtum und feinsinniges Ensemblespiel auf überzeugende Weise miteinander verbindet. Ein Album, das Jazzfreunden lange in Erinnerung bleiben dürfte

(Jacek Brun, 18.07.2026)

Besetzung

Jean-Baptiste Rousseaux - trumpet
Konrad Waldert - doublebass
Gianbattista di Genio - drums

Feat.:
Alex Goodman - guitar (Tracks Nr 9, 10)

Titelliste

  1. Intro
  2. Airegin (S. Rollins)
  3. Degab
  4. Kaveriot Korridor
  5. Interlude - Clotilde (G. Apollinaire)
  6. Lyre Koliocienne
  7. Sileok
  8. La' ou' les toits sont bleus
  9. Emme^le'es Ancolies
  10. Duo Grave alla Rava
  11. Outro (Goodbye) (G. Jenkins)

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