Jens Düppe - ism

Jens Düppe - ism - Albumcover
Jens Düppe - ism

Jens Düppe
ism

Erscheinungstermin: 02.05.2025
Label: Enja, 2025

Jens Düppe - ism - bei JPC kaufen Jens Düppe - ism - bei Amazon kaufen

jazz-fun`s recap:

Jens Düppe ist ein Schlagzeuger und Komponist, der nichts mehr beweisen muss – seine musikalische Handschrift ist längst unverwechselbar. Als herausragende Persönlichkeit der Jazzszene versteht er es, exzellente Instrumentalisten um sich zu versammeln und ihnen durch seine Kompositionen großzügigen Raum für individuelle Ausdrucksformen zu geben – dabei hält er das rhythmische Geschehen stets souverän zusammen. Auch seine eigenen, mitreißenden Solopassagen kommen dabei nicht zu kurz. Mit „ism“ legt Düppe ein hochspannendes Album vor, das viele musikalische Ebenen, Erzählstränge und Klangräume miteinander verbindet. Ein Werk, das sich bewusst jeder stilistischen Einordnung entzieht und das man unbedingt vom ersten bis zum letzten Ton gehört haben muss. (Jacek Brun, 08.05.2025)

Besetzung

Jens Düppe - drums, electronics, composition
Frederik Köster - trumpet
Lars Duppler - piano
Christian Ramond - bass

feat.:
Francesco Bearzatti - saxophone

Klangvisionär am Schlagzeug – Jens Düppe und sein vielschichtiges Album „ism“

Die Musik von Jens Düppe ist rau und elegant zugleich. Das ist eine Kunst und liegt daran, dass sich der in Köln lebende Schlagzeuger erfrischend wenig darum schert, einer bestimmten Stilschule anzugehören. Wenn die Stücke einen Sound verlangen, der mehr rockt und mächtig Druck macht - schön! Wenn sie jazzig-moderne Elemente in den Vordergrund stellen, die seine Mitmusiker mit subtiler Souveränität beherrschen - prima! Wenn es wieder experimenteller wird, mit frei fließenden Passagen oder kommunikativ ansprechenden Parts - auch faszinierend! Für Jens Düppe sind das vor allem Facetten eines größeren Zusammenhangs. Musik ist für ihn ein Ensemble ineinander fließender Energielinien. Der Rhythmus fließt, der Klang strömt, und sein Quartett mit Gast ist das Medium, um diese Vorstellung - die mehr Haltung als Idee ist - auch adäquat umsetzen zu können.

Um diese Gestaltungsfreiheit zu erreichen, bezieht sich Jens Düppe auf verschiedene Ebenen. Da ist zunächst das Instrument selbst. Seit mehr als drei Jahrzehnten steht es im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Es brachte ihn aus seiner Heimat Schwäbisch Gmünd unter anderem nach New York, vor allem aber mit vielen famosen Kolleg:innen zusammen, von Charlie Mariano und Maria Schneider bis Albert Mangelsdorff und Matthias Schriefl. Jens Düppe versteht das Schlagzeug als Reflexionsraum. Der Rhythmus gliedert, er ist das Rückgrat der Musik, aber auch ein Ausgangspunkt, von dem aus man assoziieren kann. Man kann ihn linear, flächig, räumlich auffassen, ihn in verschiedene „Ismen“ übergehen lassen, Minimalismus, Formalismus, Subjektivismus zum Beispiel. Das Instrument gibt es her. Es ist klanglich flexibel, von nah bis fern, von leicht bis dicht, von transparent bis wuchtig.

Hinzu kommen zweitens die Kompositionen. Sie orientieren sich an keiner stilistischen Form. Mal groovt es modern elegant und kraftvoll, mal gleitet die Musik in offenes Gelände. Es gibt Momente dominanter Strukturen, dann wieder melodische Elemente, die sich aus dem Gespräch und der Kommunikation der Band entwickeln. Vereinzelte elektronische Effekte runden den Sound ab. Über die neun Stücke spannt sich ein Bogen, der die Erinnerung an ein New York der Loft-Ära ebenso integriert wie die schwelgerische Moderne mit ineinander verwobenen Improvisationen. „ism“ lässt sich dabei nicht festlegen, will es auch gar nicht. Das ist gerade die Lust am Spiel mit den Erwartungen.

Und das wiederum funktioniert drittens, weil Jens Düppe eine fantastische Band an seiner Seite hat. Der Trompeter Frederik Köster ist ein versierter Erzähler der europäischen Jazzszene, stilistisch breit aufgestellt und musikalisch so wandlungsfähig, dass er sich perfekt mit dem Gast des Quartetts ergänzt. Denn der Saxophonist Francesco Bearzatti erweitert das Spektrum der gemeinsamen Ausdruckskraft als Impulsgeber und kreativer Anker, wild expressiv und poetisch intensiv. Der Pianist Lars Duppler wiederum ist ein Farbenmaler, der die Stücke ausfüllt und harmonisch changieren lässt, ohne sie zu überfrachten. Und der Bassist Christian Ramond passt in seiner Spielhaltung perfekt zu Düpplers Vielfalt, auch er ein Meister, der von schlichter, tiefer Klarheit bis zu groovender Vehemenz die Musik grundiert.

„ism“ wird so zu einem Album ohne Grenzen. Es ist zeitgemäß modern und zugleich zeitlos individuell, Jazz mit der Lust, sich gerade nicht einfangen lassen zu wollen. Eigentlich ist es gar kein „ism“, wie man ihn kennt. Und wenn, dann „Düppe-ism“ mit augenzwinkerndem Subtext.

Text: Enja

Titelliste

  1. Hello!
  2. Dance of the mamuthones
  3. Gravitational love
  4. Hit it
  5. Piece for peace
  6. Headspin
  7. Sunday people
  8. Strolling with Chris
  9. See you again!

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 2.