Stars are shining bright – das Jeremy Pelt Quartet am 8. Juli 2026 beim Internationalen Augsburger Jazzsommer
Von Robert Fischer
Unter einem guten Stern scheint auch in diesem Jahr der Augsburger Jazzsommer zu stehen: Bei der 34. Ausgabe dieses in den Monaten Juli und August im Kalender eines jeden Jazzfans dick markierten Festivals geben sich internationale Künstlerinnen und Künstler im Botanischen Garten sowie nationale Größen und Newcomer im Brunnenhof im Zeughaus die Klinke in die Hand.
Legenden des Jazz
Den Auftakt im Botanischen Garten machte diesmal der US-amerikanische Trompeter Jeremy Pelt, in dessen Quartett sich wahre Legenden des Jazz versammelt haben. Allein mit den Musikerinnen und Musikern, mit denen der inzwischen 84 Jahre alte Kontrabassist Buster Williams im Lauf seiner langen Karriere gespielt hat – von Sarah Vaughan, Nancy Wilson und Miles Davis über Kenny Dorham, Herbie Hancock, Art Blakey, Wynton Marsalis, Wayne Shorter und vielen, vielen anderen mehr, –, ließen sich wichtige Kapitel der Jazzgeschichte beschreiben. Zudem wurde ihm ein eigener Dokumentarfilm gewidmet: Adam Kahans „Buster Williams Bass to Infinity“ (2021).
Nicht minder beeindruckend ist die Vita des auch schon 77 Jahre alten Schlagzeugers Lenny White, der mit Musikerinnen und Musikern wie Geri Allen, Freddie Hubbard, Joe Henderson, Woody Shaw, Gato Barbieri, Gil Evans, Andrew Hill, Stanley Clarke, Hiromi Uehara, Jaco Pastorius und Stan Getz gespielt und mit Chick Coreas „Return to Forever“ auch Fusiongeschichte geschrieben hat.
Vergleichsweise jung ist der 1975 geborene Pianist Orrin Evans, der als gefragter Sideman wie als erfolgreicher Bandleader eigener Projekte unterwegs ist – bekannt wurde der auch schon für drei Grammys Nominierte in den Jahren 2017 bis 2020 als Mitglied der Band The Bad Plus.
Noch ein Jahr jünger ist der Bandleader Jeremy Pelt, der von dem renommierten US-amerikanischen Jazzmagazin „Downbeat“ gleich fünf Jahre in Folge zum „Rising Star“ an der Trompete gekürt wurde.
Gediegene Klänge an einem lauen Sommerabend
Auf dem Programm des mit Zugabe rund 80-minütigen Konzerts im Botanischen Garten stand Pelts aktuelles, musikalisch die Tradition eher fortschreibend-bewahrend als erneuerndes Album „Our Community Will Not Be Erased“, das ein klares Statement gegen die Geringschätzung und Unterdrückung der afroamerikanischen Gemeinschaft durch die MAGA-Bewegung in den Vereinigten Staaten setzt. Im Botanischen Garten erwies er sich als smarter Entertainer, der alle seine Mitmusiker ausdrücklich würdigte und mit freundlichen Ansagen durch den lauen Sommerabend führte. Besonders anrührend gelang ihm und seinem Quartett die Ballade „Fathers and Daughters“, die der angenehm unprätentiöse Musiker mit dem „Geständnis“ einleitete, er habe es anfangs völlig unterschätzt, wie bedeutend es für einen Vater sein kann, eine Tochter zu haben. Dass er später noch eine weitere Ballade, „Fathers and Sons“, hinterherschickte, belegt den ausgleichenden Charakter des Musikers, dem auch Humor nicht fremd ist: Als die vier zu der in einem offenen Pavillon gelegenen Bühne zurückkehrten, um eine Zugabe zu geben, meinte er, es sei schon etwas Besonderes, mitten in einem Botanischen Garten ein Konzert zu geben. So hätten sie sich, um sich nicht mühsam auf einem dicht bewachsenen Trampelpfad weiter entfernen zu müssen, einfach hinter dem Gebüsch versteckt – fest gewillt, in jedem Fall eine Zugabe zu geben …
Für Jeremy Pelt war es der erste Auftritt in dieser Umgebung – aber hoffentlich nicht der letzte, meinte er zum Schluss, ehe er anschließend neben der Bühne noch bereitwillig „die letzten acht CDs“ signierte, die er von seinem aktuellen Programm dabei hatte.
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