Joe Haider Trio & The Amigern String Quartet - Rosalie's Dream

Joe Haider Trio & The Amigern String Quartet - Rosalie's Dream - Albumcover
Joe Haider Trio & The Amigern String Quartet - Rosalie's Dream

Joe Haider Trio & The Amigern String Quartet
Rosalie's Dream

Erscheinungstermin: 24.05.2024
Label: Double Moon Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Musik, die von intelligenten und erfahrenen Musikern mit Augenmaß, ständiger Selbstbeherrschung, Sinn für Dramatik und gleichzeitig mit ungewöhnlicher Virtuosität und Elan gespielt wird. Im Spiel des gesamten Ensembles beeindruckt neben der Beherrschung der Instrumente und der Harmonie auch die geschickte Dosierung der spielerischen Mittel im Verlauf nicht nur der einzelnen Stücke, sondern des gesamten Albums. Eine hervorragende Auswahl und Zusammenstellung der Kompositionen, sehr interessante Arrangements und Improvisationen machen das Album zu einem Hörgenuss. (Jacek Brun, 24.05.2024)

Trio:
Joe Haider - piano
Lorenz Beyeler - bass
Tobias Friedli - drums

Quartet:
Vincent Millioud - violin
Sebastian Löscher - violin II
Franceska Verga - viola
Valentina Velkova - cello

„As Time Goes By“ ... so hieß eines der bisherigen Alben von Joe Haider aus dem Jahr 2020. Die Zeit meint es weiterhin gut mit dem Schweizer Pianisten, Komponisten und Arrangeur. „Seit 1958 stehe ich an der Spitze des Jazz. Das sind jetzt 66 Jahre“, stellt Haider nüchtern fest. Und fügt mit einem kurzen Lachen hinzu: „Das muss mir erst mal einer nachmachen!“ Dass er Anfang dieses Jahres 88 Jahre alt geworden ist, hört man seinem neuesten, durch und durch frisch und eigen klingenden Album überhaupt nicht an ... abgesehen davon, dass man die überwältigende Erfahrung spürt, die in der Musik und im Pianospiel mitschwingt.

„Ich habe mich nie verbogen. Ich habe immer konsequent meine Musik gemacht. Dabei habe ich mich immer weiterentwickelt.“ Viele Schritte, viele Stationen Haiders sind auf mittlerweile weit über 30 Alben dokumentiert. Erstaunlich ist, dass seine Schaffenskraft in jüngster Zeit keinen Deut nachgelassen hat. Ganz im Gegenteil. Während „Rosalie’s Dream“ erscheint und mit einer Tournee gefeiert wird, schmiedet er bereits Pläne für ein Miles-Davis-Projekt. Zu seinen letzten Veröffentlichungen gehören eine Hommage an das klassische Bill Evans Trio und ein spezielles Slide Hampton-Projekt in großer Besetzung. Die Musik hält den leidenschaftlichen Jazzer in Bewegung - und wie.

Mit „Rosalie’s Dream“, wenige Tage nach seinem 88. Geburtstag in Zürich aufgenommen, knüpft Joe Haider an frühere Produktionen mit Streichquartett an, diesmal in Kombination mit seiner aktuellen Stammtrio-Besetzung. Bassist Lorenz Beyeler und Schlagzeuger Tobias Friedli sind mit Mitte 40 fast halb so alt wie der Leader. Das Amigern String Quartet wurde ihm aus zuverlässiger Quelle empfohlen. Nach einem Konzertbesuch war klar: eine perfekte Wahl. Schon das Eröffnungsarrangement von „Caravan“ unterstreicht diese Erkenntnis. Da ist der geschmeidige Klang des Ensembles, aber auch die wunderbare Stimme der Cellistin Valentina Velkova und das inspirierte Solo des Primarius Vincent Milloud.

Joe Haider ist kein Mann der langen Erklärungen. Warum er auf diesem Album seine eigenen Kompositionen mit zwei völlig unterschiedlichen Klassikern von Duke Ellington, darunter einem seiner populärsten, Caravan", umrahmt? „Duke Ellington ist der Meister!“ In diesem knappen Satz schwingt tiefe Verehrung mit. „An ihm kommt im Jazz niemand vorbei. Er gehört zu meinen großen Vorbildern: Ellington, Bill Evans, Miles ...“ Joe Haider wäre nicht Joe Haider, hätte er dem Evergreen „Caravan“ nicht mit seinem eigenwilligen Arrangement seinen eigenen, respektvollen Stempel aufgedrückt. Sein eigenes Solo ist ein Paradebeispiel für Klarheit und dynamische Entwicklung. Das zarte „The Single Petal Of A Rose“, ursprünglich eine Soloaufnahme Ellingtons, hat er behutsam in eine erweiterte Form überführt und damit einen zutiefst atmosphärischen Ausklang des Albums geschaffen.

Dazwischen: sechs neue Haider-Stücke, eigens für dieses Album komponiert. Drei davon handeln von Frauen: „Josefa in Palermo“, „Marcellas Granddaughter“ und eben jene Rosalie, die träumt - von der ewigen Liebe. „Das sind alles erfundene Figuren.“ Mehr verrät er nicht. Diese warm klingenden „Frauenträume“ (Haider) machen uns mit ganz unterschiedlichen Erscheinungen und Charakteren bekannt. Auch das sind Facetten der künstlerischen Phantasie des Wahlschweizers, der seit 1984 in Bern lebt.

Dass Joe Haider zur Arbeit mit einem Streichquartett zurückgekehrt ist, schließt den Kreis zu seinen ganz frühen Jahren. Darauf weist er selbst hin. Damals absolvierte der gebürtige Darmstädter, der in Stuttgart aufwuchs und in München Musik studierte, eine fundierte klassische Ausbildung als Pianist und Komponist. Die Begegnung mit dem Jazz ließ ihn abtrünnig werden. In den sechziger Jahren entwickelte er sich zu einer starken Musikerpersönlichkeit. Heute zählt er zu den herausragenden elder statesmen des Jazz in Europa.
Mit Blick auf „Rosalie’s Dream“ betont er noch einmal, dass es ihm selbstverständlich nicht darum ging, zwei Ensembles (Trio und Streichquartett) zusammenzuführen, sondern Musik für ein nahtlos agierendes, swingendes Septett zu schaffen: durch Arrangements, in denen die Streicher integraler Bestandteil des kreativen Ganzen sind. Das ist ihm auch diesmal auf beeindruckende Weise gelungen.

Text: Double Moon Records

  1. Caravan
  2. My grandfathers garden
  3. Josefa from Palermo
  4. Rosalie's dream
  5. Marcelles granddaughter
  6. Soultime
  7. Kollektiv 7
  8. The single petal of a rose

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