John Scofield’s Long Days Quartet am 9. Juli 2025 beim Internationalen Augsburger Jazzsommer

John Scofield
John Scofield, Foto: Robert Fischer

Es hätte so schön sein können. Noch in der Woche zuvor war das Thermometer hier im Süden der Republik auf über 30 Grad geklettert – beste Bedingungen für ein Open-Air-Konzert im Park, der in diesem Fall ein (sehr schöner) Botanischer Garten und jährlich ein Austragungsort des Internationalen Augsburger Jazzsommers ist. Statt einer heißen Sommernacht mit schweißtreibender Musik warteten aber nun auf das erfreulich zahlreich zum Konzertgelände strömende Publikum eher laue Klänge zu mittlerweile wieder unter 20 Grad gefallenen Temperaturen. Immerhin hat es nicht geregnet und – allerdings auch musikalisch – schon gar nicht gestürmt.

Angereist war John Schofield mit dem „Long Days Quartet“, dessen Name die mittlerweile auch schon 74 Jahre alte Musikerlegende auf der Bühne im Rosenpavillon damit zu erklären wusste, dass diese Band meistens im Sommer zusammenspiele. Da seien die Tage länger … Auch länger hell, wobei das Publikum Glück habe: Hier bleibe es länger hell als in New York: „In many ways.“

Über das Repertoire wusste er zu berichten, dass es noch so neu sei, dass es noch nicht mal richtige Titel habe – allenfalls ein paar Arbeitstitel konnte er nennen: „Dayton“ (Scofields Geburtsort in Ohio), „Michael“ und das sinnigerweise in Covid-Tagen geschriebene „Gloves“ waren die ersten drei Stücke, später kam noch ein durchaus treffend betiteltes „Slow“ dazu – die schönste Ballade des Abends, von der sich auch einer der Vögel des Parks zum Mit-Scofields-Gitarre-um-die-Wette-Zwitschern angeregt zeigte. Ansonsten war das, was John Scofield mit seinen – jeder für sich wunderbaren – Bandmitgliedern (John Medeski, Piano und Hammondorgel, Vicente Archer, Bass, und Ted Poor, Schlagzeug) auf die Bühne brachte, musikalisch eher unauffällig. Solide, bluesjazzcountrylastige Wertarbeit, von der man hofft, dass sie – sollte die Band mit diesem Programm ins Studio gehen – noch deutlich an Konturen gewinnt. An Ecken und Kanten zumal, wie sie Scofields unverkennbar eigenes Spiel seit jeher auszeichnen.

Vielleicht den schönsten Moment hatte das Konzert in einer langen Kadenz des Gitarristen im letzten Stück des fast zweistündigen Sets, einer Variation des Jazzstandards „Georgia on My Mind“. Als Zugabe gab es dann noch Hank Williams’ „You win again“, von dessen Lyrics sich John Scofield so angetan zeigte, dass er die ersten Zeilen auswendig rezitierte. Danach gab es Standing ovations, die Scofield mit einem freundlichen „Danke, Augsburg“ erwiderte. Da hatte man wirklich den Eindruck, er freue sich – vielleicht ja auch darüber, mit wie wenig Aufwand man ein Publikum begeistern kann. Selbst in einer nicht ganz so heißen Sommernacht wie dieser.

Text und Fotos: Robert Fischer

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