Rezension des Jazz-Albums "Easter Island Suite" von John Vanore & Abstract Truth

John Vanore & Abstract Truth - Easter Island Suite - Album cover
John Vanore & Abstract Truth - Easter Island Suite

John Vanore & Abstract Truth
Easter Island Suite

Erscheinungstermin: 06.02.2026
Label: Acoustical Concepts, 2025

John Vanore & Abstract Truth - Easter Island Suite - bei bandcamp kaufen

John Vanore & Abstract Truth – Easter Island Suite: Monumentaler Jazz über Mythos und Geheimnis

jazz-fun`s recap:

Mit Easter Island Suite legt der Trompeter und Komponist John Vanore ein Werk vor, dessen Entstehungszeit selbst monumentale Dimensionen annimmt. Über einen Zeitraum von beinahe vier Jahrzehnten entwickelte sich diese Suite – inspiriert von den geheimnisvollen Moai-Figuren der Easter Island – zu einem vielschichtigen musikalischen Porträt von Landschaft, Mythos und ungelöster Geschichte.

Trotz der langen Produktionsphase zeichnet sich das Album durch bemerkenswerte Geschlossenheit aus. Die vierteilige Suite entfaltet eine dramaturgisch durchdachte Erzählstruktur, die Spannung kontinuierlich aufbaut und atmosphärisch verdichtet. Der Eindruck eines organisch gewachsenen Werkes überwiegt deutlich gegenüber der zeitlichen Fragmentierung seiner Entstehung.

Ein wesentlicher Faktor für diese Kohärenz ist die personelle Kontinuität innerhalb des Ensembles Abstract Truth. Der Altsaxofonist und Flötist Michael Mee prägt das klangliche Profil durchgehend, während Bassist Craig Thomas mit energetischer Stabilität das Fundament aller vier Teile legt. Pianist Ron Thomas rahmt die Suite in ihren äußeren Abschnitten, ergänzt durch Bob Howell an Bassklarinette und Saxofon sowie Gitarrist Greg Kettinger, die seit den späteren Sessions integrale Bestandteile des Klangbildes sind.

Thematisch steht das Motiv des Geheimnisses im Zentrum. Vanore greift die bis heute nicht vollständig geklärten Fragen zur Entstehung und zum Transport der monumentalen Steinfiguren auf und übersetzt dieses Spannungsfeld in musikalische Form. Harmonische Offenheit, dynamische Kontraste und sich langsam entfaltende Motive erzeugen eine Atmosphäre latenter Erwartung. Die Suite arbeitet mit Verdichtung und Auflösung, mit klanglicher Weite und subtiler Unruhe – musikalische Mittel, die das Unbekannte nicht erklären, sondern hörbar machen.

Easter Island Suite präsentiert sich als jazzbasierte Erzählung über Rätselhaftigkeit und Faszination. Die Musik entwickelt sich in klar strukturierten Bögen, überrascht durch unerwartete Wendungen und bewahrt zugleich eine narrative Stringenz. Das Ergebnis ist ein Album von beeindruckender dramaturgischer Geschlossenheit, das die Ausdrucksmöglichkeiten des modernen Jazz in großformatiger Form demonstriert.

(Jacek Brun, 17.01.2026)

Besetzung

John Vanore - Trumpet
Lyndsie Wilson - French horn
George Barnett - French horn
Bob Howell - Tenor and soprano saxophones
Mike Falcone - Tenor saxophone
Michael Mee - Alto saxophone and alto flute
Ron Thomas - Piano
Greg Kettinger - Guitar
Criag Thomas - Bass and Waterphone
Dan Monaghan - Drums
Austin Wagner - Drums

Titelliste

  1. Discovery
  2. Gods and Devils
  3. The Secret Caves
  4. Rano Raraku - Journey to the Lake

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 3?