Jon Batiste - We Are

Jon Batiste - We Are

Jon Batiste
We Are

Erscheinungstermin: 19.03.2021
Label: Verve, 2020

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Mit seinem neuen Album “We Are” schlägt der facettenreiche Jon Batiste ein neues Kapitel in seiner Karriere auf. Es ist ein Kapitel, in dem Fans, die ihn bislang nur als Jazzmusiker wahrgenommen hatten, viele andere Seiten von ihm kennenlernen können. Denn diesmal schöpft Batiste nicht nur aus der Tradition des klassischen Jazz, sondern aus einer ganzen Reihe anderer musikalischer Quellen. Aber so wie er es sein Leben lang getan hat, versucht der unerschütterliche Idealist auch auf “We Are” seine Musik dafür einzusetzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

“Wenn du nicht wirklich für etwas stehst”, meint Jon Batiste, “dann kann deine Kunst nie wirklich größer sein, als du als Mensch bist.” Auf “We Are”, seinem vierten Album für Verve, wechselt er nicht nur einfach die Stilarten. Das Album ist zugleich ein Aufruf zum Handeln, zu dem er sich als Pianist, Sänger, Bandleader und Songwriter jetzt bereit fühlte, weil er mit seinen 34 Jahren, so seine eigenen Worte, endlich herausgefunden hat, wie er selbst klingt.

Gemeinsam mit der Songschreiberin Autumn Rowe (Kylie Minogue, Dua Lipa, Kali Uchis) und dem Produzenten Kizzo schrieb und plante Batiste den Großteil der Stücke dieses Projekts im Verlauf einer Woche von seiner Garderobe bei der “The Late Show with Stephen Colbert” aus, für die er schon seit fünf Jahren als musikalischer Leiter und Bandleader fungiert. Während die eine Hälfte von “We Are” in New York aufgenommen wurde, wo Batiste heute lebt, spielte er die andere Hälfte in seiner Heimat Louisiana ein. Auf diese Weise gelang es ihm, die Inspirationen seines neuen Zuhauses sowie seiner neuen Kooperationspartner Rowe und Kizzo mit denen der Batiste-Musikerdynastie und der reichen Südstaatenkultur, der er sich noch immer verpflichtet fühlt, zu verschmelzen. Aufgenommen wurde das Album zwischen den Sessions für den Disney/Pixar-Animationsfilm “Soul”, der im Oktober letzten Jahres seine Premiere beim London Film Festival hatte und für den Batiste die jazzigen Stücke des Soundtracks geschrieben und eingespielt hat.

“Ich habe den Leuten bereits einige meiner musikalischen Seiten gezeigt”, meint Batiste. “Aber es gibt so viele Facetten von mir, die sie noch gar nicht kennen, die aber genauso ein Teil von dem sind, was mich als Künstler ausmacht. Ich hoffe, dass sie durch dieses Album endlich alles über mich erfahren.”

Um dieses vollständigere Bild einzufangen, musste Batiste tiefer zu seinen Wurzeln vordringen. Bestes Beispiel dafür ist das Titelstück „We Are“, eine jubilierende, funkige Nummer, in der er daran appelliert, auch in dunkelsten Zeiten eine positiv Einstellung zu wahren. Das Stück enthält einen Auszug aus einer Predigt seines Großvaters, der heute Kirchenältester ist und einst als Aktivist an der Seite von Dr. Martin Luther King, Jr. marschierte. Darüber hinaus ist es auch ein Feature für die St. Augustine Marching 100 – die berühmte Marching Band von Batistes Alma Mater – und die jungen Neffen des Protagonisten.

Jons Vater, Michael Batiste, ist wiederum in “Cry” am Bass zu hören. Jon selbst singt hier bewegend über den Schmerz und die Ungewissheit, die so oft Hand in Hand gehen mit dem Kampf für Gleichberechtigung. Das Stück ist eine organische Mischung aus Grooves und Gospel. “Boy Hood” ist eine Trap-angehauchte Hommage an das legendäre New Orleanser Hip-Hop-Quartett Hot Boys und präsentiert Batiste in Gesellschaft zweier bekannter Kollegen, die wie er aus Louisiana stammen: der Sänger und Maroon 5-Keyboarder PJ Morton sowie Posaunist Trombone Shorty. Im verführerisch-lasziven “Adulthood” folgt schon wenig später ein kurzer Gastauftritt der legendären Hot 8 Brass Band aus New Orleans.

“Als Schwarzer und Amerikaner hatte ich das Gefühl, dass die Aufnahme mit einem Fuß auf meinem Heimatboden stehen musste”, sagt Batiste, “als Allegorie für all die Dinge, über die ich spreche.”

Aber das Album sollte nicht nur davon handeln, wie es war, von Musikern umgeben in der Wiege des Jazz und mit einer Kultur aufzuwachsen, die in fast jeder amerikanischen Musiktradition verwurzelt ist. Batiste wollte mit “We Are” auch zum Ausdruck bringen, was es bedeutet, im Jahr 2020 ein Schwarzer aus den Südstaaten zu sein. Obwohl die meisten Stücke schon vor der landesweiten Neubelebung der “Black Lives Matter”-Bewegung im vergangenen Sommer geschrieben worden waren, ist das Album von Anfang bis Ende auf eine lang ersehnte Befreiung ausgerichtet. Da gibt es beispielsweise in dem Titel “Mavis” einen Cameo-Auftritt der Rhythm’n’Blues-Ikone und Aktivistin Mavis Staples, der als Einleitung zu der Selbstbestimmungshymne “Freedom” dient, einer ausgelassenen, für den Dancefloor geschaffenen Rhythm’n’Blues-Nummer, die davon handelt, wie fundamental es sein kann, sich einfach mal nur zu vergnügen. In “Tell The Truth” hat Batiste geradezu perfekt den berühmten Motown-Sound eingefangen und mit einer einfachen, aber sehr zeitgemäßen Ermahnung verbunden. Einige der Songs von “We Are” stellte Batiste der Öffentlichkeit schon bei den letzten New Yorker Juneteenth-Feierlichkeiten vor. Die Songs waren, so meint er, “vorausschauend, obwohl sie es gar nicht sein sollten”. Denn sie griffen nicht nur die Frustration und Wut der Menschen auf, sondern auch die Freude, die sie verspürten, als sie auf die Straße gingen, um angesichts der schrecklichen Ungerechtigkeit ihre Solidarität und Einheit zu bekunden.

In den überschwänglichen Songs von “We Are”, bei denen die Grenzen zwischen Funk, Rhythm’n’Blues und Gospel oft fließend verlaufen, fand Batiste auch die musikalische Befreiung, die er gesucht hatte. In “I Need You”, einem vergnügten, auf das Wesentliche reduzierten Rhythm’n’Blues-Liebeslied, wechselt Batiste zwischen R&B-Shouting und erzählendem Sprechgesang hin und her, was dem Vintage-Feeling der Nummer eine gewisse Extraschärfe verleiht (für seine eher jazzorientierten Fans wirft Batiste hier auch noch ein paar instrumentale Solopassagen ein). “Show Me The Way” bietet eine entspannte, funkige Zusammenarbeit mit der Gastsängerin – und geschätzten Schriftstellerin – Zadie Smith und kam durch Zoom-Konferenzen zustande. Für das Stück ging Batiste also nicht nur über Genregrenzen hinaus, sondern auch über die des Aufnahmestudios. Doch mit seiner bemerkenswerten Musikalität und seinem ungezwungenen Charme sorgt er dafür, dass alles wie aus einem Guss klingt.

“Die Musik ist im Endeffekt genreungebunden, während sie gleichzeitig sehr in meiner Geschichte und der Geschichte dieses Landes verwurzelt ist”, sagt Batiste. “Ich habe das Gefühl, dass sie weit über das hinausgeht, was man noch in einen Jazzkontext einordnen könnte.” Wichtig ist ihm, dass er mit ihr ein möglichst großes Publikum erreicht und bestens unterhält. Und das sollte ihm mit den dreizehn wunderbaren Nummern von “We Are” auch mühelos gelingen.

Text: Verve

jazz-fun.de meint:
"We Are" ist keine Platte, die die Geschichte der Musik verändert. Es ist eine Platte, die Ihnen jeden Tag viel Freude bereitet und sicher jedes Mal Ihre Stimmung verbessert. Spaß ist garantiert!

  1. We Are
  2. Tell The Truth
  3. Cry
  4. I Need You
  5. Whatchutalkinbout
  6. Boy Hood
  7. Movement 11'
  8. Adulthood
  9. Mavis
  10. Freedom
  11. Show Me The Way
  12. Sing
  13. Until

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