Joshua Redman lässt im Nica Jazz Club in Hamburg die Funken sprühen
Von Sarah Seidel
Wo soll man anfangen? Der 8. Juli 2026 – ein Abend mit Hochfrequenz-Alarm, sowohl klanglich als auch energetisch. Saxofonist Joshua Redman zu erleben in zwei Shows im Nica Jazz Club in Hamburg. Dabei: Paul Cornish am Piano, Philip Norris am Bass und Nazir Ebo am Schlagzeug. Der Club gerammelt voll. Vorher haben die rund 300 Jazzfans geduldig in einer langen Schlage mehrmals ums Eck angestanden. Dann, nach einer ganzen Weile, haben sich die Türen für die zweite Show geöffnet. Robert von Bennigsen, Co-Gründer des Nica Jazz Club, begrüßt heute ausnahmsweise selbst (statt Club-Betreiberin Fee Schlennstedt) auf der Bühne stehend mit Vorfreude Publikum und Musiker.
Und da kommt Joshua Redman schnellen Schrittes auf die Bühne – in Hemd und Sakko mit Einstecktuch, akkurat und sehr stilvoll angezogen. Keine Ansage. Es geht los, zunächst auf dem Sopransaxofon. Redman kommt ohne Umschweife zur Sache. Von Null auf Hundert. Man könnte meinen, er lotet sowohl auf diesem Instrument als auch auf dem Tenorsaxofon, das er beim nächsten Stück in die Hand nimmt, die Grenzen dessen aus, was spielbar ist. Am Ende kommt er immer zu dem Ton, den er treffen will, auch den verwegensten am obersten Ende der Skala. Sein musikalisches Repertoire ist ein Mix aus neuen und alten Songs, von seinem Album ”Words Fall Short“ und auch von seinem frühen Album ”Wish“, das er 1993 live mit Pat Metheny, Charlie Haden und Billy Higgins im New Yorker Village Vanguard aufgenommen hat.
Überhaupt: Von Sekunde eins an fühlt man sich nach New York versetzt. Es herrscht eine dichte Club-Atmosphäre, das Publikum macht begeistert jeden Move mit und die Musiker zeigen ein traumhaftes Interplay. Allesamt sind großartige Solisten mit einer Fülle an Ideen, in hohem Maße inspiriert. Der Bandleader selbst hat in mehr als 30 Jahren, in denen er international tourt, einen kontinuierlichen Karriereaufstieg erlebt und sich in den Jazz-Olymp gespielt. Einer der prägenden Saxofonisten der heutigen Zeit. Blues, Swing, Gospel, Groove, Bossa Nova, Balladen, all das kommt hier ins Spiel, auf delikateste Weise mit einem großartigen Sound präsentiert.
Noch am Anfang dieses zweiten Sets scherzt Redman, dass sich die erste Show um 18 Uhr bei hellem Tageslicht angefühlt habe wie eine Frühstücks-Show. Nun, gegen 21 Uhr geht die Sonne langsam aber sicher unter, das Nachtgefühl kehrt zurück. ”Now, at 9 p.m., it’s almost evening, the sun is almost down, it’s almost time for jazz“, sagt er. Es sei schön, dass es den Nica Jazz Club gibt, es brauche mehr Clubs wie dieser an der Elbe. Am Ende reagiert das Publikum euphorisch. Bei dem jetzt aufbrandenden Applaus liegt trotz der ohnehin schon langen Spielzeit noch eine Zugabe drin. Aus dem Saal ruft es ”One More For The Road!” Redman entgegnet humorvoll, dass der Zuhörer gut reden hätte. Er selbst müsse am nächsten Morgen um 4:30 Uhr aufstehen, weil er zum Flughafen abgeholt wird.
Mit der Ballade ”I Fall in Love So Easily“, gefühlvoll auf dem Tenor gespielt, entlässt Joshua Redman seine Zuhörer selig in die Nacht. Im Publikum gibt es bei dieser Show mit dem US-Pianisten John Beasley und seinem Schlagzeuger-Kollegen Terreon Gully kollegialen Besuch, sie haben hinten in der letzten Reihe gesessen. Die beiden Musiker haben sich einen Spaziergang von der NDR-Nachbarschaft in Hamburg-Rotherbaum bis in die Stadtmitte gegönnt, um bei diesem Ereignis dabei sein zu können. John Beasley und Terreon Gully sind Teil eines Projekts mit der NDR Bigband, das beim Elbjazz Festival zwei Tage später präsentiert wird. Sie klatschen sich jetzt lachend mit den Bandmitgliedern ab und nehmen zusammen einen Drink. Wieder mal ein exklusiver, unvergleichlicher Abend in der Hamburger Jazz-Szene, der für immer auf der Festplatte bleiben wird. Mit der Programmierung und der Umsetzung dieses Konzerts ist man beim Nica Jazz Club noch einmal mehr nach oben in die internationale Club-Liga gerückt. Ein echter Glücksgriff.
Leider gibt es hier kein Foto vom Konzertgeschehen. Redman hatte im Voraus darum gebeten, Handys und Kameras liegen zu lassen. Dem Wunsch sind wir nachgekommen. Dafür gibt es hier ein Erinnerungsfoto mit seiner jungen Band und den Musiker-Kollegen Terreon Gully und John Beasley. Redman selbst war da schon längst in der Garderobe verschwunden … (von links nach rechts: Philip Norris, Terreon Gully, John Beasley, Paul Cornish, Nazir Ebo).
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