Klaus Koenig Jazz Live Trio - Songs For Laila

Klaus Koenig Jazz Live Trio - Songs For Laila
Klaus Koenig Jazz Live Trio - Songs For Laila

Klaus Koenig Jazz Live Trio
Songs For Laila

Erscheinungstermin: 05.01.2024
Label: TCB, 2023

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jazz-fun`s recap:

Klaus Koenig hat eine ganz eigene musikalische Sprache, in der Raum ist für zarte, tranceartige Motorik, für Repetitionen und die Ausformung großer melodischer Phrasen. Diese Ausdrucksmittel sind jedoch nie übertrieben und laden dazu ein, der sich entwickelnden Erzählung aufmerksam zu folgen. Seine von starken Emotionen durchdrungenen Interpretationen brechen mit interpretatorischen Konventionen, und die Kompositionen auf der CD sind in ihrem Ausdruck kohärent. Dies zeugt von einer bewussten und durchdachten künstlerischen Vision.

Klaus Koenig - Piano
Andi Wettstein - Drums
Patrick Sommer - Double bass

In der klassischen Musik bezeichnet der Begriff "Klaviertrio" eine Besetzung aus Violine, Violoncello und Klavier. Von Beethoven bis Brahms und darüber hinaus gibt es eine Fülle von Kompositionen für diese sehr produktive Kammermusikbesetzung. Der Jazzfreund hingegen versteht unter dem Begriff "Klaviertrio" eine Kombination aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Davon ist hier die Rede. Vorreiter dieser im Jazz so wichtigen Besetzung waren zweifellos die Pianisten, die schon früh den "Stride-Style" entwickelten und ohne die Unterstützung einer Rhythmusgruppe vollwertig - und kostengünstig - spielen konnten. Später sorgten Bass und Schlagzeug für rhythmischen, melodischen und klanglichen Reichtum. Sie befreiten die Pianisten auch von der Notwendigkeit, den Rhythmus mit der linken Hand zu markieren, was die Entwicklung neuer Klavierstile ermöglichte. Außerdem wurde das Trio zum idealen Partner der Bläser. Quartette mit einem Bläser plus Trio und Quintette mit zwei Bläsern dominierten bald die Jazzszene.

Bis heute basiert ein sehr großer Teil der Jazzproduktion auf diesen Instrumentalkombinationen, die oft durch zusätzliche Bläser erweitert werden. Auch Sängerinnen und Sänger entdeckten und nutzen das Trio als Begleitformation. In den turbulenten 60er und 70er Jahren, als einige Jazzmusiker im Gefolge von Pionieren wie Cecil Taylor und Paul Bley die freie Improvisation erforschten, begannen sie, die Zwänge des Trios hinter sich zu lassen. Mit den neuen Ideen einer Musik, die sich von den Fesseln fester Formen und Harmonien befreit, werden egalitäre Konzepte übernommen. Die mit dem Begriff "Rhythmusgruppe" verbundene untergeordnete Rolle eines rein begleitenden Elements stand dieser Entwicklung vehement entgegen. Die Revolution des Free Jazz ist wohl untrennbar mit den großen Jugendbewegungen der 1960er Jahre verbunden: der Flower-Power-Bewegung in den USA und der 68er-Generation hierzulande. In der Musik - und wohl nicht nur in der Musik - brachte dies auch eine gewisse Anti-Ausschließlichkeits-Mentalität mit sich: Jeder kann mitmachen und seine Kreativität ausleben; Kunst kennt keine Verbote; oder wie der Maler Joseph Beuys verkündete: "Jeder ist ein Künstler". In dieser Atmosphäre war es unvermeidlich, dass in jenen Jahren im New Jazz so mancher Gleichgesinnte auftauchte, der dort eigentlich nicht hingehörte: Möchtegern-Musiker, die ihr Instrument nicht wirklich beherrschten und bei näherem Hinsehen nur schwach in der Musik verankert waren.

Zurück zum Thema. Im Klaviertrio der 1960er Jahre hatte man die unterwürfige Funktion von Bass und Schlagzeug auf evolutionärem Weg schon weitgehend hinter sich gelassen. Man denke nur an das Bill Evans Trio und seine Vorbildfunktion für viele junge Musiker in aller Welt. Doch das war vielen Anhängern der Freien Form nicht genug. Neue Instrumentalkombinationen sollten die etablierten Konstruktionen ablösen. Ein Duo aus Piccoloflöte und Basstuba? Warum nicht? Neue Musik braucht neue Klänge. Diese Entwicklungen waren zweifellos legitim, fast selbstverständlich in der dramatischen Umbruchstimmung der 60er Jahre.

Aber es waren wohl eher die Theoretiker, die diesen Trend vorantrieben, denn schon ein kurzer Blick zurück in die Jazzszene zeigt, dass die etablierten Ensembles auch im neuen revolutionären Umfeld weitgehend unverändert weiter bestanden. Das Klaviertrio in Kombination mit Bläsern blieb ein fester Eckpfeiler des Free Jazz. Ich war damals sehr daran interessiert, das Neue im Jazz zu verfolgen und so viel wie möglich aufzunehmen, und ich kann Ihnen sagen, dass viele Aufnahmen den Weg in meinen Kopfhörer gefunden haben. Aber ich habe nur sehr wenige Platten gefunden, die mich davon überzeugt haben, dass die Wünsche der Radikalen jemals verwirklicht worden sind. Ich erinnere mich, dass Albert Mangelsdorff, als wir ihn zu einem unserer "Jazz Live"-Konzerte ins Radiostudio Zürich einluden, klagte, er finde niemanden, mit dem er frei im Duo musizieren könne. Er hätte es gerne versucht, aber ich weiß nicht, ob er sein Experiment je zufriedenstellend umsetzen konnte.

In den 70er Jahren versuchte unsere Gruppe "Magog" (die im In- und Ausland nicht ganz unbemerkt blieb) auf eher evolutionäre Weise, Musik zu schaffen, die gleichzeitig gebunden und ungebunden, strukturiert und frei war. Das Projekt war zunächst geprägt von langen Diskussionen über die richtige Herangehensweise, um eine möglichst originelle und eigenständige Musik zu erreichen. Schliesslich war eine Combo aus drei Bläsern zusammen mit meinem Trio für uns alle eine Selbstverständlichkeit. Als uns die Schweizer Stiftung Pro Helvetia 1975 zum Festival nach Ljubljana schickte, hatten wir die Gelegenheit, sowohl Art Blakeys "Jazz Messengers" als auch Cecil Taylors damalige Formation zu hören. Obwohl die beiden Großmeister völlig unterschiedliche Musik spielten, traten sie in der gleichen Besetzung auf: dem "klassischen" Quintett, bestehend aus zwei Bläsern und einem Klaviertrio. Es ist offensichtlich, dass die Musiker in Taylors Gruppe eine andere Rolle spielten als in Blakeys. Wie bereits erwähnt, war der Free Jazz mit der Idee verbunden, dass alle Musiker möglichst gleichberechtigt an der Musik teilhaben sollten. Dies führte zu einer geradlinigeren, "horizontalen" Art des Musizierens im Vergleich zur alten, vergleichsweise "vertikalen" Spielweise. Die Kombination der Instrumente blieb von diesem Wandel jedoch weitgehend unberührt. Carla Bley gehörte zur Free Jazz-Szene der 60er Jahre. Ich erinnere mich gut an ein Konzert in Zürich, wo sie mit einem Quartett aus Klaviertrio und Trompete auftrat. Von ihrem Ex-Mann Paul Bley (einer der Schlüsselfiguren der Free-Bewegung und Alternative zu Cecil Taylor) erinnere ich mich an eine wunderbare LP, auf der er mit einem Quintett aus zwei Bläsern und einem Trio spielt.

Bei unseren "Jazz Live"-Radiokonzerten in den 60er bis 80er Jahren, bei denen ich für die musikalische Programmgestaltung verantwortlich war, luden wir auch bekannte Vertreter der freien Musik wie den bereits erwähnten Albert Mangelsdorff, Francois Jeanneau und Enrico Rava als Solisten ein, die mit meinem Trio eine Stunde lang live in der Sendung spielten. Keiner von ihnen stellte die Kombination von Soloinstrument und Trio in Frage. Auch die traditionelle Quartettbesetzung war für diese Solisten, die sich damals alle dem Free Jazz verschrieben hatten, völlig normal. Fazit: Es ist zweifellos legitim, in Zeiten des Umbruchs wie der Free Jazz-Revolution die Besetzung von Jazz-Ensembles in Frage zu stellen. Im Rückblick wird jedoch deutlich, dass für viele führende Vertreter dieser Bewegung die Zusammensetzung der Gruppen keineswegs von primärer Bedeutung war. Heute, in einer Phase, in der sich der Jazzbegriff zu erweitern scheint und die Abgrenzung zwischen Jazz und Nicht-Jazz oft problematisch wird, stellt sich die Frage nach dem Format erneut. Wird das Klaviertrio seine dominierende Rolle behalten? Qui vivrà verrà.

Text: TCB

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