Kristjan Randalu & Martin Kuuskmann Schubert - Voyage

Kristjan Randalu & Martin Kuuskmann Schubert - Voyage - Albumcover
Kristjan Randalu & Martin Kuuskmann Schubert - Voyage

Kristjan Randalu & Martin Kuuskmann
Schubert Voyage

Erscheinungstermin: 14.03.2025
Label: Berlin Classics, 2024

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jazz-fun`s recap:

Wir haben es hier mit einem seltenen Rezital eines Fagott- und Klavierduos zu tun, das von hochkarätigen Musikern gespielt wird. So haben wir Schuberts Musik noch nie gehört. Jedes der dargebotenen Stücke hat interessante formale Voraussetzungen, die auf originelle Weise umgesetzt werden. Beide Musiker schaffen ihre eigene persönliche Interpretation und ergänzen sich gegenseitig, so dass ein untrennbares musikalisches Ganzes entsteht. In allen Stücken sind auch Anklänge an Kristjan Randalu Jazzerfahrungen zu hören. Ein wunderschönes Album, an dem man nicht achtlos vorbeigehen kann. (Jacek Brun, 15.03.2025)

Besetzung

Kristjan Randalu - Klavier
Martin Kuuskmann - Fagott

Über das Jazz Album "Schubert Voyage" von Kristjan Randalu & Martin Kuuskmann

Der estnische Pianist und Komponist Kristjan Randalu hat bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten, darunter eine Grammy-Nominierung. Er wurde zweimal mit dem Estonian Music Award ausgezeichnet und von der Zeitschrift The New York City Jazz Record in die Liste der "Best of 2020" aufgenommen. Seine Aufnahmen sind bei renommierten Jazzlabels wie ECM und Enja erschienen. Zuletzt erschien sein Album Dichterliebe" bei Berlin Classics. Darin widmet er sich rein instrumental am Klavier dem Dichterliebe-Zyklus von Robert Schumann. Für sein aktuelles Album „Schubert Voyage“, das ebenfalls bei Berlin Classics erscheint, hat sich der Pianist erneut einen Liederzyklus der Romantik ausgesucht. Diesmal ist es Franz Schuberts Winterreise op. 89. Statt sich wieder solistisch an die Arbeit zu machen, hat er sich für das aktuelle Projekt den Fagottisten Martin Kuuskmann, ebenfalls mehrfacher Preisträger des Estonian Music Award, an die Seite geholt. Für ihre gemeinsame Winterreise mischen sie Elemente aus Klassik und Jazz.

Franz Schuberts Winterreise basiert auf 24 Gedichten von Wilhelm Müller. Der Liederzyklus erzählt die Geschichte eines einsamen Wanderers, der nach einer gescheiterten Liebe durch eine winterliche Landschaft zieht. In den Liedern reflektiert er seine Trauer, Verzweiflung und innere Zerrissenheit, während er mit Erinnerungen und Sehnsüchten ringt. Wesentliche Themen, die auch Franz Schubert beschäftigt haben müssen. Als er die Winterreise komponierte, war er bereits an Syphilis erkrankt und erlebte die Veröffentlichung seines Werkes 1828 nicht mehr. Seine Musik vermittelt die emotionale Tiefe und die melancholische Stimmung des Textes. Kristjan Randalu und Martin Kuuskmann greifen diese melancholische Stimmung in ihren rein instrumentalen Interpretationen auf und werfen ein zeitgenössisches Licht auf die romantischen Kompositionen.

Kristjan Randalu hat für sein Album 14 Lieder aus dem Winterreise-Zyklus bearbeitet und mit vier Eigenkompositionen ergänzt: „Schreck“, „Vorschau“, „Winterschlaf“ und „Nachtwind“. In seiner Winterreise übernimmt das Fagott im Wesentlichen die Rolle des Sängers. Die Tonarten bleiben die gleichen wie bei Schubert, aber die Taktarten und Stimmungen ändern sich. In der „Guten Nacht“ zum Beispiel erklingen durchgehende Triolen im Klavier über Schuberts ursprünglichem Zweivierteltakt. Diese minimalistische Polymetrik erzeugt einen unruhigen Puls, der die düstere Stimmung des Stücks verstärkt. „Im Grunde ist alles notiert, bis auf Kristjans Improvisationen am Klavier. Das Publikum wird nicht immer hören, was notiert ist und was nicht. Ich habe einige Soloparts, die durch die Decke gehen. Diese Soloparts hat Kristjan tatsächlich so komponiert und aufgeschrieben“, erklärt der estnisch-amerikanische Fagottist.

Obwohl Kristjan Randalu und Martin Kuuskmann als Kinder regelmäßig mit demselben Bus zur Musikschule in Tallinn fuhren, lernten sie sich erst viele Jahre später in New York kennen. Bei gemeinsamen Projekten zeigte sich schnell, dass sie die Leidenschaft und Neugier für zeitgenössische Interpretationen klassischer Musik teilen. Werke von Mussorgski und Schumann, die Kristjan Randalu neu arrangierte und bearbeitete, inspirierten den Fagottisten so sehr, dass die Idee entstand, sich gemeinsam Liedern von Schubert zu widmen. „Glücklicherweise ist Martin ein virtuoser Musiker, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist. Außerdem ist das Fagott ein wunderbares Instrument mit einem enormen Tonumfang, das sowohl Melodielinien als auch Bassstimmen spielen kann. So konnte ich eine Klanglandschaft mit vielfältigen Strukturen schaffen“, sagt Kristjan Randalu.

„Schubert Voyage“ ist eine respektvolle Annäherung an die Musik und die emotionale Thematik der Winterreise. Ähnlich wie das lyrische Ich im Liederzyklus auf sich selbst zurückgeworfen ist, wirft Kristjan Randalu einen eigenständigen Blick auf die Winterreise und verbindet tiefe Emotionalität mit jazziger Spontaneität. Eine innovative Neuinterpretation!

Text: Berlin Classics

Titelliste

  1. Gute Nacht
  2. Gefrorne Tränen
  3. Schreck
  4. Erstarrung
  5. Der Lindenbaum
  6. Wasserflut
  7. Auf dem Flusse
  8. Vorschau
  9. Rückblick
  10. Rast
  11. Winterschlaf / Frühlingstraum
  12. Einsamkeit
  13. Die Krähe
  14. Im Dorfe
  15. Nachtwind / Der stürmische Morgen
  16. Der Wegweiser

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