Jazz im Herzen von Paris: Le Châtelet fait son Jazz begeistert mit Vielfalt und Intensität

Le Châtelet fait son jazz © Thomas Amouroux
Le Châtelet fait son jazz © Thomas Amouroux

Wenn der Trubel von Weihnachten und Silvester verklungen ist, wenn die guten Vorsätze formuliert und die Horoskope gelesen sind, kommt der Februar – mit seinem leisen Bedürfnis nach einem Moment des Innehaltens. Genau dann öffnet das traditionsreiche Théâtre du Théâtre du Châtelet seine Türen und lädt ein zu vier Tagen Jazz, Emotion und Reflexion.

Das Festival Le Châtelet fait son Jazz setzt bewusst auf Intensität und Verdichtung. Jeder Abend entfaltet sich in drei Akten: Zunächst die beiden Hauptkonzerte in der Grande Salle – einem Saal mit spürbarer Geschichte und Aura. Danach geht es weiter in den Salon Nijinski, mit einem der schönsten Panoramablicke über Paris. Umgeben von eleganten Interieurs und exzellenter Musik fühlt man sich hier nicht nur als Zuhörer, sondern als Teil eines besonderen Moments.

Isaiah Collier plays Coltrane (c) - Charlotte C. - Théâtre du Châtelet
Isaiah Collier plays Coltrane © - Charlotte C. - Théâtre du Châtelet

Der Freitag eröffnete das Festival mit einer spirituellen Wucht. Annie & the Caldwells verbanden Gospel, Soul und Funk zu einer mitreißenden Einheit. Anfangs noch leicht zurückhaltend, ließ sich das französische Publikum bald vollständig anstecken – und stand schließlich singend und tanzend im Saal. Es war mehr als ein Konzert: eine echte Soul-Erfahrung.

Den Hauptteil des Abends gestaltete Isaiah Collier mit einer eindrucksvollen Hommage an John Coltrane, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Colliers Spiel war fesselnd, fast tranceartig – ein Moment jenseits der Zeit, in dem nur das Hier und Jetzt zählte. Unterstützt wurde er von Tomoki Sanders, Sohn des legendären Pharoah Sanders, sowie von der Pariser Saxophonistin Ornella Noulet. Ihre Soli trugen eine bemerkenswerte Reife und Kraft.

Die folgenden Abende standen jeweils im Zeichen eines pianistischen Kosmos. Shai Maestro brachte Leichtigkeit und feine harmonische Wendungen. Roberto Fonseca entführte mit kubanischen Rhythmen, die unmittelbar unter die Haut gingen. Und Kenny Barron präsentierte sein „Songbook“-Projekt – erstmals mit Gesang, gemeinsam mit Kiyoshi Kitagawa. Jeder dieser Auftritte entwickelte eine eigene Atmosphäre, eine individuelle emotionale Landschaft.

Innerhalb von vier Tagen führte das Festival musikalisch um die Welt. Dhafer Youssef verband nahöstliche Klangfarben mit zeitgenössischer Improvisation. Gabi Hartmann bewegte sich mühelos zwischen französischen, englischen, portugiesischen und sudanesischen Einflüssen. China Moses wiederum erzählte ihre bluesgetränkten Geschichten mit einer Direktheit, als spräche sie jeden einzelnen Zuhörer persönlich an – humorvoll, berührend, ehrlich.

Der Salon Nijinski eröffnete eine andere Art des Zuhörens: näher, intimer, fast vertraulich. Mit einem Glas in der Hand und den Musikerinnen und Musikern nur wenige Schritte entfernt entstand eine Atmosphäre lebendiger musikalischer Begegnung.

Arnaud Dolmen brachte mit seinem Projekt VityGroove Groove, tranceartige Strukturen und elektrische Texturen auf die Bühne. Célia Kameni entfaltete ein sensibles und zugleich kühnes Universum zwischen französischem Vocal Jazz, Soul und Folk. Mario Canonge verband Improvisation mit karibischen Einflüssen. Und das Zoot Collectif um Neil Saidi und Noé Codjia verneigte sich vor der Tradition klassischer Jazzquintette – mit einem klar zeitgenössischen Impuls. Jedes dieser Sets wirkte wie ein spätes, spontanes Gespräch – offen, großzügig, lebendig.

Was diese Ausgabe von „Le Châtelet fait son Jazz“ auszeichnete, war die spürbare persönliche Hingabe aller Beteiligten. Noch lange nach dem letzten Vorhang hallten Stimmen und Klänge nach. Die Konzerte erinnerten daran, dass Liebe, Solidarität und kulturelle Vielfalt letztlich dieselbe Sprache sprechen.

Die Organisatoren behielten recht: Diese Festivaledition überraschte, bewegte und überwältigte – und weckte bereits jetzt die Vorfreude auf das nächste Februar-Rendezvous in Paris.

Text: Izabella Olejniczak
Fotos: Charlotte C.

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